Misshandlung oder Unfall?

Dreijährige verblutet - Vater schweigt

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Plakate, Rosen, Kerzen und Kuscheltiere liegen zum Gedenken an Yagmur vor dem Hauseingang der Familie in Hamburg.

Hamburg - Mit Hochdruck versuchen die Ermittler in Hamburg die Todesursache der dreijährigen Yagmur zu klären. Die Eltern des Mädchens sollen vor den Haftrichter.

Nach dem Tod der dreijährigen Yagmur aus Hamburg versuchen Ermittler und Behörden zahlreiche offene Fragen zu klären. „Die Untersuchungen sind in vollem Gange“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nana Frombach. Die Eltern stehen unter Verdacht, das Kind misshandelt zu haben, und sollten noch am Donnerstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Yagmur wurde seit ihrer Geburt von verschiedenen Jugendämtern betreut. Zum Todeszeitpunkt war das Bezirksamt Hamburg Mitte zuständig - wie einst im Fall Chantal. 2012 war die Elfjährige in der Obhut ihrer drogensüchtigen Pflegeeltern an einer Überdosis des Heroin-Ersatzstoffs Methadon gestorben.

Yagmur war am Mittwoch nach einem Leberriss innerlich verblutet. Die Rechtsmedizin entdeckte zudem Blutergüsse am Körper. Die Mutter spricht von einem Unfall am frühen Morgen, bei dem ihr Partner nicht zu Hause gewesen sein soll. Der wegen Körperverletzung, Diebstahl und Drogendelikten polizeibekannte Vater schweigt nach Polizeiangaben bislang. Das Mädchen lebte erst seit August dieses Jahres bei den leiblichen Eltern. Zuvor war es auf Wunsch der Eltern, die sich überfordert fühlten, in einer Pflegefamilie untergebracht.

Die Sozialbehörde will sich vorerst nicht äußern. Senator Detlef Scheele (SPD) sei bestürzt, hieß es. Man wolle aber keine vorschnelle Einschätzung abgeben und erst alle Erkenntnisse zusammentragen. Der Fall sei komplex, weil mehrere Jugendämter beteiligt gewesen seien.

Grüne und CDU forderten vom SPD-Senat eine lückenlose Aufklärung. Die Grünen beschäftigt vor allem die Frage, warum das Bezirksamt das Kind wieder in die Obhut der Eltern gab, obwohl es noch laufende Ermittlungen wegen einer ungeklärten Schädelverletzung des Mädchens gab. „Diese Entscheidung erscheint nur sehr schwer nachvollziehbar“, kritisierte die Grünen-Abgeordnete Christiane Blömeke.

Yagmur musste Anfang 2013 wegen einer schweren Verletzung operiert werden. Sie lebte zu diesem Zeitpunkt noch bei der Pflegefamilie, hatte aber auch Kontakt zu ihren Eltern. „Das Verfahren wurde damals gegen alle Personen geführt, die mit dem Kind zu tun hatten“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Erst im November wurden die Ermittlungen eingestellt, weil man die Umstände nicht klären konnte.

Das Bezirksamt Hamburg-Mitte war bereits Anfang 2012 wegen Chantal unter Druck geraten. Das Mädchen hatte unter der Aufsicht des Jugendamts gestanden, dem später zahlreiche Fehler vorgeworfen wurden. Die Hamburger Sozialbehörde zog danach viele Konsequenzen, um die Arbeit der Jugendämter zu verbessern.

dpa

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