Digitales Schneckentempo

Bestwiger Unternehmer klagen über schlechte Internetverbindung

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Mit dem Schneckentempo im Bestwiger Gewerbegebiet könnte es bald vorbei sein. Das hoffen zumindest die ansässigen Gewerbetreibenden.

Bestwig. Wenn Internetseiten sich nicht oder nur langsam öffnen lassen, wenn E-Mails nur stockend rausgehen und man Nachrichten mit Daten im Anhang kaum empfangen kann, dann wird die Arbeit im Büro zu einer echten Geduldsprobe. Einen schnellen Internetzugang – fernab des aktuellen „Schneckentempos“ – erhoffen sich auch die Gewerbetreibenden der Bestwiger Gewerbegebiete Wiemecker Feld und Kleiner Öhler. Um auf die Problematik aufmerksam zu machen, haben sie nun eine Unterschriftenaktion gestartet.

„In den beiden Bestwiger Gewerbegebieten sind so gut wie alle Firmen betroffen. Ein funktionierender Internetanschluss zählt zu den wichtigsten Voraussetzungen des digitalen Wandels. Davon können wir aber nur träumen“, beklagt Volker Dünnwald die derzeitige Situation. Er ist mit seiner Druckerei seit vier Jahren im Gewerbegebiet ansässig und beruflich auf das Internet angewiesen. „748 Kilobit Übertragungsrate – Das ist kein zeitgemäßer Zustand hier. Wir sind im Jahr 2017, das Netz ist löchrig und wir werden in unserer täglichen Arbeit stark eingeschränkt“, so Dünnwald weiter.

Er ist einer von rund 20 Gewerbetreibenden aus dem Wiemecker Feld und dem Kleinen Öhler, die sich im Dezember mit einem Hilferuf und einer Unterschriftenaktion an die Gemeinde Bestwig gewendet haben. „Die Unternehmen stehen vor immer größer werdenden Herausforderungen im Markt. Industrie 4.0 steht in den Startlöchern, die Digitalisierung hat schon lange ihren Einzug gefunden. Da ist es unabdingbar mit einem marktgerechten Internet zu arbeiten“, heißt es in dem Schreiben an Bestwigs Bürgermeister Ralf Péus.

„Man fühlt sich alleingelassen“

Mit diesem Vorstoß soll der Bürgermeister dazu aufgefordert werden, sich für einen schnellstmöglichen Glasfaserbau in den Gewerbegebieten stark zu machen: „Man fühlt sich als Unternehmer, der Gewerbesteuer zahlt, nicht wirklich ernstgenommen und alleingelassen“, fasst Volker Dünnwald den Grund für den großen Unmut unter den Gewerbetreibenden zusammen. Die Thematik ist der Gemeinde Bestwig keine unbekannte: „Darüber wurde mehrfach im Rat und im Gemeindeentwicklungsausschuss gesprochen. Es handelt sich um kein Bestwig-spezifisches Problem. Vor allem in ländlichen Gebieten fehlt es auch heute noch oft an der nötigen Versorgung mit schnellem Internet“, so Bestwigs Pressesprecher Jörg Fröhling. „Ohne Förderung ist die Gemeinde finanziell aber nicht in der Lage, die Breitbandversorgung alleine zu stemmen“, erläutert Fröhling.

Abhilfe schaffen und einen Beitrag zur Unterstützung der hiesigen Wirtschaft leisten soll nun das Förderprogramm des Bundes zur „Förderung des Breitbandausbaus in der Bundesrepublik Deutschland“ und das des Landes NRW zur „Kofinanzierung des Bundesförderprogramms zum Breitbandausbau“. Die Anträge auf Förderung haben die Gemeinde Bestwig und der Hochsauerlandkreis bereits Ende Oktober gestellt.

„Im gesamten Gewerbegebiet stehen Download-Geschwindigkeiten von maximal 6 MBit/s zur Verfügung. Die Förderung würde die Kosten für Auf-/Ausbau der erforderlichen Infrastruktur decken. Davon werden 50 Prozent vom Bund und bis zu 50 Prozent vom Land getragen. Anschließend steht in den Fördergebieten eine Downloadgeschwindigkeit von mindestens 50 MBit/s zur Verfügung.“, erklärt Martin Reuther von der Pressestelle des Hochsauerlandkreises.

Antrag auf Förderung wird bald entschieden

Damit stößt er bei Volker Dünnwald auf offene Ohren. „Wir freuen uns über den Antrag, erhoffen uns aber, dass es einen Plan B gibt, falls die Förderung durch Bundes- und Landesmittel nicht bewilligt werden. Denn sonst schauen wir in die Röhre oder müssen uns um viel zu teure Ersatzlösungen kümmern“.

Das möchten auch Kreis und Gemeinde verhindern: „Die Entscheidung über den Förderantrag trifft das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur voraussichtlich im Februar. Wir haben einen Plan B und werden einen Förderantrag im Rahmen „Regionales Wirtschaftsförderungsprogramm (RWP) / GRW / EFRE“ des Landes NRW stellen, falls eine Förderung durch den Bund nicht möglich sein sollte“.

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