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Faustpfand gegen die Armut

Eiserfeld, 07.02.2010 01:30 Uhr

Die älteste Evan­ge­li­sche Frau­en­hilfe im Sieger­land feierte jetzt, etwas im Nach­hinein, ihren 130. Geburtstag. 1879 wird als Geburts­jahr der heutigen Evan­ge­li­schen Frau­en­hilfe Eiser­feld ange­sehen. Die hatte denn auch zu einem Fest­got­tes­dienst in die Trini­ta­tis­kirche und anschlie­ßend zu einem gesel­ligen Beisam­men­sein ins Evan­ge­li­sche Gemein­de­haus geladen.

Die Festpredigt hielt Superintendentin Annette Kurschus über den biblischen Leitvers der Frauenhilfsarbeit in Eiserfeld: "Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan." (Matthäus 25, 40).

Margret Menn, stellvertretende Vorsitzende der Frauenhilfe Eiserfeld, ließ im Gemeindehaus die vergangenen 13 Jahrzehnte Revue passieren. Als "Verein mildtätiger Frauen" wurde die heutige Frauenhilfe gegründet. Damals hatte sich die Einwohnerzahl Eiserfelds, einer aufstrebenden Bergbau- und Industriegemeinde, durch den Zuzug vieler Quartiersleute vom Westerwald und aus dem Nassauischen fast verdreifacht. Es war die Zeit der Anfänge der Vorschulpädagogik und die erste Wirtschaftskrise traf besonders den Bergbau. Die kinderreichen Familien, von Armut und Krankheit geprägt, hatten einen hohen Bedarf an Kinderbetreuung. So wurde eine so genannte Kleinkinderschule in der Helsbach gebaut und eine fachkundige Betheler Diakonisse eingestellt. Der Schuldendienst und die Folgekosten überstiegen jedoch die Leistungsfähigkeit des Vereins. Das Haus wurde der politischen Gemeinde übertragen. Die Diakonissen versahen bis zur NS-Zeit weiter ihren Dienst.

Im Jahr 1895, so die Aufzeichnungen der ehemaligen Vorsitzenden Hilde Dresler, wurde der Verein von Pfarrer Heinrich Hubbert vor eine neue große Aufgabe gestellt. Eine Gemeindeschwester wurde eingestellt zur Betreuung der Alten und Kranken des Dorfes. Die Kirchengemeinde und die Kommune bezuschussten diese Arbeit.

Zu neuem Leben erwacht

Der Frauenverein erwachte zu neuem Leben. Es wurde eine Krankenpflegestation der Frauenhilfe eingerichtet. Vielen älteren Frauen sind heute noch die Wittener Diakonissen im Dorfbild in dankbarer Erinnerung. Diese Frauenhilfsarbeit fand 1990 auf Grund geänderter gesetzlicher Vorgaben der Gesundheitsreform nach 95 Jahren ein Ende. Viele Eiserfelder Frauen gaben ihre Mitgliedschaft in der Frauenhilfe auf und traten dem "Freundeskreis Diakoniestation" bei zur Unterstützung nicht refinanzierbarer Aufgaben.

1906, im Gründungsjahr der Westfälischen Frauenhilfe Soest, trat der Ev. Frauenverein Eiserfeld dem Verband bei und führt seitdem den Namen "Evangelische Frauenhilfe Eiserfeld". 1900 zählte Eiserfeld 3500 Einwohner. Durch den technischen Fortschritt in den Gruben trat die Staublunge als eine neue Krankheit unter Bergleuten auf. Die Erkrankten erreichten kaum das 50. Lebensjahr. Sie hinterließen ihre Familien in Armut. Eine zweite Krankenschwester wurde eingestellt. Die Zahl der Frauenhilfsmitglieder stieg.

Mit der Mitgliedschaft verbunden war der Anspruch auf häusliche Krankenpflege. Noch 1959 zählte die Frauenhilfe in Eiserfeld 1000 Mitglieder. Während der beiden Weltkriege packten die Frauen Päckchen für die Soldaten an der Front. In all den Jahren kamen die Frauen mittwochnachmittags zusammen. Es wurde nach einer Andacht zur Handarbeit vorgelesen. Missionsschwestern hielten Vorträge. Kurse für Säuglingspflege wurden angeboten und es gab lange Zeit eine Nähschule. Erst 1930 übernahm mit Helene Steinseifer eine Frau den Vorsitz des Vereins. Bis dahin hatten die Pfarrer den Vorsitz inne.

 

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