
Brilon, 08.02.2012 02:00 Uhr
"Brauchen Paare Prävention gegen sexualisierte Gewalt?" war eine der Fragen, mit der sich die sexualpädagogische Arbeitsgemeinschaft der Behindertenhilfe des Caritasverbandes Brilon intensiv auseinandergesetzt hat.
Ein Bildungsurlaub für Menschen mit Behinderung, die in einer Partnerschaft sind, fand jetzt im Paderborner IN VIA-Tagungshaus statt. Dort besuchten neun Paare mit Behinderungen die Präventionsveranstaltung, die durch die Caritas-Stiftung für das Erzbistum Paderborn, die Stiftung der Caritas-Behindertenhilfe Brilon und den Verein zur Förderung von Menschen mit Behinderungen Brilon unterstützt wurde.
Eines dieser Paare sind Vivian Weist und Carsten Frohne. Beide sind seit 2010 in der Caritas-Werkstatt Hinterm Gallberg im Berufsbildungsbereich beschäftigt, wo sie sich kennen gelernt haben.
"Es wurde uns viel erzählt und erklärt, aber auch wir hatten zu vielem etwas zu erzählen", berichtet Vivian Weist, die die Woche als "eine gute Erfahrung" und "richtig spannend" erlebt hat. Es sei zunächst sehr ungewohnt gewesen, über das Thema Sexualität zu sprechen, bestätigt auch Carsten Frohne, "aber dann wurde es doch immer lockerer". Auch der Austausch mit den anderen Paaren, mit denen man auch abends noch etwas unternehmen konnte, hat beiden dabei besonders gut gefallen.
Neben vielen Gesprächen gab es für die Teilnehmer ganz praktische Erlebnisse, wie in der sogenannten Körperbildarbeit. Hier wird gezielt nach bildhaften Vorstellungen gefragt, sie dürfen lebendig werden, Gestalt annehmen und in Bewegung gebracht werden. Grundlage jeder Prävention ist eine fundierte Aufklärung, denn nur wer sich, seinen Körper und seine Gefühle kennt, kann erkennen, wo Grenzen verletzt und überschritten werden. So nahm das Wissen um das eigene und das andere Geschlecht einen großen Raum in den Arbeitseinheiten ein. Aber auch Themen wie schlechte und gute Gefühle, schlechte und gute Berührungen, Methoden sich zu wehren standen auf der Tagesordnung.
Für die meisten Teilnehmer war es ungewohnt, offen über sexuelle Themen zu reden, sodass ein gemeinsamer Sprachgebrauch erarbeitet wurde. Mit vielen Bildern, Zeichnungen und anderen Hilfsmitteln konnten Fragen beantwortet werden. Mithilfe von speziell für die Sexualpädagogik entwickelten Puppen wurden Situationen veranschaulicht, denn gerade in der Bildungsarbeit mit Menschen mit Behinderungen sind visuelle Hilfsmittel sehr wichtig.
"Weitere Angebote, auch geschlechterspezifisch, sind in diesem Jahr angedacht", sagt Daniela Bange, Präventionsfachkraft in der Werkstatt Hinterm Gallberg.
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