Wenn Fußballteams „in der Spur“ sind – und das kann man von den Sportfreunden Siegen in den vergangenen Wochen wahrlich behaupten –, dann besteht die Gefahr, dass Spiele innerlich zum Selbstläufer erklärt werden. Folglich lassen Anspannung und Motivation nach. Doch dies scheint beim heimischen NRW-Ligisten auch vor dem letzten Heimspiel vor der Winterpause (Sonntag, 14.30 Uhr, Leimbachstadion gegen den VfB Speldorf) nicht der Fall zu sein.
Denn beim Training am Kunstrasenplatz flogen am Donnerstagabend die Fetzen: Daniel Grebe grätschte mit offenem Visier und hoch gestellter Sohle während des „Acht gegen Zwei“ gegen Alex Hettich, Jörn Nowak legte sich erst verbal mit René Lewejohann an und wollte dem Stürmer anschließend per gezieltem Volleyschuss aus dem Stand einen Ballabdruck auf dem Rücken verpassen. Michael Boris tat das Beste in diesem Moment – der Trainer brach diesen Teil der Übungseinheit vorzeitig ab.
Dass die Anspannung auch unter den Akteuren der Stammelf so hoch ist, ist erstaunlich. Denn viel haben die gesetzten Kicker eigentlich nicht zu befürchten. Zu schwach ist das Potential der Bankdrücker, als das sie ihnen die Plätze in der Startformation streitig machen könnten. Doch an diesem Problem arbeiten die Sportfreunde. „Nägel mit Köpfen“ will man bei Stephan Wanneck machen: Der 22-Jährige soll von Alemannia Aachen II nach Siegen kommen und noch an diesem Sonntag einen Vertrag für ein-einhalb Jahre unterschreiben. Er ist Linksfuß und kann sowohl in der Viererkette als auch im Mittelfeld eingesetzt werden. „Im Winter werden noch ein oder zwei andere Spieler dazu stoßen“, sagte sportlicher Leiter Lutz Lindemann am Freitag. Und da man auch intern fest mit dem Aufstieg in die Regionalliga plant, sollen diese auch gleich das Format haben, eine Liga höher mithalten zu können.
Mit den Leistungsträgern des aktuellen Kaders hat man bereits erste Gespräche über etwaige Verlängerungen geführt. Laut Lindemann gebe es positive Signale, beispielsweise beim torgefährlichen Innenverteidiger Leon Binder. Abschließend kann aber noch keine Positivmeldung verkündet werden, denn erst im Januar will man mit den Gesprächen in die nächste Runde gehen. Beim Trainer gibt es so gut wie keinen Gesprächsbedarf: Im Falle eines Aufstiegs verlängert sich der Vertrag von Michael Boris in Siegen automatisch um ein weiteres Jahr.
Dem gegenüber stehen geplante Abgänge: Andreas Schäfer wird sich dem FSV Fernwald anschließen. Leland Wright und Alex Elliott haben die Sportfreunde mitgeteilt, dass sie nicht mehr mit ihnen planen. Letzterer hat vielleicht heute die Gelegenheit, sich potentiell neuen Arbeitgebern anzubieten. Denn Julian Jakobs plagt eine leichte Grippe. Nach Stand Freitag fällt er für heute gegen Speldorf aus. Für ihn würde Elliott nachrücken. Neu mit im Kader ist nun auch endlich Marius Sowislo, dessen Berufung schon letzte Woche bevor stand, ehe ihn einen Tag vor dem Homberg-Spiel ein Muskel zwickte.
Mit Speldorf kommt ein offensivstarker Gegner ins Leimbachstadion (drittbester Angriff der NRW-Liga). Die Sportfreunde kennen den VfB aus dem „Effeff“: Etliche male hat man die Jungs von der Ruhr gesehen. Boris: „Mit Boda Karadag haben sie einen gefährlichen Spielmacher. Uns kommt zu Gute, dass Kapitän Christian Hinz noch eine Sperre absitzt.“Von Tim Plachner
t.plachner@siegerlandkurier.de
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