Nach Amoklauf im Olympia-Einkaufszentrum

Internationale Bestürzung: So trauert die Welt mit München

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München - Neun Tote, 27 Verletzte: Der tödliche Angriff von München hat weltweit Entsetzen ausgelöst. Neben Beileidsbekundungen drücken viele ihre Solidarität aus. 

Der tödliche Angriff von München hat weltweit Entsetzen ausgelöst. US-Präsident Barack Obama sicherte Deutschland die Unterstützung der Vereinigten Staaten zu. Die USA böten Deutschland "alle Hilfe an, die notwendig sein könnte", sagte Obama bereits am Freitag. Der Iran verurteilte die Tötung "unschuldiger und wehrloser Menschen" und sagte der Bundesregierung und den Deutschen Solidarität zu. Der mutmaßliche Täter ist ein Deutsch-Iraner. Ein Sprecher des Weißen Hauses betonte, die Entschlossenheit Deutschlands, der USA und der internationalen Gemeinschaft angesichts derartiger "Akte verachtenswerter Gewalt wie diesem" sei ungebrochen. US-Bürger in Deutschland wurden aufgefordert, sich mit ihren Familien in Verbindung zu setzen, um sie über ihr Wohlergehen zu informieren. 

Der französische Präsident François Hollande verurteilte den "terroristischen Angriff" von München als "neuerliche schändliche Tat". Deutschland könne auf die Freundschaft und Kooperation Frankreichs zählen. Frankreich selbst war erst vor gut einer Woche von einem Anschlag erschüttert worden, als ein Angreifer in Nizza während der Feier zum Nationalfeiertag mit einem Lkw 84 Menschen tötete. 

Johnson spricht von "globaler Krankheit"

Der britische Außenminister Boris Johnson zeigte sich "schockiert und traurig" über die Bluttat in München. Sollte die Tat einen terroristischen Hintergrund haben, zeige dies "einmal mehr, dass wir mit einem globalen Phänomen, einer globalen Krankheit, konfrontiert sind". 

Der österreichische Bundeskanzler Christian Kern äußerte sich bestürzt. "In diesen erschütternden, dramatischen Stunden sind unsere Gedanken und unser Mitgefühl bei den Familien der Opfer von München", schrieb er in der Nacht zum Samstag im sozialen Netzwerk Facebook. Den Polizisten und Rettungskräften, "die alles versuchen, um die Menschen in München zu schützen", gelte seine "größte Anerkennung". 

Der österreichische Präsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen schrieb im Online-Kurzmitteilungsdienst Twitter, "in Augenblicken des Horrors" wie in München "müssen wir zusammenstehen". Österreich hatte am Freitagabend 42 Polizisten der Spezialeinheit Cobra per Hubschrauber nach München geflogen, um die Münchner Polizei zu unterstützen. Österreichs Innenminister Wolfgang Sobotka betonte, "gegen solche Terroristen oder Kriminelle kann man sich ganz schwer schützen".  

Tsipras: "Stehen solidarisch an der Seite der Deutschen"

Auch der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hat dazu aufgerufen, gegen Gewalt in Europa vorzugehen. „Wir dürfen es nicht zulassen, dass Gewalt zur Zukunft Europas wird. In diesen schweren Zeiten stehen wir solidarisch an der Seite der Deutschen“, schrieb Tsipras auf Twitter. Auch der griechische Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos zeigte sich entsetzt, berichtete der Radiosender Athina 984 am Samstag. Über den deutschen Botschafter in Athen ließ er Bundespräsident Joachim Gauck sein Beileid für die Opfer und die Hinterbliebenen übermitteln.

Russlands Präsident Wladimir Putin übermittelte den Deutschen sein tiefes Mitgefühl. Das Staatsoberhaupt habe in Telegrammen an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) kondoliert, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Samstag in Moskau.

Bilder: Amoklauf am Münchner OEZ

Putin fühle nach der Tragödie, die Menschenleben gekostet habe, mit den Deutschen. Der Kremlchef wünsche den Verletzten schnelle Genesung. Ministerpräsident Dmitri Medwedew sprach von einem „barbarischen Verbrechen“, für das es keine Rechtfertigung gebe. „Wir teilen die Trauer und den Schmerz aller Bayern“, betonte er.

