Ausbildung und Integration als Herausforderungen

Trotz positiver Bilanz: Arbeitsagentur sieht „keine paradiesischen Zustände“

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Geschäftsführer Oliver Schmale warnt trotz einer positiven Jahresbilanz vor zu viel Euphorie.

Meschede/Hochsauerland. Auf ein solides Jahr 2016 blickt die Agentur für Arbeit zurück. Eine geringe Arbeitslosigkeit wie zuletzt im Jahr 1992, ein Anstieg der Beschäftigung über die 100.000er Marke sowie ein hohe Nachfrage nach Arbeitskräften schaffen eine gute Ausgangssituation für die Entwicklung in 2017.

Dennoch warnt Oliver Schmale, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Meschede-Soest, vor Begeisterungsstürmen und zu viel Euphorie: „Wir sind zum zweiten Mal unter der 7.000er Marke geblieben. Das ist eine gute Entwicklung die so nicht erwartet wurde, das heißt aber nicht, dass paradiesische Zustände ausgebrochen sind. 2017 wird ein Jahr mit anstrengenden Herausforderungen.“

6.885 Arbeitslose im Jahr 2016 im Hochsauerlandkreis, 1,5 Prozent weniger als 2015. Eine Arbeitslosenquote von 4,7 Prozent die zuletzt im Jahr 1992 geringer war. Mit 100.456 Beschäftigten war der Höchststand sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung in einem März erreicht. „Insgesamt sind wir mit dem Ergebnis zufrieden. Der hohe Bedarf an Fachkräften auf der einen sowie die Zuwanderung geflüchteter Menschen mit unterschiedlichen Startbedingungen auf der anderen Seite waren Herausforderungen des vergangenen Jahres, die uns auch in Zukunft begleiten werden“, so Oliver Schmale. Ein Anstieg von 8,2 Prozent im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit sowie ein Anstieg von 39 Prozent im Bereich der Arbeitslosigkeit ausländischer Staatsbürger unterstreichen die etwas verhaltene Prognose für 2017. Positiv hingegen fiel die Zahl bei den Langzeitarbeitslosen im Hochsauerlandkreis aus.

„Fachkräfte von übermorgen“

Ein Rückgang von 202 Personen beziehungsweise sieben Prozent auf 2.668 Langzeitarbeitslose im Jahresdurchschnitt 2016 sowie ein Rückgang von 4,3 Prozent bei Personen im Alter von 50 Jahren und älter als auch 3,6 Prozent weniger arbeitslos gemeldete Schwerstbehinderte unterstützen das gute Ergebnis des vergangenen Jahres. Die Arbeitskräftenachfrage lag 2016 ebenfalls auf Rekordniveau: 1.828 Stellen waren durchschnittlich im Bestand der Arbeitsagenturen im HSK. Sowohl Voll- als auch Teilzeitstellen profitierten von dem Anstieg. Insgesamt meldeten Betriebe und Verwaltungen 5.883 Arbeitsstellen. Die meisten Stellenzugänge gab es nach der Arbeitnehmerüberlassung seitens des Einzelhandels, der Beherbergung, des Gesundheitswesens, der Metallbranche, der öffentlichen Verwaltung, aber auch im Sozialwesen, dem Bau, Heimen, der Gastronomie und dem Großhandel.

Die Arbeitslosigkeit in den beiden Rechtskreisen entwickelte sich im Jahr 2016 unterschiedlich. Im Versicherungsbereich (Sozialgesetzbuch Drittes Buch, SGB III – Arbeitslosengeld I) waren in 2016 durchschnittlich 2.743 Personen arbeitslos gemeldet, 61 Personen beziehungsweise 2,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Bereich der Grundsicherung für Arbeitsuchende (Sozialgesetzbuch Zweites Buch, SGB II – Arbeitslosengeld II) waren mit 4.142 Männern und Frauen 463 Menschen oder 3,8 Prozent weniger gemeldet.

Grund für den Anstieg bei den Agenturen für Arbeit ist der Zuzug von Arbeitslosen mit ausländischer Staatsangehörigkeit. „Mit der Integration geflüchteter Menschen in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt haben wir eine Schlüsselrolle. Durch Kompetenzermittlung in Integration Points, enger Zusammenarbeit mit Kommunen und Ehrenamtlichen leisten wir unseren Beitrag zur Integration. Ehrlicherweise muss man allerdings sagen, dass der Großteil der zu uns geflüchteten Menschen nicht die ,Fachkräfte von morgen´ sind, sondern die ,Fachkräfte von übermorgen´ sein können. Wo Arbeit noch nicht unmittelbar möglich ist, verfolgen wir zunächst das Ziel, Sprachkenntnisse auszubauen, Bildungsabschlüsse anzuerkennen und die Kenntnisse mit Weiterbildung zu verbessern. Die Aufgabe Fachkräfte durch Ausbildung, Weiterbildung und attraktive Arbeitsbedingungen zu gewinnen und zu halten sowie die Integration geflüchteter Menschen wird uns in den kommenden Jahren stark beschäftigen“, blickte Schmale auf die kommenden Herausforderungen.

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