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Der Heinsberger Kuckuck

Heinsberg, 08.02.2012 02:00 Uhr

Wie kamen die Heins­berger zu "ihrem" Kuckuck? Hermann-Josef Ludwig und der vor einigen Jahren verstor­bene Hein­rich Linge­mann haben das in der Heins­berger Dorf­chronik anläss­lich des 650-jährigen Dorf­ju­bi­läums auf eindrucks­volle Art beschrieben. Hier der Auszug aus den "Heins­berger Sagen".

Ein langer, strenger Winter hatte geherrscht. Der Schnee wollte im Tal und in den Rüsper Bergen nicht weichen. Die Bewohner von Heinsberg wurden unruhig und bedrängten den Schuldheißen, doch etwas zu unternehmen. Dieser ließ dann durch den Nachtwächter den Gemeinderat im Spritzenhaus zusammenkommen und hielt eine Rede: "Myne loiwen Luie vamme Hoinsperge. Halwen Moi, knoidoip Schnoi. Koin Koern an der Ere, koin Spier Gras op der Wiese. Et giet Hunger un Kummer imme Hoinsperge. Woi Rot wait, deu lot heren."

Einer hat einen guten Rat: "Wann de Kuckuck roipet, dann gieret Froihjohr. In Hespern doh het se Kuckucks, doi däouget." So wurde beschlossen einen Kuckuck zu besorgen. Zur selben Zeit hauste im Dorf ein fahnenflüchtiger Hessen-Darmstädischer Soldat. Für einen Kronentaler wollte er einen tauglichen Kuckuck besorgen.

Einen halben Taler Vorzahlung als Wegzehrung in der Tasche rief er in Hesborn auf der Straße: "Heißa! Der Kuckuck, der Kuckuck soll leben! Es lebe der Kuckuck und Hesborn daneben!" Die Hesborner Einwohner reagierten aber sauer auf seine Worte, weil sie überall mit dem Kuckucksruf geneckt wurden. hatte doch an einem schönen Frühlingsmorgen, als im nahen Wald ein Kuckuck seinen Ruf ertönen ließ, ein pflügender Bauer Pferd und Pflug stehen lassen und war auf einen Baum geklettert, um beim Wettkampf im Kuckuckrufen seinen Hesborner Vogel gegenüber hessischen Artgenossen zu unterstützen.

"Wie komme ich an das Geld?"

Mit Dreschflegeln und Mistgabeln verjagte die in ihrer Ehre gekränkte Dorfjugend den fremden Eindringling. Auf dem Heimweg nach Heinsberg machte er sich Gedanken, wie er an das restliche Geld kommen könnte. Ein Soldat darf nicht verzagen.

Er stieg auf einen hohen Baum vor dem Dorf und rief den heilen Tag: "Kuckuck, Kuckuck!" , bis er heiser wie eine Krähe war.

Im Dorfe hörte man den Kuckucksruf, und jeder reagierte auf eine andere Art und Weise.

Der Gemeinderat freute sich, dass der Schnee nun schnell weg ginge, das Frühjahr käme und die Wiesen grün würden. Stoffel und Wilm, zwei, die oft im Wirtshaus anzutreffen waren, freuten sich, als sie beim ersten Ruf in ihren Taschen noch ein paar Stuiwer fanden. "Niu he vy doch dat ganze Johr Geld. Dodrop we vy ennen drinken."

Die ergraute Marie-Christine nuschelte durch ihre Zahnlücken: "Kuckuck, Kuckuck, sieg my wohr, wiuviel Friggers in diesem Johr?" Als der Ruf nicht aufhörte, wurde es ihr doch etwas unheimlich.

? Weiter auf S. 19

 


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