Warum traf es gleich zwei Costa-Schiffe?

Rom - Über der italienischen Reederei Costa Crociere brauen sich Sturmwolken zusammen. Binnen weniger Wochen sind zwei ihrer Schiffe in schwerer Seenot. Die Kritik wächst.

Nicolo Costa, ein Nachkomme der Gründerfamilie der Reederei Costa Crociere, ist geschockt: “Ich hätte niemals gedacht, dass ein Unfall mit der Concordia möglich sei, und doch ist es passiert. Und nun auch noch die Allegra“, sagt Costa der Zeitung “La Repubblica“. Ein Doppelschlag für die Reederei - der schwere Vorwürfe auch beim Krisenmanagement gemacht werden.

Nach einem Brand im Maschinenraum war das Kreuzfahrtschiff “Costa Allegra“ Anfang der Woche manövrierunfähig. Hunderte Passagiere saßen ohne Strom, funktionierende Toiletten und Klimaanlagen drei Nächte in tropischer Hitze auf dem im Indischen Ozean treibenden Schiff fest.

Das Abschleppen habe viel zu viel Zeit gekostet, sagen Kritiker. Immerhin verlief die Havarie weit weniger folgenschwer als das Unglück der “Concordia“ vor Italiens Küste Mitte Januar - mit mindestens 25 Toten und einem Kapitän, der von Bord ging, seine Passagiere zurückließ. Ihm wird unter anderem fahrlässige Tötung vorgeworfen.

Costa Crociere profitierte vom Kreuzfahrtboom der vergangenen Jahre. In Kürze sollen die Zahlen für 2011 vorliegen. Analysten fürchten, dass Ergebnisse nach den Unfällen und den damit verbundenen Negativberichten künftig nicht mehr so rosig ausfallen könnten. Das “Costa“-Debakel hat Auswirkungen auf die gesamte Branche: Seit den Unfällen sollen Kreuzfahrtbuchungen weltweit zurückgegangen sein.

Nicolo Costa sagt der Zeitung, dass zu seiner Zeit solche Unfälle auch hätten passieren können. “Aber heutzutage wird das alles so aufgeblasen.“ Costa verkaufte die Reederei 1997 an den US-Kreuzfahrtgiganten Carnival Cruises.

Am Donnerstag erreichte die “Allegra“ einen Hafen auf den Seychellen, abgeschleppt von einem Trawler. Dies alles habe zu lange gedauert, kritisierte Joel Morgan, Transportminister der Inselgruppe. Die Passagiere hätten unnötig leiden müssen.

Die Reederei habe im Fall der “Costa Allegra“ die Hilfe von zwei Schleppbooten von den Seychellen abgelehnt, sagte Morgan der italienischen Tageszeitung “Corriere della Sera“ weiter. Stattdessen zog der französische Trawler “Trevignon“ das havarierte Schiff in den Hafen auf die Hauptinsel Mahé. Damit habe sich der Aufenthalt der Passagiere an Bord um zehn bis zwölf Stunden verlängert, sagte der Minister. “Wir sind mit der Situation ganz und gar nicht zufrieden.“ Auch der gute Ruf der Seychellen stehe auf dem Spiel.

Der Einsatz des französischen Schiffes sollte sicherstellen, dass die Passagiere eine möglichst reibungslose Fahrt haben, entgegnete die Reederei. Die Bilder des havarierten Schiffs sind ein weiteres Debakel für das italienische Unternehmen.

dpa

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In Genua, dem Heimathafen von Costa Crociere, fürchtet man nun um die Zukunft der Reederei. In einem Brief an das Unternehmen forderte Provinzchef Allessandro Repetto, “Costa“ solle seinen Markennamen als “Garant von Spitzenleistungen und Nationalstolz verteidigen“. Repetto bezog sich auf Berichte, dass Carnival Cruises wegen der schlechten Presse überlege, den Markennamen Costa Crociere aufzugeben.

Costa-Chef Pierluigi Foschi beruhigte nach dem “Allegra“-Unfall: Die Firma sei finanziell solide und es gebe kein Risiko. In einer anderen Mitteilung jedoch teilte er mit, ein Ende der Marke sei “eine entfernte Möglichkeit“. “Es ist unsere Absicht, hart zu arbeiten und alles in unserer Macht stehende zu tun, um sie zu retten.“

Hoffnung macht den Italienern US-Botschafter David Thorne. Die Zeiten für Costa Crociere seien hart, sagte der US-Diplomat kürzlich bei einem Besuch in Genua. “Ihnen steht viel Arbeit bevor, und Sie müssen das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen, aber ich bin sicher, Sie werden Erfolg haben.“

dpa

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