
Sauerland, 08.06.2010 14:41 Uhr
Winterberg. Doch etwas mitgenommen, jeweils etwa 12 Kilogramm leichter, mit dichten Bärten und leichten Blessuren an Fingern und Zehen kamen die beiden Bergsteiger Jürgen Niggemann aus Züschen und Peter Kramer aus Winterberg am Montagmittag von ihrer Mount-Everest Expedition zurück.
Knapp 300 Meter vor dem Gipfel auf 8848 Meter hatten sie aufgrund von sehr schlechten Wetterbedingungen und schwindenden Kräften die Vernunftentscheidung getroffen, umzukehren. Eine Entscheidung, die ihnen viel Respekt und Glückwünsche eingebracht hat.
„300 Meter hört sich nicht viel an, aber dafür braucht man auf dem Everest etwa acht Stunden“, erklärt Jürgen Niggemann. Nach jedem Schritt atmet man drei bis fünf Mal ein und aus. „Und danach kommt ja noch der Abstieg“. Ein kräftezehrender Prozess, nicht nur physisch, sondern auch psychisch. „Die Belastung ist sehr extrem gewesen, wir hatten bedingt durch das sehr schlechte Wetter lange Wartezeiten und die so genannten Gipfeltage waren nur sehr beschränkt möglich“, beschreibt Peter Kramer die Bedingungen.
Das Wetter war durch Sturmböen bis zu 120 km/h extrem schlecht. Die Sicht lag teilweise nur bei wenigen Metern. Ab einer Höhe von 5200 Meter sei auch keine physische Regeneration mehr möglich, der Körper laufe dauernd auf Hochtouren. Selbst im Schlaf liegt der Puls etwa bei 100. Hinzu kommt der drohende Lagerkoller wenn acht Bergsteiger tagelang in engen Zelten hocken und auf ein passendes „Fenster“ für den Gipfelsturm warten.
Auch vorher schon hatte besonders Jürgen Niggemann mit körperlichen Problemen zu kämpfen. Eine Magen-Darm-Infektion, die daraus resultierende Dehydrierung und mehrere Tage Höhenkrankheit – das heißt kein Gleichgewichtsgefühl und absolute Kraftlosigkeit – zwangen ihn zum zwischenzeitlichen Abstieg, um sich wieder zu erholen. „Ich war wie betrunken, kaum noch ansprechbar und musste von zwei Sherpas in das Camp auf 4200 Meter begleitet werden“, so Niggemann. Schlussendlich schafften es die beiden 46-Jährigen dann bis auf gut 8500 Meter. „Für die restlichen 300 Meter hat es nicht gereicht, ich hatte mein Pulver verschossen“, so Peter Kramer. Trotz Sauerstoff reichte die Kraft für den insgesamt fast anderthalb Tage dauernden Auf- und Abstieg nicht aus.
Jürgen Niggemann ging noch etwa eine Stunde länger gen Gipfel als Kramer, wurde letztendlich aber von einem seiner Sherpas überredet, umzukehren. „Im Nachhinein war das die absolut richtige Entscheidung“.
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