
Siegen, 02.02.2010 11:00 Uhr
Kaum hat er seine erste Rede im Deutschen Bundestag gehalten, darf Volkmar Klein die Koffer packen. Seine Töchter freut's. Und ihn selbst eigentlich auch.
Seit 100 Tagen ist der Burbacher jetzt als CDU-Abgeordneter des Deutschen Bundestages in Berlin tätig. Im Pressegespräch zog Klein jetzt eine positive Bilanz, auch wenn vieles anders verlaufen ist, als er sich das vorgestellt hatte.
"Ohne die Illusion, dass Berlin auf mich wartet", sei er Mitte Oktober vorigen Jahres in den neuen Lebensabschnitt gestartet. Dass er als bundespolitischer Newcomer gleich in den Haushaltsausschuss des Bundestages berufen wurde, kam für ihn selbst überraschend. "Wie das genau geklappt hat, weiß ich selbst nicht ", erklärte der 50-Jährige schmunzelnd, freut sich aber umso mehr, weil er durch diese Funktion deutlich näher an den jeweiligen Ministerien und Gremien sei.
Zentrales Thema seiner bisherigen Amtszeit ist die Neuverschuldung des Bundes, die der Diplom-Volkswirt mit Nachdruck verteidigt. "Die 85 Millarden sind einfach alternativlos, um die Krise zu überstehen." Schließlich gehe der größte Teil des Rekord-Defizits auf das Konto der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise. Ebenso wichtig sei das geplante rigorose Sparprogramm ab dem kommenden Jahr. Bis zum Jahr 2016 muss der Bund sein strukturelles Defizit auf zehn Milliarden drücken.
Während seiner ersten Rede vor dem Plenum am 20. Januar machte der Siegerländer aber auch auf weitere wichtige Handlungsfelder aufmerksam: Klimaschutz, die Entwicklungshilfe in Form von Mikrokreditinitiativen und die Aufwertung von Nichtregierungsorganisationen wie Kirchen und Stiftungen seien grundlegend für effiziente Hilfen.
Der Applaus der Koalition für seine Premieren-Rede war dem Burbacher ebenso sicher wie die zynischen Zwischenrufe der Opposition. "Der Vize-Präsident hat mir nachher jedenfalls gratuliert, obwohl ich schon ganz schön ausgeteilt habe", so Klein, der nach eigener Aussage weniger nervös war als vor seiner ersten Rede vor Jahren im Düsseldorfer Landtag.
Aber Reden vor dem Bundestag sind Ausnahmen für einen Abgeordneten, und auch Volkmar Kleins ersten 100 Tage in Berlin spielten sich meist in Sitzungsräumen, Tagungszimmern und Politiker-Büros ab. Sein eigenes hat er an prominenter Stelle, Unter den Linden 17, bezogen. Das Brandenburger Tor ist in Sichtweite, das bekannte Café Einstein schräg gegenüber, zum Reichstag sind es nur ein paar Minuten zu Fuß. Privat kam Klein bislang in den Räumen der Berliner Stadtmission unter, bezieht aber ab Mitte Februar eine eigene Wohnung und dürfte spätestens dann auch gefragter Gastgeber seiner vier Töchter werden.
Überhaupt fällt dem Familienmenschen ("Vor vier Jahren wäre das alles noch undenkbar gewesen") der Spagat zwischen Siegen und Berlin deutlich schwerer als noch zu Düsseldorfer Zeiten. "Die Sitzungswochen sind komplett verplant, man kann dann nicht mal eben in die Heimat jetten." Für die Bürger in seinem Wahlkreis nimmt sich Klein dennoch möglichst viel Zeit. Nicht nur im heimischen Briefkasten oder in der Siegener Geschäftsstelle landet jede Menge Post. Auch in Berlin rufen ihn viele Siegerländer an, mailen oder nehmen über die immer wichtiger werdenden sozialen Netzwerke wie "Wer-kennt-wen" oder "Xing" Kontakt mit ihm auf. Und für nächste Woche hat sich erstmals auch eine 50-köpfige Reisegruppe aus Siegen angemeldet.
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