Ein Konzert voller Hits

Foreigner rocken den Kölner Tanzbrunnen

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KÖLN - Eigentlich sollte er im Mittelpunkt stehen: Mick Jones, 71, Multiinstrumentalist, Songwriter, Plattenproduzent, aber in erster Linie Gründer der britisch-amerikanischen Rockband Foreigner und einzig verbliebenes Mitglied aus dem Original-Line-up. Jones jedoch, nicht gerade bekannt dafür, eine Rampensau zu sein, hält sich beim Konzert der Band im Kölner Tanzbrunnen erst einmal ein wenig abseits des Geschehens. Alle Augen sind auf Kelly Hansen gerichtet, den in der Band-Geschichte mittlerweile vierten Mann am Mikro.

Der kontaktfreudige Schlacks mit dem rosa Jackett springt erst einmal mit einem Riesensatz die aufgestellten Stufen hinunter, jongliert mit dem Mikrofonständer, stretcht sich als stünde gleich ein Boxkampf an und zeigt auch sonst vollen Einsatz. Die angegraute Mähne des 55-Jährigen, der optisch betrachtet auch der verlorene Bruder von Aerosmith-Frontmann Steven Tyler sein könnte, wirbelt wild, Hansen gestikuliert dabei gestenreich und verbiegt sich eifrig wie ein Gummimensch auf dem Rummel. Schon bei Song drei steigt auf den Wellenbrecher badet im Publikum, klatscht Hände ab und peitscht die Zuhörer ein.

Und dann hat er auch noch eine richtig gute Stimme. Sie ist nicht ganz so weich wie die von Lou Gramm, der über viele Jahre die Songs der Band mit seinem charakteristischen Timbre prägte. Besonders zur Geltung kommt Kelly Hansens Organ bei den gemächlicheren weil gefühlvolleren Nummern, etwa der Powerballade "That Was Yesterday".

Foreigner mit vielen Hits im Kölner Tanzbrunnen

Rund anderthalb Stunden steht das Septett auf der Bühne des Tanzbrunnens, die eigentlich viel zu klein ist für die Riesenhits, die Foreigner auspacken. Die Musiker können aus dem Vollen schöpfen und stricken dank beeindruckender Diskografie ein Erfolgsstück ans andere. Natürlich ist „Cold As Ice“ dabei, einer der bekanntesten Songs der Band aus dem Jahr 1977. Oder auch das neu arrangierte „Say You Will“. „Früher war die Nummer vollständig elektrisch, jetzt gibt es sie auf eine andere Art“, berichtet Hansen. Der Einstieg erfolgt per Flöte, dann gibt es eine nahezu akustische Version. Dem Publikum gefällt’s. Hansen selbst ist auch angetan: „Das hier sind echte Menschen, die echte Musik für Euch spielen“, ruft er.

Neben dem Talent, die Instrumente auf beeindruckende Weise zu bearbeiten, hat die Band - mit Ausnahme von Jones – auch ausgezeichnete Fähigkeiten im Posen. Da werden die Instrumente gen Bühnendecke gereckt, wird demonstrativ breitbeinig dem Hardrock-Habitus gefrönt und das Publikum mit Schlachtrufen angestachelt. Als Kelly Hansen sich die Zeit nimmt, Mick Jones ins verdiente Licht zu rücken, gibt es Sonderapplaus. Dabei ist es eigentlich gar nicht nötig, die Leistungen des Briten, der 2013 in die Songwriters Hall of Fame aufgenommen wurde, hervorzuheben. Die eingefleischten Fans wissen, wer ihr Held ist. „Er hat die Band ins Leben gerufen. Er hat ihre Alben produziert", zählt Hansen auf. Der wortkarge Jones lächelt freundlich, hält sich aber nicht lange an der Lobhudelei auf. Stattdessen soll es mit "Feels Like the First Time" das erste Lied vom ersten Album, das die Band veröffentlicht hat, geben.

Die Gitarre beherrscht der Brite im Schlaf, ebenso das Spiel am Synthesizer, der zwischendurch immer mal wieder zum Einsatz kommt, zum Beispiel beim soften „Waiting for a Girl Like You“ mit seinem markanten Thema. Bei „Dirty White Boy“, einem vergleichsweise harten Rocker, der polternd noch vorne prescht, liefert Mick Jones ein feines Solo, ebenso später bei „Juke Box Hero“, das in einer besonders verspielten Weise um einige Minuten gegenüber der Originalversion verlängert wird.

Die Ballade „I Want to Know What Love Is“ vom 1984er Album „Agent Provocateur“, mit dem die Band bis auf Platz drei der deutschen Single-Chart stieg und auch in vielen anderen Ländern an die Spitze der Charts gelangte, kommt als Zugabe. Darauf haben alle gewartet. Ein Raunen geht durchs Publikum, die Handys werden gezückt. Und auf Kelly Hansens Aufforderung hin wird es auch noch kuschelig. „Niemand von Euch soll alleine stehen. Sucht jemanden, den Ihr umarmen wollt. Liebt Euch!" ruft er den Menschen entgegen.

Quelle: wa.de

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