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Hochsauerland: Marsberg

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Keiner hat überlebt

Marsberg, 05.02.2012 01:30 Uhr

Täglich erscheinen neue Bücher auf dem Markt. Seltener ist, dass eine Stadt in der Region einen entschei­denen Anteil an der Entste­hung hat. Ganz beson­ders wird es, wenn es sich um ein bedrückendes Thema wie die Depor­ta­tion von Juden in der Zeit des Natio­nal­so­zia­lismus handelt und persön­liche Geschichten erzählt werden können.

"Ohne Rückkehr - Die Deportation der Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg nach Zamosc im April 1942" beinhaltet Aufsätze, die sich mit lokalen Untersuchungen und Dokumenten beschäftigen. Von den Deportationen waren auch Juden aus Marsberg betroffen. "Seit dem 18. Jahrhundert bis in den Nationalsozialismus hatte Marsberg eine große jüdische Gemeinde. In den letzten zehn Jahren haben wir eine Gruppe gegründet, die versucht, diese Geschichte zu erhellen", erzählt die Marsbergerin Gudrun Banke. So schrieb sie den Aufsatz "Oder wisst ihr noch immer nicht, wo wir sind" für das am 23. Januar erschienene Buch.

Gudrun Banke untersuchte unter anderem Briefe und Karten von den jungen Schwestern Margot und Inge Levy. Sie schrieben ihren Eltern von der Deportationsreise nach Polen und aus dem südpolnischen Ghetto Zamosc. "Es war bekannt, dass deutsche Juden an diesem Ort arbeiten mussten. Nur das Leben dort war unerforscht, weil kein deutscher Insasse überlebt hat. In diesem Fall war Zamosc schlimmer als Auschwitz", betont Stadtarchivar Siegfried Stolz.

Briefe als einziges Zeugnis

An die Briefe sind Stolz und Banke aus Zufall gekommen: "Eine ehemalige Marsbergerin kam mit einem Plastikbeutel ins Stadtarchiv. Darin war der Nachlass ihres Vaters, der neben der Familie Levy wohnte. Bevor sie selbst deportiert wurden, haben sie ihren letzten Schatz, die Briefe ihrer Töchter, dem Nachbarn überlassen", erzählt Gudrun Banke. Seitdem mussten sie Detektivarbeit leisten, um verschiedene Briefe zu entschlüsseln. Dabei wandten sie sich an den Historiker Peter Witte, der ihnen in vielen Fällen weiterhelfen konnte. Siegfried Stolz erzählt: "Persönlich kennen gelernt haben wir ihn Anfang des Jahres 2008 auf einem Workshop über Zamosc in Dortmund. Da stellte sich heraus, dass unsere Briefe ein Highlight waren, da sie die einzigen Zeugnisse über das Leben in dem polnischen Ghetto sind. Auf dem Workshop wollte man mehr daraus machen und bat uns um Veröffentlichung", so Stolz.

Gudrun Banke erzählt weiter: "Interessant war, dass die Levy-Schwestern das Leben im Ghetto oft schöngeredet haben und einen Zweckoptimismus an den Tag legten. Manchmal kamen aber auch Texte an, die auf illegalem Weg zu ihren Eltern gelangten. In ihnen wurde dann die wahre Situation im Ghetto mehr als deutlich."

 


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