Das Museum Küppersmühle zeigt Heinz Mack: „Apollo in meinem Atelier“

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Gemalte Bewegung im Einfall des Lichts: Heinz Macks „American Dance II“ (2005), zu sehen in Duisburg.

DUISBURG - Mit seiner dreieckigen Front erinnert das große Licht-Prisma (1983) tatsächlich etwas an Weihnachtsschmuck. Besonders in dem abgedunkelten Saal im Museum Küppersmühle in Duisburg, wenn dann auch noch blinkende Sternlein durch das Plexiglas-Objekt tanzen, wenn bläuliche Lichtstreifen herumgeistern. Ein Blickfang. Und einfach schön.

Womit die Probleme für Heinz Mack beginnen. Der Begriff der Schönheit, sagt er, sei in der Kunstwelt korrumpiert, fast tabu. „Diesen negativen Aspekt konterkariere ich auf meine Weise.“ Der 84-jährige Künstler tritt also mit seiner Ausstellung an, für das Schöne zu kämpfen. Er selbst sieht sich als Außenseiter, abseits der Netzwerke des Betriebs. Allerdings, erinnert Walter Smerling, Direktor des Museums Küppersmühle, ein Außenseiter mit mehr als 300 Ausstellungen. Vom Dortmunder U bis zum Teheran Museum of Contemporary Art, vom Grand Palais in Paris bis zum New Yorker Guggenheim Museum wurden die Arbeiten des „Zero“-Mitgründers präsentiert. Und doch, welch ein Kunstgriff, gibt es in Duisburg Neues vom Meister zu sehen. Die Ausstellung „Apollo in meinem Atelier“ ist nicht vorrangig den kinetischen und Licht-Objekten gewidmet. Hier werden vor allem und oft erstmals überhaupt die Skulpturen und Gemälde Macks vorgestellt.

Als Mack 1957 mit Otto Piene die Gruppe „Zero“ gründete, wandten sie sich gegen die Ismen der Zeit, vor allem gegen die Nachkriegsabstraktion des Informel. Einen Nullpunkt markieren, neue Wege suchen und neue Medien ausprobieren, darum ging es. Die „Zero“-Künstler erfanden Lichtkunst in faszinierenden Räumen, schufen Objekte aus Glas und Spiegeln. Beispiele dafür sind auch in Duisburg zu finden, neben dem frisch restaurierten „Licht-Prisma“ auch die Rotoren-Kästen, die dem Betrachter die Welt prismatisch gebrochen vor Augen führen, verfremdet und ästhetisch zugleich. Diese Effekte suchte Mack auch damals schon im Medium der Malerei. Das „Vibrationsbild“ (1958) zum Beispiel unterteilt die Leinwand in horizontale Streifen. „Die große Komposition in der europäischen Kunst ist vorbei“, sagt der Künstler dazu. „Heute spielt stattdessen die Struktur eine große Rolle.“ Man sieht es an dem Gemälde: Es gibt keine hierarchischen Partien, jede Stelle hat das gleiche Gewicht, und doch ergibt sich im Ergebnis so etwas wie eine Bewegung. Macks Bild hat musikalische Qualitäten, Rhythmus, ein Tempo, das durch die Abfolge der Streifen vorgegeben ist.

Mack legt Wert darauf, dass er seine Arbeiten selbst ausführt. Er versteht sich als Handwerker. Das beeindruckt, wenn man vor drei, ja fünf Meter breiten Gemälden steht oder vor der drei Meter hohen weißen Marmorstele (2012). Speziell für die Ausstellung hat er den „Raum für Apollo“ geschaffen, einen Raum, dessen Wände er jeweils in einer Grundfarbe bemalte, die er aber nicht deckend, sondern wolkig, in unterschiedlicher Intensität und Dichte auftrug. Darin stehen viereckige Säulen, so dass sich je nach Standort des Betrachters wechselnde Kombinationen ergeben.

Mack beruft sich auf Apollo, den Lichtgott. Licht ist das durchlaufende Thema seiner Arbeiten. Farbe betrachtet der Künstler dabei als Eigenschaft des Lichts. Das lässt sich in Bildern wie „American Dance II“ (2005) schön verfolgen. Auf dem grauen Grund sieht man eine Abfolge von sich überlagernden Quadraten und Rechtecken, vielleicht das Abrollen des zentralen, nach rechts hin heller werdenden blauen Quadrats, dessen Bewegung in der Serie eingefangen ist. Von rechts oben dringt ein heller Farbstreifen ins Bild. Man könnte an die Lichtregie bei Caravaggio oder niederländischen Meistern denken. Immer sind diese Bilder, die bislang in Macks Atelier lagerten, aus einfachen geometrischen Formen zusammengesetzt, bei „Rhythmus Farbe Licht“ (2006) zum Beispiel scheint ein rotes Dreieck in einen bunten Streifen einzuschlagen, dass nach rechts Farbsplitter wegspritzen.

Ähnlich arbeitet Mack bei seinen Skulpturen. Er verwendet einfache, geometrische, harmonische Formen, Ellipsen, Quader, Zylinder, Pyramiden. Mal sind die Oberflächen poliert, mal kontrastiert er raue und glatte Partien. Der Stein, das bemalte Holz, das Plastik dient dabei als Lichtfänger – Mack bleibt bei seinem Thema. Die Duisburger Ausstellung spielt mit diesem Motiv, indem sie in einem Raum schwarze Skulpturen und Gemälde versammelt, in einem weiteren weiße.

Eine Botschaft hat Mack nicht, seine Werke sollen offensichtlich zuerst gefallen. Er wolle etwas „gegen das Elend in dieser Welt“ stellen, sagt er. Vor diesen gewaltigen Farbtafeln, in denen man sich meditativ verlieren kann, erscheint das nicht als die schlechteste Idee.

Bis 31.1.2015, mi 14 – 18, do so 11 – 18 Uhr, Tel. 0203 / 30 19 48 10, www.museum-kueppersmuehle.de, Katalog, Wienand Verlag, Köln, 29 Euro

Quelle: wa.de

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