Narren im Inselparadies: Seychellen, helau!

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Funkenmariechen unter Palmen

Victoria - Auch die Seychellen feiern Karneval. Mit dabei: Eine Gruppe Düsseldorfer Jecken - mit eigenem Wagen, Prinz und Funkenmariechen.

Narren gibt es überall, auch in den entferntesten Winkeln der Erde. Wenn sich aber echte Jecke aus Dutzenden Nationen zusammentun, ist das Spektakel perfekt. So wie an diesem Wochenende auf der Seychellen-Insel Mahé im Indischen Ozean. Mit dabei war auch eine 55-köpfige Delegation aus Düsseldorf, inklusive Prinzenpaar, Solo-Marie und Tanzgarde. Sie zeigten Inselbewohnern und Touristen, wie in Deutschland Fasching gefeiert wird. „Selbst das Staatsoberhaupt James Michel war total begeistert und hat mitgeklatscht, als die Rheinländer vorbeizogen“, sagte die deutsche Honorarkonsulin Kerstin Henri stolz.

Sexy Samba - Karneval in Rio

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Dies war erst die zweite Ausgabe des „Carnaval International de Victoria“ in der Inselhauptstadt. „Im vergangenen Jahr war die Veranstaltung noch viel kleiner und es waren auch nicht so viele Touristen da“, erklärte Lena Hoareau, eine Sprecherin der örtlichen Tourismusbehörde, der Nachrichtenagentur dpa. Dieses Mal hat die Parade dank intensiver Werbung bei Tourismusmessen und Reiseagenturen so viele Besucher aus aller Welt angezogen, dass auf der ganzen Insel kaum noch ein Hotelzimmer zu bekommen war.

Deshalb mussten die Passagiere des havarierten Kreuzfahrtschiffes „Costa Allegra“, die weiter Urlaub auf den Seychellen machen wollen, auch am Donnerstag größtenteils mit Booten auf die Nachbar-Inseln gebracht werden. Sie verpassten die Straßenparty - aber nach Feiern war ihnen nach der Desaster-Seereise vermutlich sowieso nicht zumute. Das Unglück kam dem Karneval selbst hingegen zugute: „Es sind so viele internationale Journalisten wegen der Ankunft des Schiffes eingeflogen, die normalerweise nie hier gewesen wären“, freute sich Henri. „Die sind fast alle noch geblieben und berichten über die Parade.“

„Schmelztiegel der Kulturen“, hieß das passende Motto. Bunt geschmückte Wagen, Tanzgruppen und Kostümierte aus aller Welt zogen durch die palmen- und menschengesäumten Straßen. Vertreten waren die Seychellen selbst, aber auch der britische „Notting Hill“-Karneval, Frankreich, Kenia, Indonesien, Korea, China und der Karibikstaat Trinidad und Tobago. Es wurde getrommelt, gesungen, Feuer gespuckt und ausgelassen getanzt. Die Russen waren mit einem Militärschiff in Mahé eingelaufen und schickten beim bunten Straßenumzug dutzende Marine-Soldaten ins Rennen, die unter anderem Kampf- und Karateposen zeigten.

Schon vor den Karnevalisten aus Düsseldorf war das wichtigste Utensil für die Sause auf der Trauminsel angekommen: „Ein Fässchen Altbier haben wir vorausgeschickt, um keine Probleme mit dem Zoll zu bekommen“, sagte Prinzessin Venetia Anke Conti Mica. Ja, aber im Rheinland ist doch eigentlich Fastenzeit, jetzt wo dort die tollen Tage schon einige Wochen vorüber sind? „Da müssen wir jetzt durch. Wir trinken jetzt noch was und steigen dann etwas später in die Fastenzeit ein“, sagte Prinz Thomas Puppe alias Thomas II.

Lustig wurde es, als das Prinzenpaar samt Adjutanten „Helau!“ in die Menge rief. Der Schlachtruf ist auf den Seychellen unbekannt. Die Inselbewohner grüßen dennoch begeistert zurück: „Hello!“

So wunderbar es für die deutschen Narren auch war, im Inselparadies mitzumarschieren - die Hitze machte ihnen unter ihren Perücken und Hüten zu schaffen. „Aber wenigstens brauchen wir uns hier nicht fünf Strumpfhosen übereinander anzuziehen, wie im Düsseldorfer Winter“, lacht das Mariechen Nadine Reichert von der Tanzgarde Düsseldorf. Trotz bedeckten Tropenhimmels stiegen die Temperaturen auf über 30 Grad bei hoher Luftfeuchtigkeit.

Die Idee zum Karneval entstand, nachdem 2010 das Konzept und die Marke „Vanilla Islands“ ins Leben gerufen wurden. Zu der Gruppe gehören neben den Seychellen auch die anderen Inseln im türkis-blauen Indischen Ozean: Mauritius, Reunion, Madagaskar und die Komoren. Sie haben sich zusammmengetan, um mit neuartigen Events den Tourismus auf allen beteiligten Inseln anzukurbeln.

Und wie lautet das Fazit der Düsseldorfer Narren? „Die Leute reagieren hier ganz anders, sie freuen sich, wenn wir tanzen und sind nicht nur für die Kamelle gekommen“, sagte ein Mariechen. Und der Prinz? Der fand es „spannend, mal zu sehen, wie andere Länder Fastnacht feiern“. Denn Karneval ist eben keine lokale Sache, es gibt ihn überall.

dpa

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