Die Fotografin Regina Relang in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen

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Mode mit erotischem Unterton: Regina Relangs Bild „Sylvia Dakis an einer Baustelle“ (1959, Ausschnitt), zu sehen in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen.

OBERHAUSEN - Auch so kann man ein Sommerkleid ins Bild setzen: Eine elegante Frau kommt an einer Baustelle vorbei. Vorn sieht man den muskelbepackten Arbeiter im Unterhemd, der ihr nachschaut. Und auch sie wendet sich ihm zu, senkt freilich den Blick beim kurzen Flirt. Das Thema Mode wird in diesem Foto von 1959 aufgeladen zu einer erotischen Erzählung.

Womit die besondere Qualität von Regina Relang (1906-1989) angesprochen wäre. Sie inszenierte selbst eher konventionelle Kleidung mit einer gewissen Spannung im Stadtraum und wurde so zu einer der führenden Modefotografinnen der Nachkriegszeit. Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen zeigt ihr Werk in der Retrospektive „Inszenierte Eleganz“ mit rund 180 Aufnahmen. Die Schau ist eine Kooperation mit dem Stadtmuseum München, wo der Nachlass der Künstlerin verwahrt wird. Das Haus folgt damit einem Trend – Modefotografie scheint als Ausstellungsthema en vogue zu sein, nach Horst P. Horst (in Düsseldorf) und Willy Maywald (im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund) ist nun eine weitere Instanz des Fachs zu studieren.

Der Vergleich lohnt durchaus, denn man kannte sich, man begegnete sich, speziell in Paris in den 1930er Jahren. Maywald fotografierte Relang und weitere Deutsche in einem Bistro. Der Weg Relangs schien vorgezeichnet. Die Tochter des Künstlers Paul Kurz-Lang und der Modedesignerin Minna Kurz studierte Kunst in Stuttgart, Krefeld und Paris. Das Fotografieren brachte sie sich selbst bei.

In einem Raum sind die frühen Arbeiten Relangs zu sehen, die thematisch noch anders fokussiert sind. Da gibt es eine Serie über arbeitende Frauen im Hafen von Porto, von der Mühe gezeichnete Lastenträgerinnen zum Beispiel. Das Interesse an sozialen Motiven weicht eher folkloristischen Arbeiten, sie lichtet tanzende Mädchen und eine Hochzeit in Jugoslawien ab, nimmt eine Reiterin in andalusischer Tracht in Spanien auf (1939). Auch das Motiv eines Schweins, das seinem Besitzer auf dem Markt wegrennt, verschmäht sie nicht. Diese Arbeiten bringen sie in Paris mit dem Medienbetrieb in Kontakt. Die Agentur Three Lions verkauft ihre Bilder unter anderem an die „Vogue“ und an die „Dame“. Erste Modeaufnahmen entstehen, die noch im Bann des Surrealismus stehen, 1937 fotografiert sie leere Schuhe, die sie um einen Baum arrangiert hat, ein anderes Bild zeigt nur gegen den Himmel gereckte Hände, das „Handschuhballett“ (1936).

Während Horst und Maywald emigrierten, kehrte Relang nach Hitler-Deutschland zurück. Sie exponierte sich nicht politisch. Aber eine Aufnahme wie der Mantel, den ein Model 1942 vor einem Zeitungskiosk trägt, verrät viel von einer Zeit, in der Mode für die meisten Deutschen zum unerschwinglichen Luxus geworden war. Abgesehen davon, dass unter den Zeitungen auch das Hetzblatt „Stürmer“ hängt, sieht man beim zweiten Blick den Vermerk: „Juden ist der Zutritt verboten“. Das Bild trug zur Illusion von Normalität bei.

Nach 1945 schlug erst die Stunde Relangs. Sie zog nach München und begann, die Kollektionen führender Couturiers ins Bild zu setzen, Dior, Cardin, Saint-Laurent. Sie arbeitete für das Magazin „Heute“, später für die 1952 gegründete Modezeitschrift „Madame“. Und sie entwickelte ihren Stil, zeigte Kleidung im Stadtraum. In den ersten Nachkriegsjahren waren das auch die Trümmerlandschaften der zerbombten Städte. Aber schon da setzte sie auf Optimismus und Aufbruch: Im Hintergrund sieht man auf einer Aufnahme von 1949 noch Ruinen, aber das elegante Paar vorn sitzt bereits heiter auf einer Vespa.

Sie holt ein bisschen Grandezza in die biedere Wirtschaftswunderwelt, zeigt 1954 Suzy Parker im Kleid von Staebe-Seger wie einen Filmstar auf dem roten Teppich, sogar mit einem Pagen, der ihr den Schirm hält. Dabei sind die Leuchtschriften im Hintergrund von einem Kaufhaus. Manchmal zeigt sich ihr Blick für starke Frauen. Die Aufnahme der rauchenden Gisela Ebel mit Schmetterlingsbrille (1950) zitiert die Posen von Hollywooddiven. Sie verlangte ihren „Mädchen“ viel ab, Ina Balke steht (um 1955) wirklich im Regen, man sieht das Wasser über den Schirm laufen. Manchmal wirken die Bilder unterschwellig komisch, zum Beispiel die Aufnahme mit Ina Balke in Florenz 1963, die einen großen Hund an der Leine führt. Aber ihr Schritt führt nirgendwo hin, das Tier sitzt unerschütterlich wie ein Fels. Und Drama darf auch sein, wie die Aufnahme von Sylvia Dakis in Abendgarderobe mit Schmuck von Langani 1963, die im Sportauto sitzt, im Begriff auszusteigen, und der Mann streckt die Hand nach ihr aus.

Man darf nostalgisch den Stilen und Irrungen der Mode zwischen 1950 und 1980 folgen, zum Beispiel dem Model im Minikleid von Antonelli (Rom, 1965), das einen Hut mit Klappe vor dem Gesicht trägt, ungefähr so geformt und so schick wie ein Motorradhelm. Bei einer Aufnahme für Skimode Wiler (1965) arbeitet sie mit einer Doppelbelichtung und macht aus dem Model einen Doppelkopf mit zwei Helmen.

Bis 18.9., di – so 11 – 18 Uhr,

Tel. 0208/ 41 249 28,

www.ludwiggalerie.de,

Broschüre 4 Euro

Quelle: wa.de

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