Chen Ruo Bing stellt im Kunstmuseum Bochum aus

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Chen Ruo Bing malte das Bild „Ohne Titel (1430), 2014-2015“ (Acryl auf Leinwand), zu sehen im. Kunstmuseum Bochum

Bochum  - Er führt einen breiten Pinsel, trägt mehrere Farbschichten auf und nimmt sich viel Zeit. „Drei bis vier Wochen“, sagt Chen Ruo Bing und meint, für ein Bild. Er ist Farbmaler und formuliert ein ungewöhnliches Credo zu seiner Arbeit: „Die Leere des Bildes ist die Quelle der Sinnhaftigkeit.“ Das Zitat steht am Ende einer Ausstellung im Kunstmuseum Bochum, die am Sonntag, um 11 Uhr, eröffnet wird: „Der Maler. Chen Ruo Bing“ ist der kurze Titel, der verbirgt, wie breit das Institut ins Thema Farbmalerei einsteigt.

Museumsdirektor Hans Günter Golinski setzt ein Jahr nach dem großen China-Schwerpunkt in den Museen des Ruhrgebiets einen Gegenpol. Nicht die gegenständlich-figurative Kunst aus Peking und Shanghai, die oft an westlichen Popart-Strömungen marktorientiert wirkt, wird präsentiert. Den Kunsthistoriker interessiert ein tradierter chinesischer Ansatz. Als sich Künstler in Europa noch um das präzise Abbild der Landschaft bemühten, war in China längst ein Abstraktionsgrad eben über das Landschaftsbild erreicht worden. Ein Film zeigt Tuschbilder unter anderen von Guo Xi (11. Jahrhundert) und Ni Zani (14. Jahrhundert). Und Chen Ruo Bing sagt, dass das Ideal der traditionellen chinesischen Kunst die Landschaft im Nebel sei. Also, das Bild, das sich auflöst. Auch von Chen Ruo Bing ist so ein schwarz-grau-weißes Naturbild ausgestellt, das die Bergkette eben nicht zeigt wie sie ist, sondern immer das Ideal meint, das der Künstler aus seiner speziellen Naturerfahrung entwirft.

Bing hat sich bereits als Kind in der Kalligrafie geübt. 1988 begann er das Studium der Landschaftsmalerei, das auf Tuschbildern beruht. Auch das Naturverständnis in der chinesischen Lyrik ist für den Künstler elementar. Wie Bing zu seinen Farben findet, ist ein ganz individueller Prozess. Farbe wird in China traditionell für wenige Zusammenhänge eingesetzt.

An dieser Stelle legt die Ausstellung in Bochum Spuren und zeigt Wegbegleiter. Bing hat bei Gotthard Graubner (1930 – 2013) in Düsseldorf studiert. Vom Farbkissenmaler ist eine kleine Arbeit in Rot (1993) im ersten Teil der Schau vertreten. Von Josef Albers wird die Farbe Blau in seinen gestaffelten Quadraten erprobt. Bei Frank Stella strukturiert ein Linienweg das sandige Beige des monochromen Bildes: Ohne Titel, 1961. Diffuse Farbwirkungen, Farbstudien und Farbbildformen finden sich auch bei Chen Ruo Bing. Und so wie man sich seiner Farbmalerei und den rund 25 Gemälden zuwendet, blickt man in den hohen Saal mit den Oberlichtern und spürt eine besondere Aura der Ausstellung. Museumschef Golinski spricht von einem „Meditationsraum“. Und tatsächlich sind auch die großen Formate Bings sehr bei sich. Im Gegensatz zur westlichen Farbmalerei, wo die Farbe in sich wirksam werden will und wie bei Mark Rothko und Barnett Newman neue Behauptungsstrategien entwickelt, stiftet der chinesische Künstler dosiertere und vielfältigere Momente an. Er „geometrisiert“ Farbe in ovale, viereckige, quadratische und Gitterformen, ohne einem Idealkörper zu gehorchen. Sein Farbauftrag lässt die Leinwand und andere Töne nuanciert durchscheinen. Winzige Farbspritzer tauchen wie in „o. T. (0503), 2005“ als grauer Moment im blassen Rot auf und als dunkles Rot im Grau einen Vierecks. Es sind Arbeitsnachweise, die an das Handwerk des Künstlers erinnern. Bing zielt nicht auf Transzendenz, auf religiöse Stille. Ihm sind die Farbmalereien sehr lebensnah; ein Film demonstriert, wie selbstbezogen seine Arbeit mit dem Pinsel ist.

Aus dieser Innerlichkeit heraus, ist nachvollziehbar, dass Bing sich mit dem Malprozess auch Freiheiten und Öffnungen schafft. „Ohne Titel (1430), 2014-2015“ ist ein „Raum-im-Raum“-Bild, das neben der Grundentscheidung für zwei Farben, ein helles Zentrum wie einen Hintergrund bietet. Außerdem schafft Bing mit Farbverläufen von Orange bis Gelb oder Grau zu Hellblau bewegte Richtungen.

Vor allem Arbeiten wie „Ohne Titel (1607), 2016“ strahlen einen mit ihren Farbwerten an, ohne dass sich eine vordergründige Assoziation zu den Farbformen über längere Zeit halten ließe. Bing strebt mit seiner Kunst eine Offenheit an, die alles beinhalten kann, was das Sein ausmacht.

Die Schau

Ein Maler, der aus der chinesischen Tradition heraus im Abstraktionsprozess westlicher Farbmalerei für sich eine neue qualitative Offenheit im Bild schafft.

Der Maler. Chen Ruo Bing im Kunstmuseum Bochum.

Eröffnung Sonntag, 11 Uhr,

bis 3. Oktober; di-so 10 – 17 Uhr, mi bis 20 Uhr; Katalog 18 Euro; Tel. 0234/910 4230

Anschließend startet das Museumsfest am Sonntag mit Schnupperführungen und Familienprogramm „farbenfroh“.

www.kunstmuseumbochum.de

Quelle: wa.de

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