Schwierige Enstcheidung

"Sausage Party" ist so gar nichts für Kinder

Der Animationsfilm „Sausage Party“ ist nichts für sensible Zuschauer – und schon gar nichts für Kinder. Ob man diesen Film empfehlen kann? Schwierige Frage. Entscheiden Sie.

Trailer

Eines sei vorausgeschickt: Dieser Film ist zwar animiert und beinhaltet niedlich anmutende Wesen – Lebensmittel wie Kartoffeln und Karotten oder auch Saft-Tetrapaks und Senfgläser –, die von ihren Schöpfern zum Leben erweckt wurden. Ganz in der Tradition von Animations-Hits wie "Toy Story" und "Cars" also, in denen leblose Objekte, mit Kulleraugen bestückt, eine Seele bekommen. Dennoch ist "Sausage Party" nicht für die ganze Familie gedacht. Denn die Würstchen und Semmeln, die im überamerikanisch anmutenden Konsumtempel "Shopwell’s" sehnlichst darauf warten, endlich gekauft zu werden, sind ganz und gar nicht mehr niedlich, wenn abends das Licht ausgeht: Sie fluchen, nehmen Drogen und feiern wilde Sex-Orgien.

Ein Animationsfilm so gar nicht für Kinder

Soviel zur Warnung – nicht umsonst ist dies der erste Animationsfilm, der in den USA mit der Altersfreigabe "R" versehen wurde und damit für Kinder unter 17 Jahren tabu ist. Damit wären wir auch schon mittendrin im Film. Den Lebensmitteln nämlich, die sich das Gekauft- und Gegessenwerden als Eintritt in eine Art Paradies vorstellen, offenbart sich, kaum im Einkaufswagen gelandet, die schreckliche Wahrheit. Ihnen steht ein grauenhaftes Massaker bevor. Sie werden bei lebendigem Leib geschält, gebraten, in kochendes Wasser geworfen, kleingehackt, aufgespießt oder durch den Fleischwolf gedreht. Was die hysterischen Mehl- und Fleischspeisen daraufhin unternehmen, um ihrem Schicksal zu entrinnen, und wie sie den Supermarkt in eine wahrhaftige Kundenhölle verwandeln, ist eigentlich unwichtig, denn der Zuschauer hat sich bereits in den ersten zehn Minuten des Films festgelegt. Entweder sitzt er angeekelt stocksteif im Sessel, oder er schüttet sich aus vor Lachen über die vulgären Späße und die brutale Satire.

Folglich ist ein Festlegen auf eine Empfehlung nicht ganz einfach – sicher scheint aber, dass das Publikum den Kinosaal nach diesem anarchischen Feuerwerk der Albernheiten leicht verstört verlassen wird. Ob positiv oder negativ, das muss jedem wohl selbst überlassen bleiben.

"Sausage Party"

Regie: Conrad Vernon und Greg Tiernan

Laufzeit: 89 Minuten

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Johanna Popp

Rubriklistenbild: © dpa/ Sony Pictures

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