Nach Weihnachten beschert das Konzerthaus Dortmund die Irland-Fans

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Anmut von der Grünen Insel: Die Tänzerinnen von „Irish Celtic“ im Dubliner Pub „Brazen Head“.

DUBLIN/DORTMUND - Die Iren haben ein herrliches Trinklied: „Maloney wants a drink“. Es ist selbstverständlich eine Entschuldigung dafür, nach jeder Strophe einen zu kippen. Der Held, Paddy Maloney, hat eindeutige Prioritäten: Er spannt dem Adam die Eva aus, danach versetzt er Salomes sieben Schleier. Das Wesentliche in diesem Song ist aber nicht der Alkohol, sondern die Zeitleiste: Wann immer Wichtiges vorfällt, ein Ire ist schon da.

Iren sind stolz auf ihre Kultur, ihre Lieder und Geschichten, und den Ort, an dem die Stories von Bier und Whiskey beflügelt werden: den Pub. Das „Brazen Head“ in Dublin soll der älteste Pub Irlands sein. Seit 1189, so eine Urkunde, werden hier müde Wanderer erfrischt.

Vor ein paar Jahren hatte ein cleverer Ire die Idee, das „Brazen Head“, das im Dubliner Vergnügungsbezirk Temple Bar liegt, zeitreisen zu lassen. Einmal quer durch das historische Blumenbeet der Grünen Insel, bitte: das ist die Show „Irish Celtic“, zu sehen vom 28. bis 31.12. im Konzerthaus Dortmund. „Irish Celtic“ ist eine Wundertüte für Irlandfans, ein Füllhorn für alle, die auf irischen Tanz, Barwitze und Trinklieder stehen; und wer würde das nicht?

In der Show erklärt ein Pubbesitzer, der natürlich nicht anders heißen darf als „Paddy“, was irische Kultur ist: die Tanzszene vom Unterdeck der „Titanic“ aus dem Film zum Beispiel. Feen in Softshoes. Ein Auftritt von Diarmaid Meade, Weltmeister im Sean-nós, einer irischen Stepp-Variante mit Besen. Heldische Männer in Kilts zu „Braveheart“-Musik.

Moment, wieso „Braveheart“? Dafür hat Liam Campbell eine Erklärung parat: „Der Film über William Wallace spielt zwar in Schottland, wurde aber im County Wicklow, südlich von Dublin, gedreht. Leider fuhren die Leute dann alle nach Schottland, um die Landschaft anzuschauen. Ich raufte mir die Haare.“

Liam arbeitet für die Tourismusagentur Failté Ireland. Er verfügt über die berühmte glatte irische Zunge und könnte einem Leprechaun den Goldtopf abschwatzen. Er ist nahezu perfekt darin, die – keltischer Tiger hin, Rezession her – größten Verkaufsschlager der Iren anzupreisen: Tanz und Musik. Die Iren haben mit einer Mischung aus Poesie und Geschäftssinn die Sympathien für ihr Land hochgehalten. Bis heute sind neben den Briten die Amerikaner die größte Touristengruppe in Irland, noch vor Deutschen und Franzosen. Ein Resultat der guten Verbindungen zu den zirka 40 Millionen irischstämmigen Amerikanern.

„Alle Iren kennen sich um ein paar Ecken“, meint Campbell. Auf Iren, die etwas erreichen, ist man stolz. Im Dubliner „Brazen Head“ hängen Schallplatten mit Reden von John Fitzgerald Kennedy. Weil die Iren im Feiern Weltmeister der Herzen sind, zieren Flaschen, Fässer und Zapfhähne das „Brazen Head“ auf der Bühne. Und Bilder von den Heiligen der Dubliner Literatur: Joyce, Yeats, Wilde.

„Ich bringe in der Show meinem ,Sohn‘ Diarmaid bei, was echte irische Kultur bedeutet“, erklärt Toby Gough. Deutsch spricht er nicht wirklich, aber seinen Auftritt, meint er, kriegt er hin: ein paar deutsche Brocken, etwas Englisch, viel irischer Charme. Die Übersetzung der Show wurde von dem RTL-Comedy-erfahrenen Thomas Lienenlüke besorgt. Eine fünfköpfige Band spielt Folk-Hits wie „Whiskey in the Jar“ und „The Wild Rover“.

Jen Corless, 26 Jahre alt, schmal, durchtrainiert, tanzt seit anderthalb Jahren bei „Irish Celtic“. Als Teenager war sie Wettkampftänzerin, mit 20 ging sie zu Michael Flatley. Wer professioneller Irish Dancer werden will, startet früh, beweist sich auf Wettbewerben, die auch als Jobbörsen funktionieren. Nach der Wettkampfzeit suchen die Tänzer Engagements in Shows. Viele haben weitere Jobs. Der Westire Diarmaid Meade arbeitet auf dem Bau und ist auch Farmer.

„Irish Dance ist wahnsinnig anstrengend“, erklärt Jen. „Man darf zum Beispiel niemals die Knie beugen, wenn man springen will. Bei Wettkämpfen ist es sogar verboten, die Arme zu bewegen. Im Showtanz dürfen wir uns aber etwas persönlicher ausdrücken.“

Zu schade, dass man im Konzerthaus Dortmund nicht mittanzen kann.

28.–31.12.,

Tel. 0231/ 22 696 200, www.konzerthaus-dortmund.de

Quelle: wa.de

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