„Musica Sacra“ startet in Münster

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Das Münsteraner Sinfonieorchester eröffnete das Festival „Musica Sacra“ mit Verdis Requiem.

Münster - Nirgends lodertdas Höllenfeuer so nachdrücklich wie in einer Kirche. Verdis Requiem, ein Werk, das die Spanne zwischen feurigen Verdammnisklängen und süßen Hoffnungsmelodien auslotet wie kaum ein anderes seiner Art, eröffnete im Münsteraner Dom das Festival „Musica Sacra“, das sich über die Karwoche hinweg geistlicher Musik widmet.

Viele Werke werden in Gotteshäusern gespielt von Musikern aus Münster und einigen namhaften Gästen. So singt am 21. März die Mezzosopranistin Sara Mingardo in der Lambertikirche sakrale Arien von Vivaldi; im Pontifikalamt am Ostersonntag im Dom wird Mozarts „Missa brevis“ aufgeführt. Hinzu kommen Konzerte im Theater Münster. Der Abschluss am Ostermontag wird gestaltet mit einer Aufführung des Tanztheater-Abends „Homo sacer“ im Großen Haus: zwei sehenswerte Stücke über Spiritualität und die Suche nach Nähe zu Musik von Strawinsky, Rautavaara und Sumera.

Verdis Requiem war der grandiose Auftakt, der vielleicht glanzvollste der Musikabende. Es wird oft als eine verkappte Oper eingeordnet: Es enthält intime Duette der Solisten, starke dramatische Kontraste, eine Fülle biegsamer Melodien und eine Dramaturgie, die den geistlichen Anlass mit sehr menschlichen Regungen verbindet. Wenn der Tenor sein Solo, das „Ingemisco“ singt, ist das Gebet und glänzende Arie zugleich, endend mit einem sieghaften hohen C, das den Wunsch, zur Rechten des Herrn platziert zu werden, über reines Flehen hinaus trägt.

Münsters Musikchef Fabrizio Ventura hatte vier Solisten eingeladen, die die Operndimensionen des Requiems eindrücklich bespielten. Danilo Formaggia sang geschmeidig, wenn auch mit viel Metall in der Stimme. Burak Bilgili war ein nobler Bass. Doch vor allem die Sopranistin Iano Tamar und die Mezzosopranistin Mariana Pentcheva bewegten sich eindrucksvoll auf einer Ausdrucksskala zwischen Frömmigkeit und Operndramatik. Ihre Duette, namentlich das „Recordare“ und später das „Agnus Dei“, verbanden das dunkle Glühen von Pentchevas mit dramatischer Tiefe ausgestattetem Mezzo mit den geschmeidigen, süßen Lyrismen Tamars. Im ersten Duett ergab das einen dunklen Glamour, der daran erinnerte, dass diese Musik ein Ritual abbildet. Ein Ritual aber ist für die Lebenden da: die große Toten-Oper für die Zurückbleibenden.

Das abschließende „Libera Me“ sang Tamar als dramatischen Monolog mit dem Hauchen und den Tränen in der Stimme, die dem Solo intimen Ausdruck verleihen, während durch das Orchester ein letzter Spukwind fährt.

Fabrizio Ventura leitete sein großes Ensemble – die Münsteraner Sinfoniker, den Konzertchor und den Philharmonischen Chor Münster – umsichtig durch die wuchtigen Choreinsätze, durch die Höllenfeuer im Orchesterpart, und er gestaltete die Ruheinseln der Partitur als Atempausen. Wo möglich, nutzte er den Ort; so ließ er die Fanfare im „Dies Irae“ von der Empore spielen. Die Chöre präsentierten sich wuchtig und einsatzfreudig und hatten hörbar Freude daran, den großen Raum zu füllen.

Die Münsteraner Sinfoniker überzeugten nicht nur durch dramatische Lautmalerei, sondern mit feinen Einsätzen in den zurückgenommenen Partien: hier schimmerte ein silbriges Gespinst der Hoffnung auf.

Quelle: wa.de

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