Land Rheinland-Pfalz involviert

Nach Gewittern mit 82 Verletzten: "Rock am Ring" unterbrochen

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[Update 16.55 Uhr] Mendig/Eifel - Nach dramatischen Wetterproblemen mit dutzenden Verletzten hat der Veranstalter das Festival am Samstagnachmittag mindestens bis zum Abend unterbrochen. Zunächst hatten Quellen vor Ort vom Abbruch berichtet. Ausgeschlossen ist das aber nicht.

Es ist das vorläufige Ende einer Zitterpartie, während deren Verlauf der Veranstalter Marek Lieberberg mehrfach dementieren ließ, dass über einen Abbruch des dreitägigen Festivals Rock am Ring überhaupt nachgedacht werde: Am Samstagnachmittag wurde das zunächst zeitlich begrenzte Aus der Veranstaltung von Vertretern des Landes Rheinland-Pfalz und der Ordnungskräfte verkündet. Nachdem in der über 30-jährigen Historie des Festivals viel über das Wetter gewitzelt wurde, das der Eifel-Veranstaltung stets mindestens einen Starkregen bescherte, ist eine solche Maßnahme bislang nie ergriffen worden.

Nachdem das Festival seit 1985 am Nürburgring stattgefunden hatte, war es im Jahr 2015 umgezogen in den kleinen Ort Mendig mit seinem großen brachliegenden Militär-Flughafen. Mehrere Blitzeinschläge und 33 Verletzte waren die trautrige Bilanz der Premiere. Dennoch wurde 2015 weitergefeiert in der Hoffnung, dass es sich um ein einmaliges Ereignis handele. Doch das Unglück sollte sich diesmal wiederholen.

Eindrücke vom verschlammten Rock am Ring 2016 in Mendig

Wie ein Perpetuum Mobile wechselten sich Sonne und Regen ab, bevor schließlich am frühen Freitagabend eine massive Wolkenwand über das Festivalgelände zog. Erwartungsfroh standen die Massen vor den Bühnen und warteten auf die Stars, die nicht kommen sollten. Die Ozzy Osbournes Shows entlehnte Overtüre ertönte an der Hauptbühne, doch Tenacious D. blieben Backstage. Ratlosigkeit machte sich unter den Zuschauern breit. Noch glaubte man an einen Scherz von Jack Black und seinen Kumpanen.

Doch dann ertönten Warnhinweise, das Publikum möge sich von metallischen Gegenständen fernhalten. Menschen begannen zu laufen, als die ersten Tropfen fielen. Viele hatten die Bilder des vergangenen Jahres noch vor Augen und fürchteten eine Wiederholung. Einige andere glaubten noch an einen vorübergehenden Schauer und eine baldige Fortsetzung des Bühnenprogramms. Erst als die ersten Regentropfen auf das Gelände fielen und Blitz und Donner in unmittelbarer Nähe krachten und brausten, nahmen etliche Ringrocker die Beine in die Hand.

Auf dem unwegsamen Grund, in den sich das Gelände verwandelt hatte, ein anstrengendes wie schwieriges Unterfangen. Teils bis unter die Knie sanken die Besucher an manchen Stellen in den schweren Grund ein. Mit Rindenmulch ausgestreut waren einige wenige Bereiche. Viele Besucher hatten keine Gummistiefel im Gepäck. Großes Gedränge herrschte auf den wenigen asphaltierten Flächen. Mehrere Blitze schlugen auf dem Gelände ein. Rettungskräfte hatten Schwierigkeiten, die Verletzten zu bergen, trugen diese durch den Morast, weil Bahren nicht nutzbar waren.

Bis in die Nacht hinein kolportierten die Veranstalter, dass es Verletzte gegeben habe, von denen acht in Krankenhäuser gebracht worden seien. Eine Reanimation sei geglückt. Ein Festivalabbruch sei kein Thema. Nach eineinhalb Stunden Pause wurde das Programm fortgesetzt.

Noch am Samstagvormittag wurde diese optimistische Sicht der Dinge von den Veranstaltern im Netz verbreitet. Doch längst sprachen die Daten eine andere Sprache. Roger Lewentz, Innenminister des Landes Rheinlandpfalz, und Jörg Lempertz, Bürgermeister der Stadt Mendig, sprachen bei ihrer Ankunft auf dem Festival-Gelände von 82 Verletzten, einige davon schwer. Man habe angeordnet, die Veranstaltung zu suspendieren, so Lewentz. Dies sei ein Akt höherer Gewalt. Gegen 17 Uhr erwarte man die Unwetterfront. Und gegen 20 Uhr, so Veranstalter Marek Lieberberg, könne der Spuk bereits vorbei sein. Lewentz ließ keinen Zweifel daran, dass er davon ausgehe, dass die Veranstaltung komplett abgebrochen werden müsse. Es sei eine schwierige Woche für Deutschland, die noch keinen Abschluss gefunden habe, so der Innenminister.

Derweil wurden das Festivalgelände geräumt, während die Besucher wie auch in den Tagen zuvor, darauf aufmerksam gemacht wurden, dass sie für sich selbst Sicherheitsvorkehrungen ergreifen müssten. Im Falle der Campingplatzbewohner konnte damit nur der Rückzug in mitgebrachte Pkw und Gebäude der näheren Umgebung gemeint sein.

Lieberberg betonte, dass die Suspendierung vorläufig erfolge und man stündlich über die aktuellen Gegebenheiten informieren werde. Die Veranstalter wollten Sorge dafür tragen, dass sich die Kommunikation transparent und glaubwürdig gestalte. Und eben genau daran waren im Laufe der Nacht und des Vormittags etliche Zweifel laut geworden.

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Quelle: wa.de

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