Sauerland, 13.11.2006 02:44 Uhr (SK)
Elkeringhausen/Winterberg. (SK) Anneliese Knoop-Graf, die Schwester Willi Grafs, berichtete in der vergangenen Woche in der Bildungsstätte St. Bonifatius Elkeringhausen im Rahmen eines Seminars und im Geschwister-Scholl-Gymnasium Winterberg vor über 200 Schülern über ihre Erinnerungen an die deutsche Widerstandsbewegung „Die Weiße Rose.
„Anneliese Knoop-Graf war im Jahre 1943 selbst vier Monate in Gestapo-Haft und wurde vom gleichen Beamten verhört wie Sophie Scholl. Sie konnte deshalb wertvolle Informationen zu dem Film „Sophie Scholl, die letzten Tage“, beisteuern.
Was brachte diese jungen Studenten dazu, den Mund aufzumachen, während Millionen schwiegen? Diese Frage bewegte die Zuhörer besonders. Die tiefe Verankerung in den christlichen Werten, der Glaube an die Freiheit und die Würde des Menschen, den man nicht auf ein gut funktionierendes Glied in einer Masse reduzieren darf, waren Hauptmotive für den Widerstand.
Die Mitglieder der Weißen Rose gehörten zu den wenigen, die ihr Denken durch Flugblätter und Inschriften an Mauern und Hauswänden ins Handeln umsetzten. Das eigene Gewissen war Grund, die Schandtaten der Nazis, die sie selbst an der Ostfront und in der Heimat sahen, auf diese höchst gefährliche Weise zu verbreiten. Getragen wurden sie von einem starken Gottvertrauen, wie die Briefe Willi Grafs aus der Haft in München-Stadelheim und die letzten Worte der Geschwister Scholl und von Christoph Probst beweisen.
Es lag während der Ausführungen von Anneliese Knoop-Graf jeweils eine atemberaubende Spannung im Saal. „Versteckt eure Feigheit nicht hinter dem Mantel der Klugheit,“ lautete beispielsweise ein aufrüttelnder Satz in den Flugblättern der Weißen Rose, der die Teilnehmer in St. Bonifatius Elkeringhausen zum Schluss des Seminars sehr beschäftigte, als es um die Frage nach dem Widerstand heute ging. Wo halten wir uns heraus mit dem Argument, es sei nicht klug oder angebracht, ein Unrecht zu benennen, das in unseren Arbeits- und Beziehungsfeldern geschieht?
Eine Reihe von Beispielen – vom Mobbing im Betrieb bis zur Gleichgültigkeit in christlichen Gemeinden – kamen zur Sprache und sorgten für Nachdenklichkeit.
Ein beeindruckendes Erlebnis am Ende war, als am Allerseelentag die Gruppe von St. Bonifatius an einem ökumenischen Gottesdienst teilnehmen durfte, der in sehr intensiver Weise von Schülern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums zum Thema Widerstand gestaltet war.
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