Das Fritz-Winter-Haus wird 40 Jahre alt

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Bedeutende Nachkriegskunst in Ahlen: Fritz Winters „Braun mit Rot“ (1949) ist im Fritz-Winter-Haus zu sehen.

Von Marion Gay AHLEN - Knallrot leuchtet das Zeichen vor den blau-grauen Formen, ein Blitz aus purer Farbenergie. Wie ein Riss, ein kraftvoller Aufbruch. Fritz Winter malte das Bild „Rotes Signal“ 1967. Acht Jahre später, am 27. September 1975, eröffnete seine Nichte Helga Gausling das Fritz-Winter-Haus in Ahlen, im ehemaligen Elternhaus des Künstlers.

Entstanden aus einer spontanen Idee, betreut das private Museum seitdem das Werk Winters, präsentiert in sorgfältig komponierten Ausstellungen immer wieder Werke von Weggefährten und Schülern des Künstlers.

Etwa 100 Werke Winters (1905–1976) aus allen Schaffensphasen sind nun in der Schau „40 Jahre Fritz-Winter-Haus“ zu sehen. Gleichzeitig erscheint eine Dokumentation zur Geschichte des Museums von 1975 bis heute, in der Arbeiten der rund 70 Künstler vorgestellt werden, die bisher präsentiert wurden. Eine beeindruckende Auswahl, darunter Georg Meistermann, Hans Hartung und Heinz Trökes, die Rubens-Preisträger Antoni Tapies, Francis Bacon und Giorgio Morandi sowie abstrakte Künstler jüngerer Generation wie Antonio Marra, Raimund Gröbner und Martine Andernach. Letztere schuf die kleine Bronze-Skulptur „Hommage an Karl-Heinz Smoll“ (2015) zu Ehren von Gauslings verstorbenem Lebensgefährten, der das Fritz-Winter-Haus bis 2002 mitprägte.

Geboren wurde Fritz Winter als ältester Sohn eines Bergmanns in Altenbögge/ Bönen. Er wuchs in Ahlen auf, arbeitete als junger Mann unter Tage und besuchte nebenbei die Abendschule. Werklehrer Hillebrecht kam vom Bauhaus und erkannte das künstlerische Talent seines Schülers, riet ihm, dort eine Mappe mit Arbeitsproben einzureichen. So begann Fritz Winter 1927 sein Studium in Dessau, wurde Schüler von Klee, Kandinski und Schlemmer. Das Selbstporträt in Öl von 1924, das früheste Bild der Ausstellung, zeigt den Künstler als nachdenklichen jungen Mann mit markanten Gesichtszügen. Dies und ein Selbstbildnis in Bleistift von 1927 sind die einzigen gegenständlichen Arbeiten. Das düster-graue Bild „Eruption“ (1933) ist bereits abstrakt. Die wüstenhafte Landschaft scheint aufzuplatzen, dreieckige Formen erinnern an karge Berge, zwei Kreise an außer Kontrolle geratene Sonnen. Die Schrecken der kommenden Jahre deuten sich an.

1935 erhält Winter von den Nazis Malverbot, 1939 wird er als Soldat eingezogen, gerät 1945 in russische Gefangenschaft und kehrt erst 1949 nach Deutschland zurück. Dazwischen entstanden die kleinformatigen Feldskizzen (1940) sowie sein Schlüsselwerk, die Serie „Die Triebkräfte der Erde“ (1944). Auf insgesamt 44 Schreibmaschinenpapier-Blättern setzt er das Wachsen, Werden und Schaffen der Natur in abstrakte Bilder um. Aus dieser Zeit stammt auch das Bild „Braun mit Rot“, das schwarze Umrisslinien und rote Formen auf erdigen Strukturen zeigt.

In München wird er Mitbegründer der Gruppe „Zen 49“ (1949), erhält 1950 den Preis der Biennale von Venedig, im Jahr darauf den Konrad-von-Soest-Preis. Ab 1955 hat er eine Professur an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Kassel. Im Bild „Schattenspiele – Die Marionette“ (1962) schweben die grauen und roten Formen frei und losgelöst auf der weißen Leinwand. Dagegen wirkt „Durch den Halbkreis“ (1973) erdbezogen. Die breite türkisgrüne Linie wirkt wie ein Fluss, das rote Rechteck könnte ein Haus sein.

Eröffnung Samstag, 24. Oktober, 15 Uhr; bis 31. Januar

di, mi, sa 15 – 18, so 11 – 18 Uhr

Tel. 02382/ 61582

www.fritz-winter-haus.de

Katalog 42 Euro

Quelle: wa.de

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