Das Museum Kunstpalast zeigt den spanischen Barockmaler Francisco de Zurbarán

Scheinbar ungerührt von ihrem Martyrium: Francisco de Zurbarán malte die Heilige Lucia um 1645. Zu sehen ist das Bild in der Düsseldorfer Retrospektive. - Fotos: Museum

DÜSSELDORF - In einer Wolke aus edlem Stoff schwebt die Heilige geradezu vor uns. Ihr Haupt ist bekrönt, der Saum des Kleides mit einer schier endlosen Perlenkette besetzt. Ihren Blick richtet sie gen Himmel, und dorthin präsentiert sie auch ihren Silberteller. Darin liegen, für heutige Betrachter makaber genug, Augen. Die wurden der Heiligen Lucia bei ihrem Martyrium ausgerissen.

Die Leiden blendete Francisco de Zurbarán (1598–1664) nicht aus. Aber der spanische Barockmeister verklärte die Heiligen zu idealen Figuren, befreite sie von aller Erdenschwere. Ihre Schönheit diente dem frommen Betrachter zur Erbauung und zur Meditation. Bei Lucia fließt kein Blut, und auch ihr Gesicht ist wieder heil. Das lebensgroße Gemälde hing wohl an der Wand, etwas erhöht, wie jetzt auch im Museum Kunstpalast in Düsseldorf. Man sah und sieht zu ihr auf.

Zurbarán bildet mit Diego Velázquez und Bartolomé Esteban Murillo das Dreigestirn der spanischen Barockmalerei. Aber der in Fuente de Cantos, in der Extremadura, geborene, aber vor allem mit Sevilla verbundene Maler ist der Unbekannteste von ihnen. Das soll jetzt die erste Retrospektive im deutschsprachigen Raum ändern. Museumsdirektor Beat Wismer arbeitete dafür mit Odile Delenda und Mar Borobia, die für das Museum Thyssen-Bornemisza eine große Zurbarán-Präsentation zusammenstellten. Nicht weniger als 71 Werke des Malers sind in Düsseldorf zu sehen, dazu noch acht Stillleben seines hochbegabten Sohnes Juan, der 1649 der Pest zum Opfer fiel. Damit ist die Schau noch umfangreicher als die Ausstellung, die der Bozar in Brüssel im letzten Jahr zeigte.

Im Kunstpalast sind die Werke weitgehend chronologisch angeordnet. Man erlebt einen Künstler, der in Sevilla bei Pedro de Villanueva eine dreijährige Lehre absolvierte. Die vorgeschriebene Prüfung freilich legte er nicht ab, sondern ließ sich Llerena nieder. Von nun an machte er Karriere, erhielt zunächst vor allem von Klöstern bedeutsame Aufträge, zum Beispiel 1626 vom Kloster San Pablo el Real in Sevilla über 21 Gemälde. Zwei Jahre später arbeitet er für das Kloster Nostra Señora de la Merced Calzada in Sevilla, unter anderem porträtierte er Gelehrte des Ordens. Drei dieser lebensgroßen Bildnisse sind in Düsseldorf zu sehen. Die Mönche im weißen Habit stehen und haben als Zeichen ihrer Gelehrsamkeit jeweils ein Buch zur Hand.

Zurbarán machte Karriere, wurde 1634 Hofmaler und arbeitete neben Velázquez an der Ausschmückung des königlichen Palacio del Buen Retiro. Hier schuf der Maler seinen einzigen mythologischen Zyklus, zehn Gemälde zu den Heldentaten des Herkules. Gleich zwei Bilder der Serie, den Kampf mit der Hydra und die Reinigung der Augias-Ställe, hat der Prado an den Rhein entliehen. Hier schwelgt der Maler darin, die Körperlichkeit des Halbgottes zu feiern.

Aber mit solchen Stücken beweist der Maler nur seine Vielseitigkeit. Ebenso mit den Porträts, so malte er den Offizier Don Juan Bazo de Moreda um 1655 im eleganten schwarzen Rock, mit langen Locken, Gehstock, Säbel und den Orden. Zurbaráns eigentliche Themen liegen freilich anderswo, in der Spiritualität, den großen sakralen Motiven wie Heiligenbildnissen, Mariendarstellungen und Kreuzigungen. In einem späten Bild stellt er einen Maler unter dem Kreuz dar, der ergriffen zum Gekreuzigten aufblickt. Eine Art symbolisches Selbstporträt.

Gewöhnungsbedürftig für den heutigen Betrachter sind gewiss all die Madonnen, die er auf Wolken aus Engelsköpfen gen Himmel schweben lässt. Die „Rosenkranzmadonna“ (um 1645–50) bekommt dadurch einen Schlag ins Surreale. Und es hat bei allem Ernst eine Süßlichkeit, die zu den Auswüchsen des Barocks zählt. Und dafür schätzte man ihn eben auch, dass er dem Auge richtig Futter gab mit solchen gewagten Kompositionen. Dass er seine Heiligen, besonders die weiblichen, in Gewänder hüllte, die er virtuos schilderte, mit grandiosen Faltenwürfen und blendenden Farben.

Er konnte es aber auch schlicht. Der Heilige Franziskus gehörte zu seinen Hits, immer wieder malte Zurbarán den Asketen in einem graubraunen Gewand mit der Kapuze, oft voller Flicken und malerischer Risse. Eine Version besitzt der Kunstpalast, frisch restauriert hängt der kniende Heilige an der Wand, meditierend über einem Folianten und einem Schädel. Fünf weitere Versionen des Themas sind ausgestellt, mal steht Franziskus frontal vor dem Betrachter, den Blick in einer Vision zum Himmel gewandt, mal erscheint ihm beim Gebet die Jungfrau mit dem Kind.

Leider ist in Düsseldorf keins seiner Stillleben präsentiert. Sein Sohn malte pralle, leuchtende Früchte und eine Porzellantasse, in der man den Wasserspiegel sieht. Der Vater schuf weniger opulente Arrangements von Tassen, Krügen, Vasen, die schon an die magischen Bilder Giorgio Morandis denken lassen. Indirekt sind diese Kunststücke präsent, in der „Wunderheilung des Seligen Reginald von Orléans“ (um 1626/27) sieht man eine Tasse auf dem Nachttisch. Und im „Haus von Nazareth“ (1644) liegen Bücher und Birnen auf dem Tisch. Einen weiteren Gipfel seiner Kunst markieren auch seine Darstellungen vom „Lamm Gottes“, einem gefesselten Opfertier, bis ins letzte Fellhaar präzise geschildert. Von diesem Jesus-Symbol hängen drei Versionen.

Bis 31.1.2015, di – so 11 – 18, do bis 21 Uhr, Tel. 0211/ 566 42 100, www.smkp.de, Katalog, Hirmer Verlag, München, 39,90 Euro

Quelle: wa.de

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