Museum Bochum zeigt „Das autonome Bild“

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Schachteln in Aufsicht: „Partition 43“ (2015) von Christiane Feser ist eine Fotografie, zu sehen im Museum Bochum.

Bochum - Eine graue Metropole mit Hunderten von Häusern – das ist der erste Gedanke beim Betrachten der dreidimensionalen Fotografie „Partition 39“ (2015) von Christiane Feser.

Ein Moloch aus dicht gedrängten Flachdächern. Aber man ist sich nicht sicher. Es gibt keine Fenster. Keine Zwischenräume. Das irritierende Werk gehört zur Ausstellung „Das autonome Bild“ im Kunstmuseum Bochum. Zu sehen sind rund 80 Arbeiten konzeptueller Fotografie von fünf Künstlern.

Feser baut zunächst Modelle aus Papier, zum Beispiel Hunderte kleiner Schachteln, die sie im Atelier aneinanderfügt und von oben fotografiert. Die Fotografie wird anschließend weiter bearbeitet, indem die Künstlerin einzelne Flächen anschneidet und aufklappt, so dass ein Relief mit verwirrenden Strukturen entsteht. Licht und Schatten unterstreichen das Dreidimensionale.

Die fünf Künstler der Ausstellung eint, dass sie den vermeintlichen Realitätsbezug von Fotografie hinterfragen und autonome Bilder schaffen, die nichts Gegenständliches mehr abbilden. Stefan Heynes Arbeiten beispielsweise haben zwar ihren Ursprung in der Abbildung realer Situationen, durch die Wahl des Ausschnitts und Unschärfe lässt sich jedoch kein Hinweis darauf mehr finden. So zeigt die fünfteilige Arbeit ohne Titel (2015) Farbverläufe von Blau über Grün-Gelb hin zu Rot. Aus dem Foto eines Sonnenuntergangs, vom Flugzeugfenster aus fotografiert, sind abstrakte Farbbilder geworden, die optimistische Aufbruchsstimmung vermitteln. Jedes der fünf Einzelbilder ist exakt gleich, während das Auge unwillkürlich nach Unregelmäßigkeiten sucht.

Ähnlich arbeitet Jan Paul Evers, der im letzten Jahr den Kunstpreis junger westen erhielt. Allerdings sind seine handwerklich höchst präzise angefertigten Arbeiten immer Unikate, die lange in der Dunkelkammer bearbeitet werden. Der Silbergelatine-Abzug „Rubyrubicon“ (2012) zeigt schwach-graue Strukturen, die an Röntgenaufnahmen erinnern. Das ursprüngliche Motiv, ein Ausschnitt aus einem Wellblechdach, lässt sich nicht mehr identifizieren.

Miriam Böhm dagegen arrangiert Flächen im Atelier, die sie fotografiert, ausschneidet, neu anordnet, zeichnerisch erweitert und wieder fotografiert, so dass die Arbeiten schließlich wie Collagen wirken. Die Bilder der Serie „Interlude“ (2012) erinnern an Pappbilderbücher oder Pop-Ups, die illustrierte Landschaft mit Bäumen und Wasser klappt sich auf, rahmenartige Ausschnitte geben neue Einblicke.

Dass die Konkrete Fotografie nicht völlig neu ist, zeigen die Arbeiten des 1937 geborenen Gottfried Jäger, langjähriger Professor für künstlerische Grundlagen der Fotografie an der Fachhochschule Bielefeld. Seine Serie „Thema (Sprung) und Variationen“ von 1960 – 63 widmet sich dem Sprung in einer Emailleschale, wie sie im früheren Fotolabor für chemische Bäder verwendet wurde. Die interessanten Schwarz-weiß-Bilder sehen fast aus wie Holzschnitte, aneinandergereiht wie Bilder einer graphic novel. Obwohl vollkommen gegenstandslos, glaubt man, in den Strukturen Tunnel, Schienen und Gitter zu erkennen.

Die Ausstellung

Eröffnung am Samstag, 21. Mai um 17 Uhr; bis 17. Juli, di – so 10 – 17 Uhr, Mi 10 – 20 Uhr;

Katalog in Vorbereitung;

Tel. 0234/ 9104230, www.kunstmuseumbochum.de

Quelle: wa.de

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