Stundensatz seit 20 Jahren auf demselben Level

Mängel im Pflegeberuf

Ernste Gesichter in der Diskussion – die Rahmenbedingungen in den Pflegeberufen bedürfen weitreichender Veränderungen, so das Fazit. Foto: Manfred Eigner

„Wenn Sie sich die Wunddokumentation eines chronisch Kranken ansehen würden, würden sie erkennen, dass ein viel zu großer Zeitaufwand dafür in Anspruch genommen wird,“ zeigte Karen Mendelin, Fachbereichsleitung Senioren- und Krankenhilfe, dem Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag, Dr. Edgar Franke, nur einen der akuten Missstände im Pflegebereich auf.

Der Qualitätszirkel der Marsberger Pflege- und Gesundheitseinrichtungen hatte anlässlich des Internationalen Tages der Pflege am 12. Mai in das DRK-Seniorenzentrum „Haus am Bomberg“ eingeladen. Neben Dr. Franke informierte sich auch der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese vor Ort und aus erster Hand über die brennenden Probleme im gesamten Pflegebereich – und mit Kritik über die unhaltbaren Zustände wurde von den Vertretern der vor Ort angesiedelten Pflegeeinrichtungen nicht gespart.

Scheinbar berechtigt, denn vergleicht man die Summen und die absolut kurze Zeit, in der exorbitante Beträge zur Bankenrettung bereitgestellt werden konnten, so stellt sich die Frage, welchen Stellenwert die Pflege von körperlich und psychisch Kranken sowie der Betreuung der immer größer werdenden Zahl von pflegebedürftigen Senioren in der Politik hat. Nach den heutigen Standards sind beispielsweise zwei Pflegefachkräfte für 80 Altenheimbewohner bemessen – für Menschen, die pflegebedürftig und auf Hilfe angewiesen sind. Oder die Stundensätze in der ambulanten Pflege im psychologischen Bereich: 1996 mit 39 DM festgelegt, betragen sie heute rund 20 Euro. Trotz Kostensteigerung in allen Bereichen und zusätzlichem Zeitaufwand durch die vorgeschriebenen Dokumentationen also seit fast 20 Jahren auf dem gleichen Level.

Auch die unterschiedliche und nicht angemessene Bezahlung in den Pflegeberufen gepaart mit einem massiv gestiegenen Arbeitsdruck stand im Mittelpunkt der Diskussion. „Wir sind bei den Personalbemessungsrichtlinien in einem Stadium angekommen, die eine ausreichende Pflege nicht mehr in der geforderten Qualität leisten können“, mahnte Claudia Artz, Leiterin des DRK-Seniorenheimes und Sprecherin des Qualitätszirkels: „Bei der immer größeren Arbeitsverdichtung bekommen wir Probleme, qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen. Die Attraktivität hat in den letzten Jahren deutlich abgenommen.“ Auch die Frage, warum Pflegeberufe beispielsweise in der Schweiz oder den nordischen Ländern ein sehr hohes Ansehen und einen angemessenen Stellenwert in der Bevölkerung und bei politischen Entscheidungen vorfinden, wurde angebracht und als Aufgabe an die Politik weitergereicht. (Von Manfred Eigner, marsberg@sauerlandkurier.de)

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