Khatia Buniatishvili im Konzerthaus Dortmund

+
Mit einem Liszt-Programm kehrte Khatia Buniatishvili ins Konzerthaus Dortmund zurück.

DORTMUND - Als junge Wilde hat sich die georgische Pianistin Khatia Buniatishvili in Dortmund Fans erspielt, zu Beginn der noch jungen Konzerthaus-Saison war sie zurück mit einem Programm, dessen technische Schwierigkeiten sie wie gewohnt mit eigenwilligem Zugang meisterte. Die 29-Jährige begann mit einem Liszt-Schwerpunkt, darin vor allem die „Réminiscences à Don Juan“ nach Motiven aus Mozarts „Don Giovanni“. Hinzu kam Ravels „La valse“.

Zur Einstimmung spielt sie die c-moll-Sonate von Joseph Haydn als träumerische Selbstbefragung, mit einem Finalsatz als quecksilbrige Jagd, die die latente, zarte Unruhe aus den ersten Sätzen zum Höhepunkt bringt. Diese empfindliche, eigensinnige Sicht auf die Sonate – die klassische Form als Rahmen für eine Erkundung von Empfindsamkeit – hält sie zusammen mit einem ebenmäßig-flexiblen Puls.

Liszts „Don Juan“-Bearbeitung lebt von einer feinen, ironischen Distanz – im Gegensatz zu der überfeinerten, aber ernst gemeinten Zerbrechlichkeit des Haydn. Das Unheilthema, die Fanfare, mit der die „Don-Giovanni“-Ouvertüre beginnt, hebt Buniatishvili theatralisch in den Raum, gefolgt von dem Gruselthema der Geigen, hier in schlüpfrigen Läufen eingefangen. Eine Gruselshow, auf die das artige Thema „La ci darem la mano“ folgt, das Liebesduett zwischen Don Giovanni und der Bäuerin Zerlina. Buniatishvili stellt es mit höfischer Grazie, mit silbergeklöppelten Trillerchen vor, ein Puppenidyll, unter das sie nach und nach distanzierend ein ganzes Bühnenuntergeschoss zieht: Draufsicht und Unterbau in einem.

Das zunehmend vehementere Thema jagt sie durch den Beschleuniger, zerhäckselt es wie mit Silbermessern, alles fein manierlich. Das Zitat der Champagnerarie mischt offen Grazie und wilde Begehrlichkeit. Hier packt Buniatishvili die Pranke aus. Aber mit Maßen: Ihr Don ist ein sorgfältig domestiziertes Männertier.

Auf die Pause folgen drei Liszt-Etüden: „La leggierezza“ mit hingewehten virtuosen Läufen, die kleine Stille-Inseln umranken; „Feux follets“ mit unzuverlässigem Flackern und „La campanella,“ in dem sie ihre Anschlagsfinessen zeigt. Ihre Virtuosität ordnet sie einem vorsichtigen Hinhören unter, was ihrem Spiel zunehmend Zerbrechlichkeit verleiht.

Ravels „La valse“ spielt sie in der Klaviersolofassung von Horowitz als Erkundung der Stadien eines Walzers: eine Reflexion über Vergänglichkeit. Der Ravel vor allem profitiert von ihrer Art, die Töne zu verdichten und dann Konturen herauszuprofilieren.

Liszts Ungarische Rhapsodie bildet den Abschluss, ein breitformatiges Pusztabildertheater, aus dessen finsterer Pracht sie eine schwer widerstehliche Wehmut filtert. Und immer lohnt es sich, genauer hinzuhören, statt sich dem Strudel der Virtuositäten hinzugeben: wenn im Mittelteil der Part der linken Hand unvermittelt bedrohlich zu schwirren beginnt.

Für die Zugabe hat Buniatishvili einen Überraschungsgast dabei: die schüchtern blickende, erst 19-jährige georgische Cellistin Lizi Ramishvili als Partnerin in der Ungarischen Rhapsodie von David Popper, einem der gefragten Cello-Pädagogen um die vorletzte Jahrhundertwende: ein attraktives, virtuoses Stück, bei dem sich Ramishvili mit furchtloser Attacke, warmem Ton und herrlichen orientalischen Farbgebungen vorstellt – Buniatishvilis nächste Empfehlung für Dortmund.

Quelle: wa.de

Kommentare