Aliev und Enste in Münsters Kunsthalle

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In der Projektausstellung der Kunsthalle Münster: Lejla Aliev und Jan Enste beschäftigen sich mit dem Roman „Tristano stirbt“ von Antonio Tabucchi.

MÜNSTER - Auf einem Tisch wird das Obst vor sich hin gammeln. Als Symbol der Vergänglichkeit. Daneben die Kelche, darüber der Kronleuchter. Dazu eine alte Fassadenskulptur, ein paar Zeichnungen, Tischplatten.

Mehr ist momentan nicht zu sehen in der Kunsthalle Münster, in der Projektausstellung „Was für ein Jahrhundert, sagten die Mäuse und begannen das Gebäude anzunagen“ von Lejla Aliev (geboren 1987) und Jan Enste (1980). Damit wird die Kunsthalle für drei Wochen zum Laboratorium, in dem sich die Münsteraner Künstler ihrer experimentellen Arbeit widmen können. Es gehört zum Konzept der Kunsthalle, ihre Räumlichkeiten zwischen den regulären Ausstellungen jungen Künstlern, die ihre Ateliers im selben Gebäude haben, zur Verfügung zu stellen.

Aliev und Enste kommen aus der bildenden Kunst, fühlen sich aber mit dem Theater verbunden. Seit 2012 arbeiten sie gemeinsam an spartenübergreifenden Projekten. Aktuell setzen sie sich mit dem Roman „Tristano stirbt“ des italienischen Schriftstellers Antonio Tabucchi (1943–2012) auseinander. Der Titel der Schau ist ein Zitat daraus.

Im Buch blickt ein Mann vom Sterbebett aus auf sein Leben zurück. Dabei verfälscht das Morphium seine Erinnerungen, Persönliches wird mit Historischem verknüpft. Es geht darum, wie wir unsere eigene Heldengeschichte erfinden und im Laufe der Zeit verändern.

Aliev und Enste wollen aus der Romanvorlage ein Bühnenstück entwickeln. Dazu müssen aus dem monologischen Werk Erzählstränge und Figuren herausgearbeitet werden. Häufig werden sich die beiden in der Kunsthalle aufhalten, Gespräche führen, Performances üben, Texte schreiben. Deswegen auch die Tischplatten im Raum. Noch sind sie frei, aber bald könnten sich Papiere darauf stapeln. Für Aliev sind sie Symbol zur Ideenfindung. „Man sitzt daran mit Freunden, zeichnet und sammelt Ideen.“

Eher spontan ist auch der steinerne Adler in die Ausstellung geraten. Er hing seit den 30er Jahren an der Fassade des alten Münsteraner Postamts, nur fünfzig Meter entfernt. Jetzt wird das Gebäude abgerissen, die Zukunft der Skulptur ist ungewiss.

Spontan und zufällig wird sich die Ausstellung verändern. Was genau passieren wird, können die Künstler noch nicht vorhersehen. Fest steht, dass ein Schubert-Klavierkonzert am 20. März stattfindet, da jene Musik eine große Rolle bei Tabucchi spielt. Am 1. April gibt es eine szenische Lesung mit dem Münsteraner Schauspieler Hannes Demming. Und jeden Sonntag um 16.45 Uhr wird Gabriele Brüning ein Gedicht lesen, als Anspielung auf das Vorlese-Ritual in der Romanvorlage.

Marion Gay

Bis 3. April; di-fr 14 – 19 Uhr, sa/ so 12 – 18 Uhr

Tel. 0251/ 4924191

www.kunsthalle.muenster.de

Quelle: wa.de

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