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"Im nächsten Jahr wird Hamsa sicher bei mir sein"

Finnentrop, 30.11.1999 00:00 Uhr (toby )

Pizzabäcker "Thusy" heiratete seine große Liebe in Singapur

Bamenohl. (toby)
Thusyanthan Balasubramaniam (27) ist vielen Lesern in guter Erinnerung geblieben. Der Pizzabäcker, der wegen seines langen Namens nur "Thusy" gerufen wird, kam 1996 als Flüchtling nach Deutschland. Bei der abenteuerlichen Flucht aus Sri Lanka ließ er Familie und Freunde zurück. Und Hamsa, seine große Liebe. Den Heiratsantrag stellte Thusy am Telefon, doch zwischen dem Paar steht die Politik: Der Tamile steht bei den Singhalesen auf der Fahndungsliste, eine Rückkehr in das von Bürgerkrieg gezeichnetem Sonnenland kann den Tod bedeuten. Briefe, Telefon und ungestillte Sehnsucht: "Werden die zwei jemals zusammen finden:" Mit diesen Zeilen endete vor genau einem Jahr ein Bericht im Sauerlandkurier über die beiden Königskinder, die nicht nur aufgrund des tiefen Wassers nicht zusammen kommen konnten.
Die Liebe verleiht Flügel
Thusyanthan Balasubramaniam ließ nicht locker. Der fleißige Küchenhelfer im Restaurant "Vino Veritas" in Bamenohl legte jeden Cent an die Seite und nahm einen Kredit bei der Bank auf. Dann startete er eine internationale Zusammenführungsaktion, die jede Pizza "Tutto" aufgrund seiner Vielfältigkeit in den Schatten stellt. Zunächst marschierte der dunkelhäutige Mann zur Gemeinde Finnentrop und beantragte eine "Ledigkeitsbescheinigung". Mit der Ehefähigkeitsbescheinigung ging es nach Attendorn zum Übersetzter. Nicht ohne Grund, denn Thusy holte beim Gang in die Offensive gewaltig aus. "Ich habe von Freunden erfahren, das man uns bei der Botschaft von Sri Lanka in Singapur trauen wird."
Ortswechsel: Sirupitti, Sri Lanka. Thusys Mutter Saroginigevi Balasubramaniam vertraut den Hochzeitsplänen und schneidert für ihren Sohn ein farbenprächtiges Hochzeitsgewand. Den Bräutigam zieht es derweil nach Dortmund, dort kauft er für seine geliebte Hamsa ein prachtvolles Hochzeitskleid. E-Mails und Briefe knüpfen den Kontakt vom Sauerland nach Singapur. Die Regierungsangestellten von der Botschaft Sri Lankas befassen sich eingehend mit dem Heiratswunsch und stellen die Weichen vom Traum zu Zweit nach langen Prüfungen auf freie Fahrt. Thusy informiert Oma und Tante in Kanada, "ob sie nicht mal eben zur Hochzeit nach Singapur kommen möchten." Kurze Zeit später hebt in Toronto ein Flieger mit dem Zielort Singapur ab.
Thusy jettet von Frankfurt in den fernöstlichen Stadtstaat und die Braut steigt in Colombo auf Sri Lanka in ein Flugzeug. Thusys Mutter und sein Bruder Kajan sind mit an Bord. Sechs freudestrahlende Menschen fallen sich einige Stunden später in Singapur um den Hals — bei zwei Reiseteilnehmer wollen die Umarmungen und Küsse gar nicht aufhören.
Zwei Tage später sind Thusy und Hamsa nach offiziellem Gesetz Mann und Frau. Fernab von Pizzateig, sauerländer Schmudelwetter und Co. genießt Thusy für einen Monat das Eheleben. Nach 30 Tagen stieg die Mini-Hochzeitsgesellschaft wieder in die Flieger, die sie zurück nach Deutschland, Kanada und Sri Lanka brachten. "Hamsa muss erst richtig Deutsch lernen, Prüfungen bestehen und Formalitäten erledigen. Der Ausreiseantrag ist bereits gestellt."
"Ich bin ein typischer Sauerländer"
Thusyanthan Balasubramaniam freut sich nun auf das Kalenderblattabreißen: Jeder Tag führt ihn näher an seine Inselschönheit heran! "Leider muss ich in diesem Jahr wieder alleine Weihnachten feiern, aber im nächsten Jahr wird Hamsa sicher bei mir sein, woll": Woll: Sauerländer Mundart macht auch vor jungen Ehemännern aus Sri Lanka keinen halt. "Ich bin doch schon ein typischer Sauerländer!" Kann schon sein, Thusy. Aber an die Schreibweise des Namens Thusyanthan Balasubramaniam wird man sich im Land der 1000 Berge erst noch gewöhnen müssen.

 

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