Spendensammeln beginnt

Welle der Hilfsbereitschaft für Erdbebenopfer in Italien

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Nach dem schweren Erdbeben sind viele Menschen obdachlos. Jetzt soll ihnen auf nationaler und internationaler Ebene geholfen werden.

Rom - Begonnen hat alles mit der Idee eines bloggenden Grafikers aus Rom - und binnen weniger Stunden haben sich schon mehr als 700 italienische Restaurants in Italien und aller Welt der Initiative angeschlossen.

Für ein Jahr wollen sie das berühmte Nudelgericht Spaghetti all'Amatriciana auf ihre Speisekarte setzen, wobei zwei Euro pro verkaufter Portion den Erdbebenopfern in der Region um den Geburtsort des Gerichtes, das Dorf Amatrice, zugute kommen sollen.

Gestartet hat die Initiative der Grafiker Paolo Campana aus Rom. "An Silvester habe ich noch mit Freunden im 'Hotel Roma' in Amatrice zu Abend gegessen, wo es die beste Amatriciana im ganzen Dorf gibt. Heute ist nichts mehr von dem Restaurant übrig", sagt er. Auf Facebook startete er den Aufruf, in Solidarität mit den Erdbebenopfern Pasta all'Amatricina zu kochen - mit spektakulärem Erfolg.

Die internationale Slow-Food-Bewegung übernahm den Vorschlag, der britische Starkoch Jamie Oliver stellte sich ebenfalls dahinter und forderte die Restaurant-Gäste unter dem Twitter-Hashtag #EatForItaly dazu auf, das Nudelgericht mit der typischen Sauce aus Tomaten, Speck und Pecorino-Käse mit einem Hauch Chili zu essen und damit gleichzeitig Gutes zu tun.

Grafiker Campana hat mittlerweile Anfragen aus ganz Italien und dem Ausland bekommen, ein von ihm für die Aktion entworfenes Plakat zu schicken und in zahlreiche Sprachen zu übersetzen. "Sogar Restaurantchefs, die noch nie eine Amatriciana-Sauce gekocht haben, wollen sich anschließen", freut er sich.

Doch die Nudel-Initiative ist bei weitem nicht die einzige Hilfsaktion für die mittelitalienische Erdbebenregion. So gibt es in den Blutspendezentren in ganz Italien seit Tagen lange Schlangen, in Perugia mussten sogar schon Spendewillige wegen zu großen Andrangs nach Hause geschickt werden.

Matratzen, Kinderspielzeug, Trinkwasser und Nahrung

Ein Kreuzfahrtunternehmen schickte 150 Matratzen in die Unglücksregion, zahlreiche Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz oder Caritas richteten Sammelstellen für Hilfsgüter ein, wo Bürger Nahrung, Trinkwasser oder Kinderspielzeug für die Erdbebenopfer abgeben können. Ein Immobilienunternehmen schlug vor, den obdachlos gewordenen Opfern die 30.000 Häuser zur Verfügung zu stellen, die laut einer kürzlich angestellten Untersuchung im Umkreis von 20 bis 30 Kilometern um das Epizentrum herum leer stehen.

Das italienische Kulturministerium will die Eintrittsgelder sämtlicher Museen am kommenden Sonntag für die Erdbebenregion spenden. Die Italiener wurden aufgerufen, sich als Zeichen der Solidarität in Massen in die Museen zu begeben.

Auch im italienischen Fußball ist die Hilfsbereitschaft groß. So hat der Präsident des SC Neapel, Aurelio De Laurentis, angekündigt, dass ein Teil der Einnahmen aus der Begegnung mit dem AC Mailand am Sonntag den Erdbebenopfern gespendet werden soll. Der bei Juventus Turin spielende deutsche Nationalspieler Sami Khedira kündigte an, 20.000 Euro für die Erdbebenregion zu spenden und ein signiertes Trikot zu versteigern.

Weniger Chancen haben dagegen vermutlich mehrere auf der Plattform Change.org gestartete Petitionen, den gesamten Lotto-Jackpot der Samstags-Ziehung in Höhe von 128,8 Millionen Euro für die Erdbebenopfer zur Verfügung zu stellen. Sie vereinten bis Freitag nur etwa 4000 Unterschriften auf sich.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Erdbeben in Italien finden Sie im Ticker.

AFP

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