Ute Lemper singt in Kölns Philharmonie: „Last Tango in Berlin“

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Sie ist mit ihren Bühnenprogrammen nach wie vor weltweit gefragt: Ute Lemper gastierte in Kölns Philharmonie.

KÖLN - Ute Lemper schaut mal wieder vorbei. Für einen Abend breitet sie ihr wechselvolles Programm „Last Tango in Berlin“ aus. In Kölns Philharmonie, wo sie schon vor 30 Jahren zu hören war, erzählt sie auf der abgedunkelten Bühne. Berlin, Paris, New York, Buenos Aires sind ihre künstlerischen Heimatorte. Und aus diesem Repertoire will sie schöpfen. Das klingt andächtig, nachdenklich und zeitbezogen, so tritt die Lemper auf und gönnt sich etwas Sentimentalität.

1300 Zuschauer werden von dem atmosphärischen Sog ihrer Stimm- und Liedkunst angefasst und in magische Kulturräume geführt.

Das 29. Kölner Sommerfestival startet in dem Musikhaus am Rhein mit einem Weltstar, bevor sich vor allem Tanz-Darbietungen folgen. Ute Lemper singt Jacques Brels „Dans le port d’amsterdam“. Sie nimmt den Text als Material für ihre bewegliche Stimme, sie wechselt vom Englischen ins Französische, wird jazzig und geht ein paar Schritte zur Walzermusik. Chansons sind einer ihrer Kulturräume, in denen sie ihren souveränen Ton entwickelt, der sich zu jedem Wort verhält und wie die Entdeckung einer Gabe klingt. Nur wenige Zeilen singt sie von Friedrich Hollaenders „Ich bin von Kopf bis Fuss auf Liebe eingestellt“. Das hört sich verrucht an, und bei „ich kann halt Liebe nur“ wird es schon wieder albern „und sonst gar nichts“. Sie erinnert an Marlene Dietrich im Film „Der blaue Engel“, bleibt aber bei sich und ihrer Lust, farbenreich zu singen. Es geht nicht nur um die 20/30er Jahre.

„Last Tango in Berlin“ ist Lempers Best-Of-Programm. Immer wieder geht sie auf Stationen ihrer Karriere ein, ohne allerdings auf ihre Musical-Zeit abzuheben. In Köln singt sie später noch Auszüge ihres Pablo-Neruda-Programms (2013), und sie gibt einen Einblick in ihre Vertonungen zu Paulo Coelhos Roman „Die Schriften von Accra – 9 Geheimnisse“. Mit „Coelho“ hat sie weniger Zustimmung erfahren als gewohnt, aber gern möchte sie mit diesen Stücken, die sie 2015 bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen vorgestellt hatte, auch nach Köln kommen, sagt sie so zwischendurch. Mal sehen.

Erstmal ertönt Edith Piafs Chanson „Milord“, das als verführerischer Tagtraum spröde und spontan intoniert wird, und dem Ute Lemper einen Spaß folgen lässt. „Ist das deine Frau neben dir“, fragt sie Martin in der ersten Reihe, gibt ihre Garderobennummer 9 an und amüsiert das Publikum so nebenbei.

Selbst der kleine Ranschmeißer hat bei Ute Lemper Klasse. Mit ihrer Stimme charakterisiert sie Piano (Vana Gierig), Bass (Steve Millhouse), Violine (Cyril Garac) und das Bandoneon (Victor Villena). Sie erzählt wie dieses „deutsche Instrument“ nach Buenos Aires kam und der Tango-Musik Impulse gab. Astor Piazzollas Melancholie lässt sie aufscheinen und tanzt ein paar Schritte Tango, die innig und versunken wirken, aber gleichzeitig an ihre Karriere erinnern. Lang stellt sie die Beine unter dem schwarzen Abendkleid aus, ein Tuch ist um ihre Hüften geschwungen und rot schimmert das lange Haar. Seit dem „Coelho“-Programm ist es getönt.

Heute Abend schafft Ute Lemper, gebürtig aus Münster, wieder ihren Kulturraum, der für die großen Themen Liebe und Tod, Schönheit und Trauer offen ist. Von Brels „Ne me quitte pas“ (Nein, verlass mich nicht) findet sie über den Tod des Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel zu jiddischen Liedern und dem Gedenken an Auschwitz. Sie singt „Ich wandre durch Theresienstadt“ und erinnert in der Gedichtsvertonung an die Jüdin Ilse Weber, ein Holocaust-Opfer („Ich möcht so gern nach Haus“). Ernst und mit ein wenig Pathos singt Ute Lemper, weil das Bedürfnis der Ilse Weber so universell menschlich ist und von allen verstanden wird.

Auf dem Barhocker angekommen, tippt sie mit „Blue Bird“ ihr Bukowski-Projekt und mit „Drinking Whiskey“ ihr Album „Crimes of the Heart“ (1989) an. Neben diesen Visitenkarten – auch „Ich bin die fesche Lola“ – macht sie aus Léo Ferrés „Avec le temps“ ein Liedgedicht für die Ewigkeit. Wort für Wort. Die Lemper will in der Seele wirken und das gelingt ihr auch in Köln. Die Brecht/Weill-Kompositionen bringt sie kraftvoll („Mackie Messer“) und als Zugabe wird Piafs „Je ne regrette rien“ geschmettert. Das hat Format.

www.koelnsommerfestival.de; Tel. 0221/280 280; Hotline: 01806/1010 11, 20 Cent/Min.

Quelle: wa.de

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