Mordprozess: "Brunner hat zuerst geschlagen"

+
Der 19-jährige Markus S. behauptet: Brunner hat zuerst zugeschlagen.

München - Nach seinem Tod wurde er als Held geehrt: Der Manager Dominik Brunner wollte mehrere Schüler beschützen und wurde erschlagen. Seit Dienstag stehen zwei Angeklagte in München vor Gericht.

Zu Beginn des Prozesses um den Mord an Dominik Brunner auf dem Münchner S-Bahnhof Solln haben die Angeklagten eine Tötungsabsicht bestritten. Der 18-jährige Markus S. und der gleichaltrige, aber zur Tatzeit 17-jährige Sebastian L. gestanden am Dienstag vor der Jugendkammer des Landgerichts München die Gewalttat und äußerten Bedauern. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Mord aus Rache vor. Sie hätten den 50-jährigen getötetn, weil er vier Kinder in der S-Bahn vor ihrem Raubversuch geschützt hatte. Die Angeklagten hätten “vielfach mit äußerster Wucht auf den Kopf und den Oberkörper des am Boden liegenden“ Mannes eingetreten und ihn dabei als “Dreckschwein“, “Bastard“, “Sau“ und “Arschloch“ beschimpft, sagte die Staatsanwältin.

Zum Schluss habe S. ihm “noch einmal mit voller Wucht von oben nach unten mit dem Fuß auf den Kopf“ gestampft. Brunner starb mit 22 schwereren und ebenso vielen leichteren Verletzungen wenig später in der Universitätsklinik. “Ich muss wohl voll einen Blackout gehabt haben“, sagte S. “Mir tut der Tod von Herrn Brunner unendlich leid.“ Sebastian L. äußerte sich ähnlich: “Ich weiß, dass es dafür keine Entschuldigung gibt, dass ein Mensch um Leben gekommen ist. Es tut mir von Herzen leid - und ich wollte niemals, dass so etwas passiert.“

S. las mit stockender Stimme eine persönliche Erklärung vor, wonach er “zu keinem einzigen Zeitpunkt mit dem Tod von Brunner gerechnet, geschweige denn ihn gewollt habe“. Er ließ seinen Verteidiger Maximilian Pauls vortragen, er und L. seien in Solln lediglich ausgestiegen, um umzusteigen. Brunner habe ihn dann plötzlich mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Der Schlag habe “voll weh“ getan. “Ich muss dann völlig die Kontrolle über mich verloren haben und hab' wahllos zugeschlagen.“ Nähere Angaben zum Ablauf des Kampfes machte er nicht und beantwortete auch keine über seine Erklärung hinausgehenden Fragen.

“Dann ist der Markus halt auch sauer geworden“

Auch die Anklage geht davon aus, dass Brunner zuerst zuschlug. Allerdings sollen S. und L. mit geballten Fäusten auf ihn zugegangen sein, und S. soll gedroht haben: “Jetzt schlagen wir euch.“ Nach dem ersten Schlag habe Brunner abgewartet, dann seien aber S. und L. auf ihn losgegangen. Binnen einer Minute prügelten und traten sie ihn zu Tode. Anders als S. machte L. nähere Angaben zur Auseinandersetzung und beantwortete Fragen. Er sagte, S. sei nach Brunners Schlag sauer geworden “und hat zurückgeschlagen“. Er selbst sei erst auf den 50-Jährigen losgegangen, als es ihm vorgekommen sei, “als sei der Markus unterlegen gewesen“.

Seinen eigenen Anteil an der Schlägerei stellte L. als gering dar. Er habe vielleicht fünf mal zugeschlagen und Brunner nicht mehr attackiert, als dieser am Boden lag, beteuerte er. S. habe dagegen getreten. “Das kam mir alles zu krass vor“, sagte er. Deswegen habe er S. weggezogen und gesagt: “Hör auf, du übertreibst.“ Dieser habe dann noch einmal getreten, bevor er ihn endgültig wegzog.

“Du Spasti - was mischst du dich ein!“

L. gestand, dass er und ein Komplize vor der Bahnfahrt versucht hatten, den Kindern Geld abzunehmen, betonte aber, Markus sei die treibende Kraft gewesen. In der S-Bahn habe er nicht mehr wirklich vorgehabt, die Kinder “abzuziehen“, beteuerte er, räumte aber ein, in der S-Bahn noch damit gedroht und sich absichtlich neben sie gesetzt zu haben. S. hatte dagegen erklärt, nur zufällig neben den Kindern gesessen zu haben.

Als Brunner eingriff, habe er zu ihm gesagt “Du Spasti - was mischst du dich ein!“ Die Jugendkammer des Landgerichts hat 57 Zeugen und Sachverständige geladen. In zwei Wochen will das Gericht sein Urteil verkünden. Bei einer Verurteilung wegen Mordes drohen L. zehn Jahre nach Jugendstrafrecht und S. lebenslange Haft. Brunners 80-jähriger Vater nimmt als Nebenkläger an dem Prozess teil und saß den beiden Tätern im Saal genau gegenüber. Die Anwältin erklärte, dass es den Eltern Brunners psychisch wie physisch sehr schlechtgehe. Die Mutter sei inzwischen ein Pflegefall.

Gedenkminute für Dominik Brunner

Solln: Trauerfeier für Dominik Brunner

dapd

Kommentare