Neue CD: David Helbock Trio: Into The Mystic

+
David Helbock: Into The Mystic

David Helbock Trio: Into The Mystic (Act Music). Der österreichische Pianist David Helbock mag es schräg und unterhaltsam. Nur einer wie er kommt auf die Idee, die Filmmusiken von „Exodus“ und „Star Wars“ so ineinander zu verschränken, dass der Hörer meint, für die Ohren zu zappen.

Das pathetische Thema aus dem 2. Satz von Beethovens 7. Sinfonie deutet er am präparierten Klavier (mit aufgelegtem Dämpfer) schlicht und volksliedhaft. Im folgenden Stück „The Soul“ lässt er die Harmonien des klassischen Komponisten fortschwingen und verwandelt sie in einen Hymnus über rockigen Grooves. Helbock kann es noch viel wilder, wie er 2014 mit seiner Gruppe Random Control bewies, wo er Musik von Thelonious Monk und Hermeto Pascoal in exotischer Instrumentierung interpretierte. Auf seinem ersten Album für das Act-Label spielt er im klassischen Jazztrio-Format, nur dass Raphael Preuschl nicht den Kontrabass bedient, sondern die Bass-Ukulele, deren dicke Saiten stumpf und trocken klingen, was gerade in funky und rockigen Momenten gut klingt.

Im Übrigen harmonieren er und Drummer Reinhold Schmölzer bestens mit Helbock. Da kann Preuschls Komposition „Louverture“ als beinahe konventioneller Hardbop rüber, direkt, swingend, und nur in Momenten aus dem Gleichgewicht geschubst. Monk kommt in Helbocks Eigenkomposition „Spiritual Monk“ zu seinem Recht, und der Pianist schüttelt Wendungen im Duktus des Meisters aus dem Ärmel, mischt ein Balladenthema mit einer Bluesphrase auf, lässt einen das Denken vor jedem Tastenanschlag in Miniverzögerungen hören – wunderbar.

Das Leitmotiv des Albums sind Mythen, aber bei Helbock steht Ironie allemal höher im Kurs als Esoterik. Selbst so eine zurückgenommene Musik wie im Titelstück bekommt durch das direkte Zupfen der Saiten, durch Mussorgsky-Zitate und bombastische Klangwolken wieder Witz und Schärfe.

Quelle: wa.de

Kommentare