
Brilon, 10.03.2010 18:30 Uhr
Brilon möchte das RWE-Gasnetz kaufen und in die eigene Gasversorgung einsteigen. So hat es der Rat der Stadt einstimmig beschlossen. Die Details dazu stellten die Verantwortlichen am Mittwochmittag der Presse vor. Für die Briloner Bürger soll sich nichts ändern, außer dass sie künftig das Gas von ihrer eigenen Stadt beziehen können? zu verbraucherfreundlichen Preisen, so sichern es die Mitglieder der neuen Gesellschaft zu.
Für das Vorhaben hat sich Brilon einen Partner gesucht: den zu 100 Prozent kommunalorientierten Zweckverband Energie Waldeck-Frankenberg (EWF), mit dem die Stadtwerke Brilon zusammen eine neue Gesellschaft ? die Stadtwerke Brilon Energie GmbH ? gründen werden. Die Stadt Brilon wird 74,9 Prozent der Gesellschaftsanteile halten, die EWF 25,1 Prozent.
Einen Partner habe man mit ins Boot geholt, um für die Bürger einen nahtlosen Übergang von der ersten Minute zu schaffen und wertvolle Synergien zu nutzen, so Stadtkämmerer Klaus Hülsenbeck.
13 Millionen Euro netto möchte die RWE für die 169 Kilometer Rohrleitungen, 3300 Hausanschlüsse und 4100 Zähler in Brilon haben. Der Kaufpreis ist allerdings kein Posten im städtischen Haushalt, zahlen wird vielmehr die neue Gesellschaft. "Aber", sagt Dirk Riekenberg (WRG Solutions GmbH) als neutraler Gutachter, "der reelle Kaufpreis ist aus unserer Sicht niedriger."
Optimistisch ist auch Stadtkämmerer Klaus Hülsenbeck, den Preis in den anstehenden Kaufverhandlungen drücken zu können. "Wir haben sehr gute Karten, ansonsten sind wir auch entschlossen, den Klageweg zu gehen."
Doch Gutachter Riekenberg hat ausgerechnet: Selbst beim Maximalwert von 13 Millionen lohne sich der Kauf für Brilon noch.
Man sei bei der Wirtschaftlichkeitsprüfung ohnehin auf Nummer sicher gegangen: Man habe beispielsweise höhere Preise und niedrigere Erlöse kalkuliert, als auf dem aktuellen Markt zu erwarten seien.
Die Stadt verspricht sich durch die Rekommunalisierung der Gasversorgung eine Wertschöpfung für Brilon ? etwa durch die Einbindung der heimischen Wirtschaft bei Auftragsvergaben, eine Stärkung der eigenen Stadtwerke, zusätzliches städtisches Vermögen und Einnahmen, bezahlbare Preise und lokale Ansprechpartner für die Briloner, mehr kommunales Mitspracherecht in der Energieversorgung.
Was kommt auf den Briloner zu? Die Gaslieferverträge laufen nahtlos weiter wie bisher. Einziger Unterschied, die Gebühren für das Netz fließen künftig nicht mehr zur RWE, sondern nach Brilon. Wer demnächst sein Gas lieber vom heimischen Anbieter beziehen möchte, muss eigenständig bei der RWE kündigen und sich bei der Stadtwerke Brilon Energie GmbH anmelden. Das ist jedoch freiwillig.
"Die Gewinne, die wir mit der neuen Gesellschaft erzielen, landen nicht in den Taschen anonymer Aktionäre, sondern der wirtschaftliche Erfolg kommt dem Bürger zugute", so Hülsenbeck. "Wir wollen die Preise verbraucherfreundlich halten und in den nächsten Jahren noch senken," so die einhellige Meinung.
Bis Ende des Jahres sollte der Kauf abgewickelt sein, hofft Johannes Niggemeier, Vorstand der Stadtwerke Brilon. Hülsenbeck stellte gleichzeitig in Aussicht, auch die Rekommunalisierung der Stromversorgung zu prüfen, deren Konzessionsvertrag mit der RWE 2011 auslaufe.
"Ein Punkt, der einmal als historisch zu nennen ist", so Bürgermeister Franz Schrewe, der sich besonders über das einstimmige Ergebnis im Rat freute: "Die neue Gesellschaft steht auf einer ganz breiten, tragfähigen Grundlage."
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