Hollenmarsch und Hollenlauf halten Wetter stand

Regen und Sturm getrotzt

Renaat van Loock aus Belgien, war der erste Teilnehmer, der trotz des Regen, Sturm und Hagel nach dem 101-Kilometer-Marsch das Ziel erreichte.

Regen prasselte auf das Versorgungszelt, das nach knapp 20 Kilometern den ersten Hollenmarschierer am Freitagabend ein trockenes Fleckchen auf ihrer 101-Kilometer-Route bot. Passend zum Wetter, das ein Wandern durch Gewitter, Hagel und Sturm zur besonderen Herausforderung machte, stand das Zelt in Bödefeld „Nasse Wiese“. Dabei fing das Wanderevent, das in diesem Jahr 10-jähriges Jubiläum feierte, mit einem Startschuss bei fast schon strahlend blauem Himmel an.

Unter den 145 Teilnehmern, die sich auf die Extremstrecke wagten, freute sich auch Gerd Rathmer (51) auf eine idyllische Wanderung durch die Nacht. Der Kölner hat sich für den Start in Bödefeld entschieden, weil ihn die Stille auf der Strecke im sauerländer Wald reizte. Doch so ruhig war es zumindest zwischen 20 und 22 Uhr für ihn, seinen Laufkollegen Robert Mecke und die anderen Marschierer nicht. „Das Gewitter hat uns alle ganz schön auf Trapp gehalten“, erklärte Matthias Albers vom Orga-Team der Lauf-Veranstaltung. Er saß die Nacht über in der Koordinationszentrale des Marschs und dort war auch wegen des Wetters einiges los: „Fahrt mal zum Jagdhaus, die brauchen Sprit für den Generator“. Handyklingeln: „Die Startnummer 17 hat ihren Begleitbiker verloren – kam nicht durch den Schlamm durch. Die müssen wir wieder zusammen bringen.“ Handyklingeln: „Die Wegmarkierungen sind da oben weggespült. Da muss sofort jemand hoch, die nachziehen“ Handyklingeln: „Das Zelt stellen wir gleich wieder auf.“ Die Marschierer hielten dem Wetter stand. Sie zeigten Improvisationstalent mit Regenschirm-Walkingstock-Konstruktionen oder motivierten sich gegenseitig. Erst nach Mitternacht kam die Ruhe nach dem Sturm. In die Morgenstunden rein wurde es dann richtig ruhig und Gerd Rathmer erlebte die erhoffte Stille. Morgens um sechs Uhr wurde es dann wieder turbulent - gleich an zwei Orten. Zum einen am Startbereich für die 67- und 101-Kilometer-Läufer, deren begann und einige Meter davon entfernt in der Schützenhallen-Küche. Dort bereitete Ulla Beckmann (68) mit einem Dutzend ihrer Helferinnen 1200 Brötchen, 400 Eier und literweise Saft für das Frühstück der Marathon-, Halbmarathon- und Einsteiger-Teilnehmer vor. „Das ist echt immer unglaublich, wie viele Lebensmittel wir hier für Lauf und Marathon vorbereiten und bedarf einer genauen Planung“, erklärt die Bödefelderin.

Diese genaue Planung fiel auch den Teilnehmern auf. Stefan Leitmann (41) aus Hannover trat zu seinem ersten 101-Kilometer-Lauf an und erklärte vorm Start: „Ich habe von anderen Läufern von der Organisation der Veranstaltung gehört und da habe ich mir gedacht, wenn ich in Bödefeld so gut umsorgt bin, dann traue ich mich dort an die Extremstrecke ran; da kann mir nichts passieren.“

Hunderte Helfer packen bei der Veranstaltung mit mehr Teilnehmern als Einwohner des Ortes mit an. Alleine 90 von ihnen sind als Streckenposten eingeteilt. Wie Tobias Adelmann, der die Frühschicht am Samstag übernahm. „Bis jetzt ist alles noch ruhig hier. Niemand hat sich bisher an meiner Kreuzung verlaufen.“

Dass diese Streckenposten wichtig sind, wissen auch Magnus Schröder (23) und Lukas Appelhans (28). Die beiden Teilnehmer über die 14-Lauf-Strecke hatten bereits die Erfahrung gemacht, einmal kurz vorm Ziel falsch abzubiegen und so bei dem Rennen den Sieg verpasst. In diesem Jahr beim Hollenlauf lief alles rund. Schröder wurde mit 55:18 Minuten erster, Appelhans nur knapp eine Minute hinter ihm Zweiter. „Zum Glück“, freuten sich die Teamkollegen vom SC Hagen Wildewiese. Glücklich war auch Mirko Berner (19) vom ITC Germany, der mit 4:42 Stunden einen Streckenrekord über den 67 Kilometer-Lauf aufstellte.

Gegen 11 Uhr wurde es dann richtig laut am Ziel: Renaat van Loock aus Belgien, war der erste Teilnehmer, der trotz des Regen, Sturm und Hagel nach dem 101-Kilometer-Marsch das Ziel erreichte. Genau 15 Stunden und 25 Minuten hat es gedauert, bis der 53-Jährige mit den Worten „Nass, kalt und am Ende ganz schön allein“ ins Ziel lief. Er hatte gut 20 Minuten Vorsprung auf den zweiten Zieleinläufer seiner Strecke. Gefeiert wurden sie aber alle, die ins Ziel kamen: Seinen ersten Bödefelder Hollenmarsch schaffte Gerd Rathner nach 20 Stunden und 13 Minuten. Der Läufer Stefan Leitmann belegte Platz 28 der Gesamtwertung, wurde 6. in der Altersklasse mit 11:56:02.

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