
Olpe, 12.02.2012 01:45 Uhr
Sie ist gerade 18 Jahre alt geworden, hat ihre Ausbildung begonnen. Ihr Leben, ihre Zukunft fangen an Formen anzunehmen - und dann ist der Schwangerschaftstest positiv. Ihre Mutter flippt aus, ihr Freund freut sich - Gott sei Dank. Und sie steht vor der Frage: "Was soll ich nur tun?" Die richtige, individuelle Antwort auf diese Frage zu finden, genau dabei hilft "Mirjam", die staatlich anerkannte Beratungsstelle für Schwangere in Olpe.
"Die Beratung und Begleitung während und nach einer Schwangerschaft sind unsere Hauptaufgabengebiete", erklärt Steffi Rohrmann.
Zusammen mit ihren zwei Kolleginnen Gilla Eickelkamp und Viktoria Langjahr - alle drei sind Sozialpädagoginnen und haben sich in den unterschiedlichsten Fachrichtungen fortgebildet - kümmert sie sich um die einfühlsame und kompetente Beratung von Frauen, Paaren oder Familien, die eine Schwangerschaft vor eine Konfliktsituation stellt - in welcher Form auch immer. Unterstützt werden sei dabei von Verwaltungsfachkraft Mechthild Stamm.
Die drei Beraterinnen unterstehen der Schweigepflicht, das Ergebnis der Beratung ist offen. Es werden Entscheidungshilfen gegeben, gemeinsam wird nach einer Lösung gesucht. "Der Eingangs beschriebene Fall ist ein ganz hervorragendes Beispiel", so Gilla Eickelkamp.
Meist fällt eine Schwangerschaft in der 6.-7. Woche auf. "Als das Mädchen zu uns in die Beratung kam, war sie verzweifelt, stellte sich aber die Frage: ,Darf ich mein Kind töten´?". Da sei klar gewesen: Sie werde das Kind bekommen. Wer sich solch moralische Fragen stelle, der könne nie damit leben, ein Kind abzutreiben.
Jetzt galt es eine gute Lösung zu finden. "Ihr Freund hielt zu ihr. Er suchte sich einen Job in einer Fabrik, um mehr Geld zu verdienen. Das war ganz toll", erläutert Steffi Rohrmann. Ein großes Problem war allerdings das Verhältnis zur Mutter. "Wir haben Mutter, also die zukünftige Oma, und ihre schwangere Tochter zu uns eingeladen. Erstmal gibt es dann etwas Warmes zu trinken", erklärt Gilla Eickelkamp.
Eine angenehme, gemütliche und vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, damit beginne jedes Gespräch. "Sehen Sie nicht, dass ihre Tochter sich Gedanken macht?" war die Frage, die die Mutter schließlich aus der Reserve lockte. "Sie brach in Tränen aus, sie war selbst mit 19 schwanger geworden. Zwar ist sie glücklich verheiratet, aber für ihre Tochter habe sie sich immer etwas anderes gewünscht."
Als dies "raus" war, konnte schnell eine Lösung gefunden werden: Das Mädchen konnte ihre Ausbildung zu Ende machen, Mutter, Familie und Freund halfen ihr das Kind großzuziehen. "Das ist natürlich sehr schön, wenn unsere Arbeit dann zu so einem Ergebnis führt", findet Gilla Eickelkamp begeistert.
Rechtliche Fragen, Informationen zu Einrichtungen, die Vermittlung von finanziellen Hilfen oder die Begleitung und Unterstützung im Trauerfall oder nach einem Schwangerschaftsabbruch gehören genauso zum Angebot von "Mirjam" wie Vorsorge, Familienplanung und sexualpädagogische Präventivarbeit in Schulen.
Die Beratung ist kostenlos und anonym, unabhängig von Religion und Nationalität: "Wir helfen Ihnen bei der Suche nach eigenen Kräften und Fähigkeiten und ermutigen Sie zu einer eigenen Lösung."
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