Tatort-Kritik: Bizarres Bild um Jugendwahn

+
Die Münchner Tatort-Kommissare Leitmayr (l.) und Batic.

München - Tod im Schokoladenbad – ein ganz und gar bizarres Bild haben die Macher in den Mittelpunkt dieses jüngsten Münchner „Tatorts“ (ARD) gestellt, in dem es um den Jugendwahn geht. Die Kritik:

Alle Personen in „Unsterblich schön“ – mit Ausnahme der beiden Kommissare (kommen sie einem deshalb so alt geworden vor?) – scheinen von der Angst um jedes Fältchen besessen zu sein. Auch die Chefin eines gut gehenden Schönheitsinstituts (Tatjana Alexander), die einem Eifersuchtsdrama zum Opfer fällt.

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

Drehbuchautorin Stefanie Kremser hat – mit zartbitterer Ironie – die Verhältnisse auf den Kopf gestellt. Zwar sieht man vor allem Frauen, die viel Geld für die Konservierung ihres Äußeren ausgeben, besonders tragisch aber ist der letztlich irreversible Alterungsprozess für den Ehemann der Toten, der realisieren musste, dass seine Frau ihn für einen Jüngeren verlassen hat. Robert Atzorn spielt diesen Mittsechziger mit einer fein dosierten Mischung aus Wut und Resignation, eine neue, interessante Facette im Schaffen des Schauspielers. Regisseur Filippos Tsitos hat, dem Sujet gemäß, die Bilder durchstylen lassen (Kamera: Paul Kyrlidis), seine Figuren agieren wie unter starren Masken gefangen. Hier gibt es keine unkontrollierten Emotionen, schon gar keine sichtbare Trauer – das führt exemplarisch Gudrun Landgrebe als Mutter der Toten vor. In dieser surreal anmutenden Welt der teuren Tübchen und Tiegel scheint die von Victoria Trauttmansdorff gespielte Schwester des Opfers die Einzige zu sein, in der noch ein bisschen Leben ist.

Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec als Kommissare Leitmayr und Batic machen eine gute Figur in einem Film der langen, ruhigen Sequenzen, der nur zum Ende hin ein wenig erlahmt wie Haut, die man zuvor zu straff gespannt hat.

Alle Tatort-Teams ab Herbst 2012

Rudolf Ogiermann

Kommentare