Neue CD: The Bad Plus: It’s Hard

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The Bad Plus: It’s Hard

The Bad Plus: It’s Hard (O-Keh/Sony). Das Jazztrio aus Minneapolis kehrt mit diesem elften Album sozusagen zu seinen Wurzeln zurück. „The Bad plus“ übersetzen auf „It’s Hard“ wieder Pop- und Rock-Hits in ihre musikalische Sprache.

Was eigentlich heißt, dass kein Stein auf dem anderen bleibt. Man höre nur Peter Gabriels Ballade „Games Without Frontiers“, bei dem Pianist Ethan Iverson die Melodie lustvoll in Dissonanzen verpackt. Oder wie sie Cindy Laupers Song „Time After Time“ rhythmisch verschleppen, wobei die aufsteigende Notenfolge als volltönendes Arpeggio den Fluss vollends unterbricht. Oder wie sie in Johnny Cashs Gassenhauer „I Walk The Line“ genau dann, wenn der Hörer die Finger schnipsen will, einen Extraschlag spielen, beschleunigen oder verzögern. Irgendwie werfen sie noch jeden Hit aus den Gleisen, aber mit Überlegung und großer musikalischer Intelligenz, so dass der aufgeschlossene Hörer seine helle Freude an all der destruktiven Phantasie hat. Zumal Iverson und seine nicht minder virtuosen Kollegen Reid Anderson (Bass) und David King (Drums) durchaus verborgene Schönheiten in Stücken herausarbeiten oder neue entwickeln. Princes Song „The Beautiful Ones“ bekommt hier kristallene Klarheit, zum Beispiel wenn das Thema vom Bass interpretiert wird. Und Iversons lässt das Piano im Solo glockenhell klingen. Bei Barry Manilows „Mandy“ lassen sie das Intro fast unverändert, dann tastet sich Iverson in die Melodie und gibt dem Schmachtfetzen eine neue Unschuld, indem er falsche Töne einstreut und vor allem entschleunigt. Selbst „Die Roboter“ von Kraftwerk sind vor ihnen nicht sicher, und wie King das mechanistisch-minimalistische Geschehen mit afrokubanischer Polyrhythmik in die Nähe von Gillespies „Night in Tunesia“ rückt, das lohnt allein schon die Platte. -  Ralf Stiftel

Quelle: wa.de

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