Bashkirova, Barenboim und Steckel in Münster

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Im Landesmuseum Münster: Elena Bashkirova (Flügel), Michael Barenboim (Violine) und Julian Steckel (Cello).

Münster - Wie sensibel und kunstvoll Johannes Brahms in seinen Klaviertrios Nr. 1 bis 3 seine musikalischen Motive spann und wandelte: Das offenbarten die Pianistin Elena Bashkirova, ihr Sohn Michael Barenboim an der Violine und am Cello Julian Steckel in Münster. Im Rahmen des Klavierfestivals Ruhr konzertierten sie im Foyer des Landesmuseums am Domplatz.

Ihr Programm folgt den Entstehungsjahren der Werke, sortiert sie aber vor allem nach dem zunehmenden Grad an emotionaler Bewegtheit. Der spüren sie in vertrautem Einvernehmen nach. Ihre Lesarten sind nicht spektakulär, aber äußerst eindringlich und empfindsam. An den Anfang setzen sie Brahms’ Trio Nr. 2 C-Dur op. 87 (1882), das sie in abgeklärtem Grundton interpretieren, mit wohl dosierten dramatischen Anwandlungen.

Vor allem aber haben sie die filigrane Motivarbeit im Blick, mit der Brahms etwa im ersten Satz vom kraftvollen Hauptthema zu einem neuen, zarten Gedanken überleitet. Steckel und Barenboim streichen im zweiten Satz das ungarische Volkslied-Thema, das sie unisono vortragen, nicht noch schwerblütig heraus, sondern lösen vor allem Brahms’ Spielanweisungen ein: „dolce“, „grazioso“. Der perlende, tupfende Anschlag Bashkirovas in den Läufen betont die vielen lichten Momente zusätzlich.

Die Akustik des Museumsfoyers ist solchen Zartheiten allerdings nicht gerade zuträglich: Der Klang zerfasert und verschwimmt immer wieder, die tieferen Lagen des Cellos drängen dann Klavier und Geige in den Hintergrund.

Das Trio Nr. 3 in c-Moll op. 101 (1886) beginnt mit wuchtigen Klavier-Akkorden, und die Streicher laden mit punktiertem Staccato das Andante energico weiter auf. Es wird zwar von zwei Seitenthemen beruhigt, aber Bashkirova, Barenboim und Steckel lassen den ersten Satz in einer heftigen Coda gipfeln, die der Satzbezeichnung nur zu gerecht wird. Die beiden mittleren Sätze bieten danach intimste Kammermusik: Wie in einem behutsamen Dialog wechseln im zweiten Satz Violine und Cello einander ab. Das folgende Andante grazioso tänzelt zwischen Zweier- und Dreiertakt; ein volksliedhaftes Thema wird mit feingliedrigen Veränderungen zwischen Klavier und Streichern verhandelt. Danach kehrt das Finale nicht mehr zur Schroffheit des Kopfsatz zurück, sondern bleibt schattiert und verhangen, auch wenn es am Ende zum C-Dur gelangt.

Brahms überarbeitete sein Trio Nr. 1 H-Dur, das er 1854 herausgebracht hatte, 1889 noch einmal grundsätzlich; deshalb kann das Opus Nr. 8 auch als Brahms’ letztes Werk für diese Besetzung gelten. Er behielt dabei das ursprüngliche Hauptthema bei – dessen weiten Bogen und bewegten Klang musizieren wie eine Brahms-Essenz.

Im spukhaften Scherzo verdeutlichen sie die Anklänge an die Kreisleriana Robert Schumanns, Brahms’ Mentor. Eine ganz eigene Ausdrücklichkeit gewinnt dann das Adagio: In sprödem, vibratoarmen Ton schlingen Cello und Geige ihre Melodielinien umeinander. Das Wechselspiel zwischen Streichern und Klavier dehnen die Drei beinahe bis zum Stillstand.

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Quelle: wa.de

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