Madrid sichert deutschen Behörden "maximale Unterstützung" zu

Die Regierung und das Königshaus Spaniens haben den Amoklauf von München verurteilt. In einer Mitteilung vom Samstag sprach das Außenministerium in Madrid der Bevölkerung in Deutschland und speziell in München ihr Mitgefühl aus. Der „feige und verbrecherische Akt“ werde energisch verurteilt und abgelehnt, heißt es. Madrid sicherte den deutschen Behörden zudem „maximale Unterstützung und Zusammenarbeit“ im Kampf gegen die Gewalt sowie „für Demokratie und Freiheit“ zu.

Der geschäftsführende konservative Ministerpräsident Mariano Rajoy postete am Samstag auf Twitter, er habe Bundeskanzlerin Angela Merkel die Solidarität des spanischen Volkes sowie auch den Wunsch übermittelt, dass alle Verletzten wieder gesund werden. Die Reaktion von König Felipe VI. und Gattin Letizia kam am Samstag ebenfalls via Twitter: „Unsere ganze Solidarität mit den Familien der Opfern und mit der Stadt München und Deutschland in diesen Stunden der Bestürzung“, heißt es auf dem Account des Königshauses.

Marx fordert "Zeichen der Hoffnung, des Friedens und des Zusammenhalts"

Der Münchner Erzbischof und Kardinal Reinhard Marx hat nach dem Amoklauf vom Freitagabend zum Gebet für alle von Gewalt und Terror Betroffenen aufgerufen. „Diese schreckliche Tat erschüttert mich und erfüllt mich mit tiefer Trauer“, sagte Marx, der auch Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz ist. „Meine Gebete sind bei den Opfern und ihren Angehörigen.“

Weltweit habe der Anschlag die Menschen aufgerüttelt. „Fast täglich werden wir Zeugen einer beispiellosen Entfesselung der Gewalt und des Hasses. An vielen Orten vergiften Gewaltakte unser gesellschaftliches Klima mit Angst und Schrecken“, sagte Marx. Es komme nun darauf an, dagegen Zeichen der Hoffnung, des Friedens und des Zusammenhalts zu setzen.

Viele Menschen hätten in der Nacht zum Samstag Zuflucht in Kirchen der Münchner Innenstadt gefunden. Das Pontifikalamt anlässlich des Todestages von Kardinal Julius Döpfner an diesem Sonntag (24. Juli) im Liebfrauendom, das Marx zelebriert, werde im Zeichen der Münchner Ereignisse stehen, so das Erzbischöfliche Ordinariat.

EKD-Vorsitzender Bedford-Strohm warnt vor Rachegefühlen

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat nach dem Amoklauf von München vor Rachegefühlen gewarnt. Er hoffe, „dass sich unter uns nicht Angst ausbreitet, sondern die Zuversicht wieder Fuß fassen kann“, teilte der Landesbischof am Samstag in München mit. „Was immer der Hintergrund der Gewalttat ist: Wir werden niemandem den Triumph gönnen, dass sich Angst, Hysterie oder Rachegefühle ausbreiten.“

Neun Tote, 27 Verletzte: München trauert

In den Stunden des Schreckens am Freitagabend habe es viele Signale der Menschlichkeit gegeben, betonte Bedford-Strohm, der auch bayerischer Landesbischof ist: „Ich bin dankbar für die Erfahrung, dass gerade in einer solchen Situation der Trauer und des Erschreckens alle zusammenstehen. Ich habe gestern Abend, als ich in meinen Büro in der Münchner Innenstadt festsaß, viele Zeichen der Anteilnahme aus aller Welt bekommen. Die Menschen in München haben während der Stunden der Unsicherheit ihre Häuser geöffnet um Passanten Schutz zu geben.“

Grund zur Dankbarkeit bestehe auch angesichts des Einsatzes der Polizei: „Sie hat nicht nur alles getan, um weiteren Schaden an Leib und Leben zu verhindern, sondern sie hat über die sozialen Medien die Bevölkerung auch optimal informiert.“

Münchner Muslime sind "entsetzt"

Der Vorsitzende des Münchner Forums für Islam, Imam Benjamin Idriz, hat sich „entsetzt“ über den Anschlag im Münchner Olympia-Einkaufszentrum gezeigt. „Wir stehen jetzt zusammen in Trauer über die Opfer, wünschen den Angehörigen Kraft und unserer ganzen Stadt München Mut und Besonnenheit“, sagte Idriz am Samstag. Nach seinen Angaben hatten die Moscheen über Nacht allen Hilfesuchenden offen gestanden - ein Paar aus Frankreich habe im Münchner Forum für Islam (MFI) übernachtet. Idriz rief dazu auf, dass der „Geist der Mitmenschlichkeit“ die Botschaft dieser „schrecklichen Nacht“ sein solle.

afp, dpa

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