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"Nie wieder Krieg!"

Überregional, 04.11.2007 00:00 Uhr (SK)

Josef Korte, einer der letzten lebenden Heimkehrer erzählt

VON FRIEDHELM TOMBA
Serkenrode.
Der 80. Geburtstag gestern von Josef Korte: Zwischen Glückwunschkarten und Sahnetorte haben Erinnerungen, Wehmut und unfassbare Erlebnisse einen festen Platz. Das vorgerückte Alter, der Tod seiner Frau und der Rückblick auf ein langes Leben haben das Herz des alten Mannes geöffnet. "Ich will darüber reden, obwohl ich lange mit mir ringen musste. Was ich erlebt habe, soll den nächsten Generationen eine Mahnung sein." Die Mahnung besteht aus drei Worten: "Nie wieder Krieg." Josef Korte gilt als einer der "letzten" lebenden Heimkehrer: Vier Jahre, drei Monate und zehn Tage galt der Sauerländer als vermisst. Als der 2. Weltkrieg in seinen letzten, vom Blut gezeichneten Zügen lag, wurde der damals 15-jährige Junge im "Wehrertüchtigungslager" auf seinen Einsatz an der Waffe vorbereitet.
Josef Korte wurde als Sohn von Josef und Josefine Korte (geborene Heinemann aus Dormecke) am 3. November 1927 in Serkenrode geboren. Auf dem elterlichen Hof lernte er schnell, was harte Arbeitet bedeutet. Doch über allem Tun und Handeln wachte ein behütetes Elternhaus.
Damit war plötzlich auf grausame Art und Weise Schluss. Im Ausbildungslager in der Eifel hielt der Bauernsohn erstmals eine Waffe in der Hand. "Scharf schießen, bei Regen im Dreck liegen und mich anschreien lassen: Damals bekam ich einen Vorgeschmack auf das weitere Soldatenleben."
Kurze Zeit später fand sich Josef Korte beim Reichsarbeitsdienst wieder. Die Arbeit bestand aus darin, dass junge Männer mit Spaten hinter der Front Schützengräben ausgruben.
Zwischen Siegesrufen hatte die Führung wohlweißlich schon Rückzugsmöglichkeiten für die Flucht geplant.
In Viehwaggons an die Front
Dann kam es knüppeldick: Die blutjungen Arbeiter wurden in Viehwaggons gepackt und an die Ostfront nach Schlesien gebracht. "Man hatte uns bereits mitgeteilt, dass die Front nicht zu halten war. Warum wurden wir dort hin verfrachtet: Auf dem Weg an die Front kamen uns die Flüchtlingsströme der Zivilisten entgegen.
Eine unwirkliche Situation: Die Dörfer waren verlassen, die zahllosen Kühe der großen Gehöfte wurden zuvor von der Flüchtenden freigelassen und irrten ziellos umher. Das Blöken der Tiere bleibt unvergessen, die Euter waren prall gefüllt, es gab jedoch niemand mehr, der sie melken konnte." Der erste Schießbefehl galt den Kühen, die jungen Soldaten mussten die Tiere erschießen. "Wer nicht abdrückte, wurde auf der Stelle mit einem Genickschuss von den Befehlsgebern getötet."
Dann kam der Tag, den Josef Korte als "Weltuntergang" beschreibt. "Wir kamen auf ein riesiges, freies Feld. Überall tauchten Panzer auf, die Rote Armee hatte uns eingekreist und zog den Gürtel immer enger. Wir waren mehr als 130.000 Männer und sahen das Ende auf uns zu kommen. Überall schrieen Soldaten um ihr Leben, ich habe meinen Kameraden jedoch gesagt, dass man uns hier sicher nicht töten wird. Mann wird mit uns das Gleiche machen, was zuvor die Deutschen mit ihren Gegnern gemacht haben: Man wird uns gefangen nehmen und abtransportieren!" Josef Korte, mit der "Erfahrung" von mittlerweile 17 Lebensjahren, sollte Recht behalten. Die Waffen wurden abgegeben und der Marsch in eine ungewisse Zukunft begann.

 

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