Mozart-Abend mit dem Mahler Chamber Orchestra

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Dirigiert drei Mozart-Sinfonien im Konzerthaus Dortmund: Daniel Harding mit dem Mahler Chamber Orchestra.

DORTMUND - Zu Mozarts Zeiten war ein Konzert keine andächtige Saalsitzung: Es wurde durchdirigiert, dafür ging das Publikum, grob gesagt, zwischendurch mal einen Wein trinken. Der britische Dirigent Daniel Harding absolviert mit dem Mahler Chamber Orchestra ein Mozart-Programm, das ebenfalls keine Unterbrechungen zulässt: die drei letzten Sinfonien hintereinander, ohne Pausen, aber auch ohne Ablenkung, quasi als ein Gedankenstrom.

Aus dem Konzerthaus Dortmund wurde live gestreamt, außerdem waren hörbehinderte Kinder beim Konzert dabei, die zu der Musik Bilder gemalt und versucht haben, die Töne für sich zu übersetzen. Musikvermittlung nimmt Daniel Harding ernst, auch und gerade weil die drei Sinfonien hintereinander eine bewusste Herausforderung an die Konzentration des heutigen Publikums darstellen.

Harding versteht die Sinfonien als drei Facetten einer Entwicklung, von der stürmischen, von jähen Energiepulsen geprägten Sinfonie Nr. 39 bis zum Triumph der 41. Sinfonie. Sein Mozart ist straff, federnd, pointiert, fordert zum Hinhören heraus. Die Tempi sind differenziert, dabei sehr zügig; so klingen einige Feinheiten flüchtiger, als sie müssten. Das Mahler Chamber Orchestra hat Freude am Spiel und beglückt durch seine Bereitschaft, Klang nicht selbstverständlich zu nehmen, sondern sich auszuprobieren.

Harding orientiert sich zwar an der historisch informierten Aufführungspraxis, verbindet sie aber mit einem heutigen Klangbild mit modernen Bläsern, stahlbespannten Geigen, ohne Vibrato. Harding nutzt das als Stilmittel, etwa im Andante cantabile der 41., das aus den Violinen einen gläsernen, leicht fragilen Klang erhält und dem Musikfluss einen Rückzugsraum verschafft.

Die 39. wird geprägt von einem energetisch aufgeladenen, dunklen Pathos voll Unruhe. In den zweiten Satz, das Andante con moto, horcht Harding behutsam hinein, bevor er die energetischen Ströme aufnimmt. Er tastet die Themen und Stimmungen ab wie eine Laserlinse, Brüchen und Richtungswechseln auf der Spur. Durch das Menuetto und das abschließende Allegro hindurch lädt Harding die Widersprüche auf: Sie sind der unruhige Kern.

In der großen g-moll-Sinfonie ist das Pathos sanfter und melancholischer gefärbt, mit jähen, zupackenden Zuspitzungen. Es ist ein seltsamer Sturz von dem wirbelnden, freudig-energetischen Finale der 39. in die zunächst pastelligen, später dunkel aufgewühlten g-moll-Wellen der 40. Ein sorgsam aufgebauter Aufruhr stellt sich ein, der in das Pochen des zweiten Satzes übergeht. Die Bewegungsenergie dieses Andantes bekommt tiefe Wärme, hier schlägt das Herz der Sinfonie. Durch die Gegensätze des dritten und die Vorwärtspulse des vierten Satzes steuert Harding straff hindurch, was auf die Fanfare der „Jupiter“-Sinfonie vorbereitet, die er mit einem noch differenzierteren, frischeren, beinahe kriegerischen Gestus angeht. Er zeigt eine fabelhafte dynamische Bandbreite. Je später der Abend, desto feiner, differenzierter, „atmender“ das Musizieren.

Das Streaming kann (kostenpflichtig) abgerufen werden unter: www.takt1.de/mozart-3-mco

Quelle: wa.de

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