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"MORD" IM TUNNEL

Fast wie im Orient-Express

Siegerland, 29.11.2009 01:30 Uhr

Plötz­lich ist es stock­dunkel. Nur einzelne Blitz­lichter flackern durch das Abteil. Sche­men­haft sieht man, wie sich Leute hastig bewegen. Dann ein schriller Schrei — und endlich wieder Licht nach der endlos erschei­nenden Fahrt durch den Tunnel. Ein Mann reibt sich den Arm, fällt Sekunden später regungslos auf den Boden. Im Zugab­teil des Regio­nal­ex­presses von Siegen nach Bad Berle­burg schauen sich die etwa 40 Reisenden fragend an. Was ist hier passiert? Wer hat etwas gesehen?

Die Dreiländerbahn hatte am vergangenen Sonntag zu einem Krimievent der besonderen Art eingeladen. Während der Zugfahrt von der Krönchenstadt zur Residenz der fürstlichen Familie zu Sayn-Wittgenstein passierte ein Mord — natürlich nur ein inszenierter. Die Gruppe "Blutspur — mörderische Events" aus Köln hatte sieben Schauspieler in den extra reservierten Waggon eingeschleust. Einer davon mimte den Autor Alexander Hundt. Er sollte kurz vor der Einfahrt ins Wittgensteiner Land, rund 45 Minuten nach der Abfahrt vom Siegener Bahnhof, "tot" zusammenklappen.

Schnell haben die beiden "Hauptermittler", die eigentlich den Personenschutz des tierlieben Autors sicherstellen sollten, vier Hauptverdächtige ausgemacht: Den mysteriösen Dr. Busch etwa, der einen äußerst nervösen Eindruck macht und unter Panikattacken leidet. Auch der Zauberkünstler "Zabraxo" steht unter Verdacht. Mit seinen hastigen Bewegungen und einem missglückten "Teleportationstrick" hatte er kurz nach der Tunnelausfahrt auf sich aufmerksam gemacht.

Dann ist da noch die schweigsame Ingeborg Heftrich, die einen Gipsarm trägt und Personen, die ihr zu nahe kommen, überhaupt nicht mag. Schließlich rückt noch der zerzauste Lebemann Ingo Radschewski ins Visier der Fahnder. Der vorbestrafte Mann war erst in Dahlbruch zugestiegen — und bestand darauf, trotz "geschlossener Gesellschaft" im Abteil bleiben zu dürfen. Die beiden Hauptermittler machen die übrigen Mitreisenden ruckzuck zu Hilfs-Ermittlern, rüsten sie mit Notizblock und "Ausweisen" aus. Erste Befragungen erfolgen während der Fahrt.

Vier Verdächtige werden befragt

"Da liegt eine Spritze auf dem Boden", meint ein Fahrgast. Das medizinische Instrument wird sofort als Beweismittel beschlagnahmt. "Der Koffer da oben ist auffällig", meint ein anderer Aushilfs-Polizist und zeigt nach oben. Tatsächlich — die Ledertasche scheint niemandem zu gehören. Kein Wunder: darin befindet sich eine Bombe, die von einem Mitreisenden kurzerhand entschärft werden muss...

In Bad Berleburg angekommen geht es hinauf zum Schloss. Dort werden die vier Hauptverdächtigen in unterschiedliche Räume gebracht. Gute zwei Stunden haben die Teilnehmer des Krimi-Events nun Zeit, diese zu befragen. Schnell zeigt sich: Alle hatten "gute Gründe", Alexander Hundt umzubringen.

Bei dem einen ist es Neid, bei anderen Habgier oder Rache. Alle Verdächtigen haben zudem irgendwie etwas miteinander zu tun: flüchtige Bekannt- oder Freundschaften, begangene "Dummheiten" aus der Vergangenheit, nichtige Begegnungen

Wie schwierig es war, dieses Geflecht zu entwirren, zeigt die später stattfindende Auflösung des Kriminalfalls. Alle Hilfsermittler dürfen Tipps abgeben, wer der Mörder ist. Die Gewichtung fällt fast gleichwertig auf alle vier Verdächtigen. Ein Zeugnis aber auch dafür, wie gut die Schauspieler der Eventagentur ihre Rollen beherrschten. Selbst den "Profi" Ralf Strackbein, Autor der bekannten "Tristan Irle"-Krimis und Mitorganisator der Reise, führten die Darsteller auf´s falsche Gleis. Beim anschließenden Dinner im Schloss hatten die Teilnehmer dieser ganz besonderen Zugfahrt jedenfalls ausgiebig Gelegenheit, den Mord an Alexander Hundt detailliert zu besprechen.

 

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