
Medebach, 05.03.2010 15:30 Uhr
Das Urteil gegen die Sauerland-Gruppe ist im sauerländischen Medebach mit Erleichterung aufgenommen worden. Vor allem das durch die Geständnisse unerwartet schnelle Ende des Verfahrens wird begrüßt. "Nun kann man einen Schlussstrich ziehen und sich mit wichtigeren Themen beschäftigen", sagte Bürgermeister Thomas Grosche. Die drei im September 2007 in Oberschledorn festgenommenen Terroristen wurden am Donnerstag vom Oberlandesgericht Düsseldorf zu elf und zwölf Jahren Haft verurteilt.
"Das Urteil ist gerecht, ich vertraue auf unseren Rechtsstaat", sagte Grosche. Ähnlich sehen es auch die Menschen in Oberschledorn. Christiane Hellwig findet zwar, dass zwölf Jahre eine lange Zeit sind. "Wenn man bedenkt, dass Menschen, die einen umgebracht haben, weniger bekommen, ist das schon viel", sagt die 16-Jährige. Aber andererseits hätte durch den Bombenbau im Ferienhaus das ganze Dorf in die Luft fliegen können. "Von daher geht die Strafe schon in Ordnung."
Ortsvorsteher Willi Dessel hofft, dass Oberschledorn nun nicht mehr in den Schlagzeilen auftaucht. Das Interesse der Medien aus aller Welt sei insbesondere den Nachbarn im Eichenweg schon sehr aufs Gemüt geschlagen. "Die sind immer wieder befragt worden in den Jahren seit der Festnahme." Das Strafmaß will er nicht kommentieren. Das Gericht habe ja entscheiden müssen, ob es sich um Terroristen oder um fanatische Anfänger handelt. "Mit dem Urteil sollte auch klargestellt werden, dass es bei Terrorismus nicht um Eierklau geht", sagt Dessel.
An dem Ferienhaus in der Wohnsiedlung am Ortsrand erinnert nichts an den dramatischen Polizeieinsatz. Die Wiese vor dem Häuschen wird langsam wieder grün, ein Schlitten erinnert an Winterfreuden. Das Haus wird weiterhin regelmäßig vermietet, häufig an Familien aus den Niederlanden. Die meisten werden wohl gar nicht wissen, dass im Keller ihres Urlaubsdomizils an Bomben gebastelt wurde.
Der Stadt Medebach und ihrem Image als Ferienort haben die Sauerland-Bomber offenbar nicht geschadet. "Ich glaube nicht, dass deswegen ein Urlauber weniger gekommen ist", sagt Bürgermeister Grosche. Und auch einen "Terror-Tourismus" habe er seit der Festnahme nicht bemerkt. "Der Bekanntheitsgrad von Medebach und Oberschledorn ist natürlich gestiegen", sagt Grosche. Und über Frotzeleien der Nachbarorte à la "Ihr da aus dem Terror-Dorf" kann er nur lächeln. "Sicher war das eine ernste Sache, über die man nicht scherzt. Aber das hilft, das Geschehen zu verarbeiten."
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