Das Musical „Bodyguard“ ist im Kölner Musical Dome zu sehen

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Es ist nicht die „Königin der Löwen“ sondern Patricia Meeden in „Bodyguard“. Bei der Deutschlandpremiere zeigt sich die Sängerin als Rachel Marron strahlend und temperamentvoll mit der Tanz-Compagnie der Produktion im Kölner Musical Dome.

Köln - Heiß ist die Show der Soul-Diva, die ihre Energie als Sängerin und Tänzerin verströmt. Heiß ist die Luft, wenn die Flammenfontänen aus dem Bühnenrand schießen, und Patricia Meeden mit der Tanzcompagnie der Produktion „Bodyguard“ die Show in Köln zündet. Zumindestens in der sechsten Reihe ist das Feuer auf der Haut noch zu spüren, zu sehen sind die züngelnden Effekte aber bis unters Dach des Musical Dome.

Der erste Knall ist allerdings für die Titelfigur reserviert. „Bodyguard“ beginnt wie der gleichnamige Film von 1992 mit einem Schusswechsel und einem Arbeitsnachweis des Leibwächters, der dann eine neue Aufgabe annimmt. Er sollte den Showstar beschützten, der sich wie ein Mädchen aufführt. Damals traf Oscarpreisträger Kevin Costner auf Whitney Houston und beide landeten mit dem schnulzigen Thriller einen Welterfolg.

An dem Markenname „Bodyguard“ setzt auch das Musical an, verändert allerdings die Erzählperspektive von Drehbuchautor Lawrence Kasdan („Star Wars“, „Grand Canyon“). Die Musicalbearbeitung von Alexander Dinelaris, der in diesem Jahr für „Birdman“ einen Drehbuch-Oscar bekam, setzt vor allem auf die Sängerin. Dass ist für ein Musical naheliegend, denn auf der Bühne lassen sich Welthits von Whitney Houston (1963– 2012) wunderbar inszenieren. Auch Kasdan hat diese Version seines Drehbuch abgenickt. So dreht sich nicht die Filmkamera um den wortkargen Bodyguard, nein auf der Musicalbühne strahlt die Soulsängerin. In London lief „Bodyguard“ bereits zwei Jahre erfolgreich (Regie: Thea Sharrock), sammelte Preise und wird 2016 in den USA zu sehen sein. Nun aber ist erstmal Köln die neue Spielstätte. Und der Musical Dome, der zweitweise von der Kölner Oper angemietet war, bietet wieder ein Bühnenvergnügen mit voraussichtlich langer Spielzeit.

Das liegt vor allem an Patricia Meeden. Der Musicalstar („Sister Act“, „Dirty Dancing“) zählte in der Castingshow „Voice of Germany“ zu Xavier Naidoos Team und veröffentlichte zwei Alben mit dem Sänger. In Köln entwickelt sie die Figur der Rachel vom singenden Partygirl zur liebenden Frau. Dem Bodyguard begegnet sie erst reserviert, sie will nicht, dass ihre Freiheit eingeengt wird. Das Studio in ihrer Villa ist voller Tänzerinnen und Tänzer. Aber als Frank Farmer sie vor dem Stalker abschirmt und aus dem Mayan Club trägt, ist es passiert: Liebe. Und sie spürt seinen Schutz, seine Arme. Das ist punktgenau in Szene gesetzt. Der Tumult im Club wird in Zeitlupe mit Flackerlicht dramatisiert, dann ist die Bühne schlagartig vernebelt. Sehr stark.

Auch in diesem Musical sind einige Rollen typisiert: Sicherheitsmann, Choreograf und Rachels Produzent sagen nur wenige Sätze. Sympathieträger ist Rachels zehnjähriger Sohn Fletcher. Lamin T. tanzt mit der Compagnie, ist keck und altklug. Auch Tertia Botha überzeugt als Nicki, sie singt ein tolles Duett mit Rachel, und gibt die tragische Rolle der Schwester, die weder eine Gesangskarriere macht, noch den Bodyguard bekommt und zum Opfer wird. Jürgen Fischer („Rosenheim-Cops“) als Frank Farmer lässt leider Charisma vermissen. Was im Film die Schnittfolge bei Kevin Costner rausholte, ist auf der Bühne nicht zu machen. Dass sich gleich zwei Frauen in diesen Kerl verlieben – kaum zu glauben. Auch Farmers Karaoke-Gesang („I Will Always Love You“) ist nur mäßig witzig, und wie er mit starrem Blick und struppigem Brusthaar in Rachels Bett liegt: unfreiwillig komisch.

Gut, dass die Compagnie der Produktion spritzigen Showtanz (Karen Bruce) bietet und in knalligen Kostümen (Tim Hatley) einige Hits wunderbar performt. Im Mittelpunkt ist dann immer Patricia Meeden, die auch Balladen wie „I Have Nothing“ ausdrucksstark singt. Ihre Soulstimme wird erlebbar, als sie nach der Liebesnacht „All The Man I Need“ noch einmal im Studio singt und ihr ganzes Volumen abruft. Das geht unter die Haut. Klasse.

Franks kurzzeitiger Rückzieher („Es geht nicht“) und Nickis Tod geben dem „Bodyguard“-Stoff erzählerisches Format, das im Genre Musical nicht selbstverständlich ist. Auch der Weg zur Oscar-Verleihung ist noch spannend. Und Rachel füllt mit ihrem Gesang die Bühne. Zu „One Moment in Time“ trägt sie ein Abendkleid, so goldfarbend wie der Oscar selbst. Und als sie im Finale mit einem Kostümtraum aus schwarzen Federn auftritt und aufsteigt, da begeistert sie den ganzen Saal: „I Will Always Love You“. Nur fliegen kann sie mit den Federn nicht, ansonsten sind alle Wünsche des Premierenpublikums erfüllt.

Das Musical

Stimmungsvolle Bilder, großartige Hits von Whitney Houston und eine Darstellerin, die mit ihrer Soulstimme überzeugt. Ein neues Erfolgsmusical ist in Köln gestartet.

Bodyguard im Musical Dome Köln. di, do-sa 19.30 Uhr, mi, so 18.30 Uhr, sa 14.30 Uhr, so 14 Uhr; Tel. 0211/7344150

www. bodyguard-musical.de

Quelle: wa.de

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