HSK wird Pilot-Region für landesweites Verbissgutachten

Zuviel Wild? Waldbesitzer in Sorge um Bestand

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Revierförster Hubertus Greißner erläutert vor Ort Einzelheiten zum Pilotprojekt Verbissgutachten.

Hochsauerland. Das Ziel ist ein vitaler und leistungsfähiger Wald – Mit der landesweiten Einführung eines neuen Verbissgutachtens soll dies besser erreicht werden. Stellvertretend für Westfalen-Lippe startet nun eine Testphase im HSK. Zu einer ersten Infoveranstaltung vor Ort und zur Vorstellung des Pilotprojekts durch das Forstamt Obereres Sauerland trafen sich jetzt Forstamtsleiter, Revierförster, Waldeigentümer und Jäger in einem Waldgebiet bei Sundern-Allendorf.

Fressen überhöhte Wildbestände den Wald auf? Waldeigentümer machen sich vermehrt Sorgen um ihre Bestände. Vor allem aufgrund der neu entstandenen, riesigen Kulturflächen durch Kyrill hat sich vielerorts das Rehwild stark vermehrt. Die Forstämter sollen nun gemäß neuem ökologischem Jagdgesetz regelmäßig den Zustand der Vegetation vornehmen.

Hans von der Goltz, Forstdirektor und Leiter des Forstamtes Oberes Sauerland, und die Revierförster Hubertus Greißner und Martin Hoffmann gingen bei der Begehung näher auf die Vorgehensweisen und Details der Erfassung von Wildverbiss ein, den Sinn und Zweck des Projekts und stellten sich den Fragen und Bedenken der über 30 Teilnehmer: „Diese Regelung soll eine objektive Beschreibung der Situation ermöglichen, damit die Konsequenzen für Wald und Jagd besser eingeschätzt werden können als bisher“, sieht Forstdirektor von der Goltz eine große Chance in dem neuen Verfahren.

Förster und Jäger in Konsens bringen

Mehr noch: „Durch das neue Verbissgutachten rücken Waldbesitzer, Förster und Jäger mit ihren teils differenzierten Interessen näher zusammen, können so besser in Konsens kommen.“

Bei dem neuen Gutachten soll der tatsächliche Wildverbiss in Pflanzungs- und Naturverjüngungsflächen gemäß Vorgaben und einem definierten Verfahren erfasst werden: „Detaillierte Fakten und nicht aus dem Bauchgefühl“, betont von der Goltz. Hierbei soll vor allem der Wildverbiss an der Terminalknospe der jeweiligen, gewollten Hauptbaumart festgehalten werden, an Pflanzen einer Größe von 25 bis 120 Zentimetern in einem vorgegebenen Flächenraster, aber auch die Erfassung von Nebenbaumarten sei möglich.

Viel Wild mit wenig Wald oder viel Wald mit wenig Wild? „Wenn der Waldeigentümer sich dazu entscheidet, dass mehr Rehe geschossen werden sollen, damit sein Wald stabiler und gesünder wächst, dann werden wir ihn mit unserem Verbissgutachten unterstützen und es an die Untere Jagdbehörde beim Kreis weiterleiten“, so von der Goltz.

Darüber hinaus betont er, dass es sich zunächst um ein Pilotprojekt handelt: „Wir müssen schauen, wie es sich in der Praxis bewährt und was gegebenenfalls verbessert werden kann. Das Forstamt Oberes Sauerland wird jedenfalls gerne stets mit Rat und Tat zur Verfügung stehen.“


Hintergrund

Das Pilotprojekt „Verbissgutachten“ im HSK ist neben dem Rhein/Sieg/Erftkreis eines von zwei Kreisen in NRW, die von der Landesregierung zu dieser flächendeckenden Erfassung von Wildverbiss nach einem definiertem Verfahren durch die Forstbehörde ausgewählt worden ist.

Aufgrund der mildereren Witterung gegenüber den höher gelegenen Waldregionen im Sauerland startete die Reihe von Infoveranstaltungen, anschaulich in der Natur und vor Ort, in Allendorf.

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