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Blauäugigkeit vermeiden

Hochsauerland, 04.10.2009 01:45 Uhr (Jana Sudhoff)

Ein Kind kann sich auf unerklärliche Weise nichts merken. "Einen Tag findet es die Badezimmertür plötzlich nicht mehr wieder", berichtet eine Mutter. "Am nächsten Tag weiß es nicht, wie es eine Türklinke nach unten drücken muss." Hinzu kommen Wachstumsstillstand, Entwicklungsverzögerung, Schlafstörungen, geistige Behinderung, Auto-Aggressionen und Distanzlosigkeit. Ein Ärzte-Marathon streicht ins Land, bevor die Diagnose FAS (Fetales Alkohol-Syndrom) feststand. Eine Diagnose, die für die Familie eine enorme Belastung bedeutet.

Und FAS ist nur eines von vielen Themen, das beim Stammtisch des Adoptiv- und Pflegeelternvereins im Hochsauerland thematisiert wird.

"Der Anteil an FAS, ADHS, behinderten Kindern und Kindern mit Verhaltens- und Lernstörungen oder Entwicklungsverzögerungen ist in Pflegefamilien größer als in normalen Familien", erklärt Alexandra Becker, Vorsitzende des eingetragenen Vereins. Entsprechend groß ist der Rede- und Austauschbedarf, auch zu rechtlichen und sozialen Fragen sowie Gestaltung der Besuchskontakte.

Den Verein, der sich als Selbsthilfegruppe versteht und derzeit 16 Familien integriert, gibt es schon seit 2000 — seit März mit neuem Vorstand. Und der möchte jetzt einiges mehr in Bewegung bringen. Fortbildungen, gegenseitige Unterstützung, eine Vermittlerrolle und Interessenvertretung gegenüber Ämtern, Politik, Krankenkassen und Verbänden stehen auf der Agenda ganz oben. "Und wir möchten im HSK noch viel mehr Pflegeeltern ansprechen und diese mit ihren Problemen unterstützen", sagt die Vorsitzende.

Damit der Verein weiß, was sich andere Pflegeeltern wünschen und wo bei ihnen der Schuh drückt, haben die Mitglieder einen anonymen Fragebogen entworfen, der an alle Adoptiv- und Pflegeeltern verteilt werden soll.

Gleichzeitig sind alle Pflegekind-Bewerber beim Stammtisch willkommen oder können einen Tag lang in eine Pflegefamilie reinschnuppern. Damit "sie nicht blauäugig da reinlaufen".

Mehr Aufklärung gewünscht

"Wir selbst hätten uns mehr Aufklärung gewünscht, bevor wir ein Kind aufgenommen haben", sagt Becker. So haben die Vereinsmitglieder etwa ein Vorbereitungs-Seminar, wie in anderen Kreisen und Städten üblich, vermisst. "Aber wir stehen in Gesprächen mit dem Jugendamt des Kreises in Meschede", erzählt Annette Loos. Folgende Punkte sollen gemeinsam verbessert werden: mehr Fortbildungen, häufigere Hilfeplangespräche, Vorbereitungsseminare und mehr Unterstützung. Das Jugendamt hat beispielsweise schon mündlich eine Fortbildung im nächsten Frühjahr versprochen.

Auch der Adoptiv- und Pflegeelternverein hat bereits eine Fortbildung auf dem Terminkalender. Am 7. November referiert Dr. Feldmann von der FAS-Ambulanz Münster in der Sparkasse Hochsauerland zum Thema "Fetales Alkohol-Syndrom". Eine Anmeldung ist erforderlich. Das Jugendamt verschickt für die Veranstaltung Einladungen an alle Adoptiv- und Pflegeeltern. Eingeladen sind auch Lehrer, Erzieher, Ärzte, Hebammen und alle Interessierten.

Ob sie es bereut haben, ein Pflege- beziehungsweise ein Adoptivkind aufzunehmen? "Ich würde es nochmal machen, aber es macht schon Sinn, wenn man realistischer rangeht", sagt Annette Loos.

 

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