Krisenstab tagt

Geflügelpest in Betrieb mit 30.000 Hühnern nachgewiesen

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Warnschild an der Einfahrt eines Bauernhofs in Lübeck-Ivendorf in Schleswig-Holstein. Foto: Markus Scholz

Kiel - Erst immer mehr tote Wildvögel, dann ein erster Fall bei einem Privathalter, bald danach ein zweiter: Das Ausmaß der Vogelgrippe nimmt rasch zu. Inzwischen ist erstmals auch eine Haltungsform betroffen, die eigentlich als nahezu abgeschlossen gilt.

Auch in einer geschlossenen Tierhaltung mit rund 30.000 Hühnern im Kreis Schleswig-Flensburg ist die Geflügelpest ausgebrochen. Am Sonntag mit der Tötung aller 30 000 Hühner der Anlage begonnen werden. „Die Situation ist besorgniserregend“, sagte Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am Samstagabend. Eine neue Stufe der Geflügelpest sei erreicht. „Wir können nach wie vor nur hoffen, dass dies ein Einzelfall ist.“ Das nördlichste Bundesland will die Sicherheitsvorkehrungen noch weiter erhöhen. Noch ist unklar, wie der Erreger in die geschlossene Hühnerhaltungs-Anlage kam. Laut Habeck wird der Landwirt aus dem Tierseuchenfonds entschädigt.

Eine tote Reiherente auf dem Untersuchungstisch eines Tierärztlichen Untersuchungsamtes.

Das nationale Referenzlabor, das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), habe den hochpathogenen Erreger des Subtyps H5N8 nachgewiesen, teilte das Agrarministerium mit. Alle Tiere würden nun getötet. Wie der Erreger in den von der Außenwelt abgeschotteten Bestand gelangen konnte, war zunächst unklar. Das FLI werde ein Expertenteam schicken, das die Ursache der Einschleppung klären solle, hieß es.

Angesichts der Ausbreitung der Vogelgrippe-Epidemie hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) den Zentralen Krisenstab Tierseuchen einberufen. Dieser werde am Nachmittag zusammenkommen, erklärte Schmidt. "Aufgrund der aktuellen Entwicklungen bedarf es schneller, effizienter Koordination und Entscheidungen." Der nationale Krisenstab besteht aus den Staatssekretären sowie aus Experten von Bund und Ländern.

„Das sind insbesondere Feuchtgebiete, Rastgebiete von Zug- und Wildvögeln, aber auch Gebiete mit einer hohen regionalen Dichte von Geflügelbetrieben.“ Einig waren sich Bund und Länder demnach auch, dass Hygieneregeln und andere Maßnahmen in allen Geflügelbetrieben verstärkt werden müssen.

Dem Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) wäre eine bundesweite Stallpflicht für Geflügel am liebsten. "Wir müssen schneller sein als sich das Virus ausbreitet", hatte ZDG-Vizepräsident Friedrich Otto Ripke erklärt.

Am Freitagabend hatte sich der Verdacht auf das hochansteckende H5N8-Virus auf einem Hühnerhof im Landkreis Vorpommern-Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) bestätigt. Der dritte derzeit bekannte Ausbruch der aktuellen Vogelgrippe-Epidemie in einer Geflügelhaltung wurde in einem Putenhof in Lübeck-Ivendorf (Schleswig-Holstein) festgestellt.

Eine tote Ente im östlichen Hafenbecken in Überlingen (Baden-Württemberg) am Bodensee. 

An der aggressiven H5N8-Variante verendete Wildvögel wurden bisher in Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern gefunden. Die Behörden reagierten mit einer massiven Ausweitung der Stallpflicht-Zonen vor allem in der Nähe von Seen und Flüssen. Damit soll eine Ansteckung über Kot oder verunreinigtes Wasser verhindert werden.

Europaweit wurden aus mindestens sieben Ländern Geflügelpest-Nachweise bei Wildvögeln oder in Geflügelbeständen gemeldet. Der Erreger ist für Menschen ungefährlich, aber eine erhebliche Bedrohung für Hausgeflügel. Erstmals war die H5N8-Variante der aktuellen Epidemie in Deutschland am 8. November bei verendeten Wasservögeln in Schleswig-Holstein nachgewiesen worden.

dpa

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