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Kreis Olpe: Lennestadt

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Exponat des Monats

Grevenbrück, 01.02.2012 09:30 Uhr

Seit einem halben Jahr ist das Museum der Stadt Lenne­stadt Besitzer einer über 200 Jahren alten Schrö­der-Standuhr, die es aufgrund einer Initia­tive des Oedinger Kirchen­vor­standes als Leih­gabe von der "Katho­li­schen Kirchen­ge­meinde St. Burchard Oedin­gen" erhalten hat.

Diese Uhr hat seit Generationen im alten Pfarrhaus dieser Gemeinde gestanden.

Nach dem Zusammenschluss der Kirchengemeinden Elspe, Oberelspe und Oedingen zum Pastoralverbund Oene-Elspe-Tal und dem Auszug des letzten Pfarrers aus Oedingen ist das Pfarrhaus verwaist und soll nun einer anderen Verwendung zugeführt werden.

Die Uhr ist für die Aufstellung in einer Ecke gearbeitet. Der untere Teil besteht aus einem breitem Schrank, ähnlich einem Sekretär, der sich oben durch eine schräge Klappe verjüngt. Darüber setzt der Uhrturm an. Die Schrankvorderseiten und der Uhrturm sind reich verziert mit geschnitzten Blütenranken. Das Ziffernblatt zeigt in einem äußeren Kreis die Minuten in arabischen Ziffern an, ein Innenkreis gibt in römischen Zahlen die Stunden an. Die Ecken zwischen rundem Ziffernblatt und eckigem Gehäuse werden durch vergoldete Metallverzierungen ausgefüllt, die durchbrochene Blattwerk und Blüten zeigen. Die Gesamthöhe beläuft sich auf 235 cm, die beiden Seitenschenkel des dreieckigen Sekretärs betagen 70 cm.

Diese Standuhr wurde hergestellt etwa in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Dieses geht aus einem Exposé des Erzbistums Paderborn hervor. Aber auch Paul Heimes aus Oedingen kann dieses bestätigen. Er hat das Uhrwerk über Jahrzehnte liebevoll gewartet, gepflegt und auch renoviert. Paul Heimes sagt über das Alter dieser Uhr: "Die Platine des Uhrwerks sind gehämmert und nicht gewalzt. Aus dem Vergleich mit ähnlichen Uhrwerken kann man in etwa auf das Alter schließen."

Hergestellt wurde die Uhr von der alten Uhrmacherfamilie Schröder, die in Oedingen ab 1691 nachweisbar ist. Wenngleich auch kein Herstellerzeichen auf der Uhr vorhanden ist, so kann man im Vergleich von technischen Details mit anderen Uhren eindeutig auf die Herstellerfamilie schließen. Gerhard Arens aus Oedingen, der sich mit der Genealogie der Oedinger Uhrmacherfamilie Schröder beschäftigt hat, geht davon aus, das die Uhr von Johann Ludwig Schröder (1718-1778) etwa um 1750 hergestellt wurde. Die Uhrenherstellung gründete sich häufig auf die Schmiedekunst, wie es sich auch bei der Oedinger Familie Schröder nachweisen lässt. In den Schatzungslisten von 1717 wurden die Uhrmacher zunächst als "Kleinschmied" bezeichnet. Wer die Schreiner- und Drechslerarbeiten an den Standuhren mit den oft kunstvollen Holzarbeiten durchführte, ist nicht bekannt.

Im kurkölnischen Sauerland wurden von Mitte des 18. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts Uhren gebaut, wie es von anderen Mittelgebirgsregionen bekannt ist, etwa dem Schwarzwald. Sauerländer Besonderheiten waren dabei Uhrenmöbel in Form von Eckschränken, Sekretären sowie von ganzen Schrankwänden. Die Uhrmacherfamilie Schröder hatte ein Absatzgebiet, das die Bereiche von Meschede über Eslohe, Oedingen, Attendorn bis Olpe abdeckte.

Die Uhrenherstellung im Sauerland fand Mitte des 19. Jahrhunderts ein schnelles Ende, als serienmäßig fabrizierte Schwarzwalduhren zum Kauf angeboten wurden. Mit dieser Importware konnte die Sauerlanduhr vom Preis her nicht konkurrieren. Bis zu dieser Zeit jedoch gab es im Sauerland über 50 Uhrmacherbetriebe. Der Uhrmacher Wilhelm Schröder (1825-1891) aus Oedingen reagierte auf die veränderte Marktsituation, in dem er 1864 die Uhrenherstellung aufgab und eine Landmaschinenproduktion aufnahm. Heute sind die seinerzeit in Oedingen hergestellten Schröder-Uhren sehr teure und beliebte Antiquitäten, von denen es nur noch sehr wenige gibt. Zu sehen ist dieses Zeugnis alter Sauerländer Handwerkskunst im Museum der Stadt Lennestadt am heutigen Sonntag von 14 -17 Uhr. An Werktagen ist das Museum dienstags von 9 -12 u. 14 -16 Uhr und donnerstags von 9 -12 u. 14 -18 Uhr geöffnet.


 


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