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Evolution statt Revolution

Brilon, 01.02.2012 02:15 Uhr

Der Erste Vorsit­zende der Behin­der­ten-Inter­es­sen-Vertre­tung (BIV) Brilon, Ralf Gerst­hagen, zeigte sich zufrieden mit den Fort­schritten in der "Sen­si­bi­li­sie­rung" der Gesell­schaft. Viele Bemü­hungen drehen sich um Barrie­re­frei­heit als Basis für eine selbst­be­stimmte und gleich­be­rech­tigte Teil­habe behin­derter Menschen in allen gesell­schaft­li­chen Berei­chen.

Am vergangenen Sonntag begrüßte er zahlreiche Vertreter aus Politik und von Behindertenorganisationen wie Caritas oder Selbsthilfegruppen beim Neujahrsempfang im Bistro Genuss.

Begonnen hatte alles im Jahr 2000, als sein Bruder und er als Vertreter Brilons für die Behinderten-Interessen-Vertretung im Hochsauerland durch Bürgermeister Franz Schrewe geworben wurden. Gerne nutzten sie die Chance, durch ein "Gremium mehr Gehör zu bekommen denn als ,Einzelkämpfer'." Als logische Konsequenz folgte 2002 die Vereinsgründung der BIV-Brilon. Doch aller Anfang ist schwer, wie Gersthagen formulierte: " Ich musste erkennen, dass Überzeugungsarbeit und Bewusstseinsbildung zur Begriffsfamilie der Evolution und nicht der Revolution gehören."

Mittlerweile hat sich einiges getan. Die Stadtverwaltung beteiligt die BIV bei sie betreffenden Planungsmaßnahmen. Im Dezember 2010 wurde im Stadtrat parteiübergreifend die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen für Brilon verabschiedet. Seit April sind aus den Reihen der BIV-Brilon zwei beratende Mitglieder im Ausschuss für Soziales, Jugend, Familie und Senioren tätig.

Erste Kontaktperson aus Scharfenberg

Der Verein besteht aktuell aus 18 Mitgliedern und fünf Fördermitgliedern. Um die Mitgliederbasis zu stärken, unterstützt Bürgermeister Schrewe die Idee, von jedem Briloner Ortsteil eine Kontaktperson für die BIV zu benennen. "Am 24. Januar, es war fast wie Weihnachten, hat Scharfenberg die erste Kontaktperson benannt", freute sich Ralf Gersthagen.

Das Kopfsteinpflaster in der Briloner Innenstadt ist optisch sicherlich schön, doch Gersthagen schilderte anschaulich, dass er sich im Rollstuhl dort nur mit Halskrause und Kopfstütze bewegen kann. Ein Problem, dass genauso "Menschen mit Rollatoren oder Gehhilfen, Babys und Kleinkinder in Kinderwagen, aber auch Fußgänger" betrifft. Er würde sich freuen, wenn hier Abhilfe durch zumindest "ein paar holperfreie Wege" geschaffen würde. Geld dürfe nicht immer ein Hindernisgrund sein, denn der "Extra-Euro heute muss als Investition für morgen gesehen werden", so sein Fazit.

Dass es noch ein weiter Weg zur Bewusstseinsänderung ist, zeigte Gersthagen anhand eines Negativbeispiels aus der jüngsten Vergangenheit. Bei der Neugestaltung des Briloner Bahnhofs wurde großer Wert auf Barrierefreiheit gelegt, doch der Sonderzug zur Eröffnung am 11. Dezember konnte von Rollstuhlfahrern nicht benutzt werden.

Bürgermeister Schrewe bedankte sich bei der BIV-Brilon: "Sie haben uns in vielen Bereichen die Augen geöffnet."

 


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