
Olpe, 08.02.2012 01:45 Uhr
Es gibt Daten, mit denen auch ohne langes Nachdenken wichtige Ereignisse oder Begebenheiten assoziiert werden. Der 10. Februar ist so ein Tag: Es war der 10. Februar 1990, an dem betroffene Eltern in Much den "Deutschen Kinderhospizverein" gründeten.
Dieser Verein mit Sitz in der Olper Bruchstraße gründete dann das Kinderhospiz "Balthasar", das - 1996 eröffnet - das erste seiner Art in Deutschland war und getragen wird durch die Gesellschaft der Olper Franziskanerinnen (GFO).
Seit 2006 erinnern DKHV und "Balthasar" mit dem "Tag der Kinderhospizverein" an den Gründungstag und appellieren an die Solidarität der Öffentlichkeit mit den Familien lebensverkürzend erkrankter Kinder.
"Die Zentralveranstaltung für Deutschland findet auf einem Rheinschiff in Köln statt, moderiert von Gisbert Baltes. Aber hier in Olpe, der Wiege der Kinderhospizarbeit, gibt es natürlich auch eine Veranstaltung. Dabei haben wir von Anfang an zusammen gearbeitet", so "Balthasar"-Leiter Rüdiger Barth und Hubertus Sieler, im DKHV Ansprechpartner für Familien. Die beiden Organisationen versuchen, jeweils eine andere Zielgruppe anzusprechen: Am Freitag sind es vor allem Erwachsene. Im Mutterhaus der Franziskanerinnen liest um 18 Uhr Schauspielerin Isabell Schupp mit musikalischer Begleitung von Natalie Schwaabe. Isabell Schupp weiß, wovon sie spricht: Ihre Tochter Pauline starb mit 16 Jahren an Leukämie. Sie berichtet unter dem Leitwort "Der wichtigste Moment ist immer der Augenblick" über die "behutsame Annäherung an eine unvorstellbare Situation, in der nicht die Krankheit im Vordergrund steht, sondern die Suche nach einem Miteinander und der Kraft und Energie des Lebens".
Isabell Schupp wirkte im Film "Seelenvögel" mit, einer 2009 entstandenen Dokumentation über drei unheilbar kranke Kinder und Jugendliche, das Leitwort ihrer Lesung stammt aus diesem Film, der 2010 am Tag der Kinderhospizarbeit im "Cineplex" Olpe gezeigt wurde.
Mit der Veranstaltung am Freitag ist auch der Wille verbunden, auf die oft extreme Situation betroffener Familien aufmerksam zu machen. "Es ist beispielsweise ein echter Skandal, dass Familien buchstäblich um alles kämpfen müssen, Anträge mit großer Verzögerung bearbeitet werden oder Kostenträger keine Informationen über Hilfen weitergeben", so Birgit Halbe, Mitarbeiterin von "Balthasar". Oder - auch das ist ein Problem, das kaum bekannt ist: Vier von fünf Partnerschaften zerbrechen durch die jahrelange Belastung, Geschwisterkinder sind traumatisiert und zeigen Rückfälle in Kleinkinderverhaltensweisen.
Als äußeres Zeichen der Solidarität mit betroffenen Familien dient das "Grüne Band", das rund um den Tag an Polizei- und Rettungsfahrzeugen sowie Bussen flattert. Zu beziehen sind diese Bänder beim Deutschen Kinderhospizverein in der Bruchstraße 10 in Olpe. Kostenlos - wie auch der Eintritt zur Lesung kostenfrei ist.
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